Do, 13. November 2025 | Kategorie Blog

Misbah Riaz - mein erster Einblick in die Forschung

Eine Woche durfte Misbah Riaz, Geförderte der Österreichischen Studienstiftung seit 2025, diesen Sommer am Institut für Sozialanthropologie in den Forschungsalltag eintauchen. Die Studienstiftung dankt dem gesamten Team und im besonderen Marieke Brandt für die herzliche Aufnahme von Misbah und für die großartige Volontariats-Premiere am Institut.

Text: Misbah Riaz

Anfang August durfte ich eine Woche am Institut für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verbringen. Ich war neugierig auf die Forschung am Institut und habe mich besonders für das Forschungsprojekt interessiert, das sich mit dem Jemen und der Ideologie der Huthis beschäftigt, weil ich davor kaum etwas über das Land oder die Ideologie wusste.

Ich wurde sehr herzlich empfangen und sogar ein bisschen gefeiert, weil ich die erste Volontärin am Institut war. Schon am ersten Tag war ich beeindruckt, wie offen alle Forschenden mit mir umgingen: Von der Postdoktorandin bis zum Gründungsdirektor haben sich wirklich alle Zeit genommen, mir ihre Arbeit zu erklären und meine vielen Fragen zu beantworten. Ich hatte das Gefühl, dass sich alle ehrlich über mein Interesse gefreut haben und dass sie genauso neugierig auf mich waren wie ich auf sie.

Vielfältige Inhalte und bereichernde persönliche Begegnungen

Inhaltlich war die Woche unglaublich vielfältig. Ich habe unter anderem eine Rede des ehemaligen Huthi-Führers Hussein Badr al-Din al-Huthi gelesen und mit der Jemen-Expertin Dr. Marieke Brandt besprochen. Besonders spannend war für mich, Parallelen zwischen der Huthi-Ideologie und der Ideologie der Taliban zu erkennen – etwa, dass in beiden Gruppen Israel bzw. Juden als gemeinsamer Feind dargestellt werden.

Neben dieser kleinen Textarbeit gab es auch viele Gespräche mit Forscherinnen und Forschern, jedes davon auf seine Weise inspirierend. Von Maria Six-Hohenbalken habe ich zum ersten Mal vom Dengbêj-Gesang gehört – einer kurdischen Tradition, bei der Geschichten über Generationen hinweg gesungen werden, eine wunderschöne Form der Geschichtsbewahrung. Dayana Lengauer hat mich mit ihrer persönlichen Geschichte tief beeindruckt: Als Teenagerin nach Österreich gekommen und nun promovierte Postdoktorandin, erzählte sie mir, wie sehr sie vom Betreuer ihrer Doktorarbeit, Herrn Slama, unterstützt und motiviert wurde.

Der Gründungsdirektor des Instituts für Sozialanthropologie, Andre Gingrich, erzählte, wie er während seiner Feldforschung im Jemen von Kindern den dortigen Dialekt lernte, während er ihnen im Gegenzug Englisch beibrachte.

Ganz besonders dankbar bin ich Frau Marieke Brandt, die mich die ganze Woche begleitet hat. Sie hat das Programm für mich zusammengestellt und mir einen außergewöhnlich intensiven Einblick in die Welt der Forschung ermöglicht. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, und jedes unserer Gespräche war tiefgründig, manchmal fast schon philosophisch – an jedes davon werde ich mich noch lange erinnern.

Foto: Privat