Kontakt: Jasemin Khaleli
Das Erinnern 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sowie die Übersiedlung aus den Räumlichkeiten, die das Phonogrammarchiv insgesamt 99 Jahre beherbergt hatten, gaben konkrete Anlässe für die Beschäftigung mit der Geschichte des Archivs. Im Zentrum stand dabei das Zusammenwirken von ideologischen, personellen und räumlichen Strukturen am Phonogrammarchiv sowie die methodische Zusammenführung von historischer Quellenarbeit, ethnographischer Datenerhebung und künstlerisch-vermittelnder Auseinandersetzung.
Der politische Machtwechsel nach 1938 und die Beförderung NS-loyaler Mitarbeiter:innen wirkten sich unmittelbar auf die Personal- und Forschungspolitik der Akademie der Wissenschaften sowie auf das Phonogrammarchiv im Speziellen aus. Bestehende Aufarbeitungen beleuchten insbesondere die Entscheidungsebenen der ÖAW und die Umstrukturierungen nach dem ‚Anschluss‘, darunter die Vertreibung des jüdischen Leiters Leo Hajek und die Neubesetzung durch das NSDAP-Mitglied Walter Ruth. In Ergänzung dazu setzte dieses Projekt einen Schwerpunkt auf den (Denk-)Raum des Archivs von innen heraus. Im Fokus stand die Frage, welche ideologischen Positionierungen aus den Quellen rekonstruierbar sind, welche Rollen die zentralen Akteur:innen Walter Ruth und Elfriede Hermann (geb. Kapeszky) bei der Aufrechterhaltung des als ‚wehrwissenschaftlich‘ bedeutsam geltenden Schallarchivs innehatten und inwiefern diese am nationalsozialistischen Regime beteiligt waren oder zumindest von diesem profitierten. Die Motivation der Projektdurchführenden war es, diese Geschichte im Sinne einer Verantwortungsübernahme nicht am alten Standort zu vergessen; vielmehr ging es darum, die lückenhaften und teilweise ambivalenten Spuren aufzugreifen, ohne abschließende und allzu vereindeutigende Lesarten zu präsentieren.
Die Projektergebnisse waren im Rahmen der Langen Nacht der Forschung 2026 zu sehen und liegen in einer Publikation vor. Das E-Book kann hier als PDF heruntergeladen werden.
Raum Be-/Ergreifen: Das Phonogrammarchiv der ÖAW und der Standort Liebiggasse im Wien der NS-Zeit
Projektleitung: Jasemin Khaleli, Projektmitarbeit: Jonas Löffler
Oktober 2025 - Juni 2026
Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA7)




