Friedrich Regenstreif (1868-1941), Wien 18., Pötzleinsdorfer Straße 36-38


Friedrich „Fritz“ Regenstreif war als Holzindustrieller in Bosnien und Herzegowina wohlhabend geworden. In den Jahren 1913-1917 ließ er vom Architekten Friedrich Ohmann, der in den Jahren 1899-1907 die artistische Leitung des Baus der Neuen Burg übergehabt hatte, eine prächtige Villa im Stil eines Herrenhauses in Pötzleinsdorf errichten. Sämtliche Privaträume und Salons der Villa waren mit künstlerisch ausgestalteten Holzpanelen und Marmorplatten verkleidet. Im Kellergeschoss waren ein Kinosaal, eine Kegelbahn und eine Orangerie zu finden. Im etwa zwei Hektar großen Park befanden sich ein Schwimmbad und ein chinesischer Pavillon.
Im März 1941 wurde Fritz Regenstreif aufgrund seiner jüdischen Herkunft dazu gezwungen, seine Villa weit unter dem Wert an die Deutsche Arbeitsfront (DAF) zu verkaufen. Im Mai dieses Jahres verstarb Friedrich Regenstreif. Damit erlosch auch der Schutz, den er seiner Familie mit Hilfe seines Reichtums hatte bieten können.


Seine beiden Kinder Paul und Ellen konnten 1942 flüchten: Paul Regenstreif (1899-1981) ging nach Ungarn, wo er mit seiner Frau Therese, geb. Wolf (1902-1991) und seiner Tochter überlebte. Ellen Illich (1901-1965) erlebte mit ihren drei Kindern in Italien das Kriegsende.

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Nach der „Arisierung“ ließ die DAF die kostbare Einrichtung der Villa abtransportieren, die Holzpaneele wurden zerstört. 1943 erwarb die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt das Gebäude. Nach Kriegsende mietete die US-Army das Haus als Offiziersclub für Offiziere der Luftwaffe. Paul Regenstreif und Ellen Illich erhielten die außen unversehrte, aber innen verwüstete Villa nach einem Restitutionsverfahren, das von 1948-1953 dauerte, zurück. Im Jahr 1958 verkauften sie die Villa, die in den 1960er Jahren in den Besitz der Bundeswirtschaftskammer kam. Anfang der 1960er Jahre war die Villa kurz als Dienstvilla des österreichischen Bundespräsidenten im Gespräch. Am 17. März 1964 brach bei Renovierungsarbeiten ein Brand aus. Das Gebäude wurde daraufhin abgerissen; heute befindet sich an seiner Stelle ein Studentenwohnheim der Universität für Bodenkultur.

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Quellen

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