Ziel des Projektes ist es, die Verbindung von Musik und Antisemitismus bei der Bildung von Affekt-bzw. Gefühlsgemeinschaften in unterschiedlichen Herrschafts- und Medienformen in Österreich zwischen 1870 und 1988 zu untersuchen. Über die Rezeptionsgeschichten einzelner Komponist*innen hinaus wird dabei nach antisemitischen Mechanismen in Bedeutungszuschreibungen und Bewertungen von Musik in und durch Massenmedien gefragt. Das Projekt fokussiert dabei darauf, wie Musik medial an kollektive Identitäten und Gefühle gekoppelt wird. In Anwendung einer antisemitismustheoretischen Perspektive sind Prozesse affektiver Mobilisierung auf die Projektion eines nicht-dazugehörenden Anderen angewiesen. Othering wurde in kulturwissenschaftlich orientierten, musikwissenschaftlichen Diskursen zu Identitätskonstruktionen durch Musik thematisiert, die spezifische Funktion des Antisemitismus wurde dabei allerdings wenig berücksichtigt. Das Projekt widmet sich dieser Funktion anhand eines vielfältigen Forschungsmaterials in einem Untersuchungszeitraum von über 100 Jahren: von schriftlichen Quellen der Tagespresse bis zu auditiven Radio- bzw. audiovisuellen Film- und Fernsehquellen. Es ergründet Antisemitismus als kulturelle, historisch wandelbare Form des Othering in Abhängigkeit von Herrschafts- und Medienform sowie in seiner Interaktion mit anderen Formen der Diskriminierung. Dabei wird auch auf sozialwissenschaftliche Ansätze aus der aktuellen Antisemitismusforschung aufgebaut, welche die Intersektionalität des Antisemitismus mit sexistischen und rassistischen Diskriminierungsformen verhandelt. Das innovative Projekt unternimmt eine interdisziplinäre Annäherung musik- bzw. kulturhistorischer Untersuchungen an die Antisemitismusforschung, wie sie in den letzten Jahren in unterschiedlichen Arbeiten als Forschungsdesiderat identifiziert wurde.

Projektbearbeiter:Elias Berner
Projektdauer: 01.02.2026 – 31.01.2030
Finanzierung: APART-GSK (ÖAW)

Kooperationen: Zentrum für Antisemitismus und Rassismusstudien, Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin, Deutsches Rundfunkarchiv, Haus der Geschichte Österreich