Ausgehend von einer linguistischen Typologie sprachlicher Funktionen beschreibt das Projekt „Konversation“ als eine spezifische Form (ein Genre) mündlicher Kommunikation: Kennzeichnend ist dabei eine bestimmte Selbstreferentialität von Aussagen, die Konversation in ein besonderes Spannungsverhältnis zur Literatur setzt. Dieser typologische Arbeitsansatz konfrontiert die Analyse mit (literatur-) historischen Analysen um zu fragen, wie Konversation zum Gegenstand von Literatur wird und Literatur zum Gegenstand von Konversation – und wie das Verhältnis vermittelt wird in Hinblick auf das jeweils artikulierte kommunikative bzw. kulturelle Gedächtnis.
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„Gelungene“ Konversation vermeidet ein Insistieren auf einer spezifischen „Wahrheit“ ebenso wie starke Emotionen. Sie vermischt unterschiedlichste Diskurse und suspendiert das in ihnen verfestigte „Interesse“. Ideale wie die „Grazie“ rücken die Konversation zusätzlich in den Bereich der (Autonomie-)Ästhetik. Das Projekt geht davon aus, dass eine solche Bestimmung der Konversation seit dem 17. Jahrhundert wirksam ist und interessiert sich von da aus für das Verhältnis von deutschsprachiger Literatur und Konversation bis heute. Dabei stellt es etwa folgende Fragen: Wie etabliert sich „Konversation“ historisch in Abgrenzung von anderen Formen mündlicher Kommunikation und in welches Verhältnis rückt sie zur Dichtungsästhetik der jeweiligen Zeit? Welche Gedächtnisfunktion erfüllt Konversation als eine stark von Konventionen beherrschte Form des Gesprächs und welche Funktion hat dabei kulturelle Heterogenität und Mehrsprachigkeit? Welche Konzepte von „Eigentlichkeit“ und „Authentizität“ werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten einem „Konversationston“ entgegengestellt und welche Rolle spielt dabei Literatur? Stimmt die These von einem zeitgenössischen „Niedergang“ der Konversation oder beschäftigten uns zu ihr gehörige Phänomene einer „Unterhaltung durch das Gespräch“ bis heute?
Projektleiter: Christoph Leitgeb
Finanzierung: ÖAW

