Wissen – Ökonomie – Öffentlichkeit
Wissenschaftlich-wirtschaftliche Gesellschaften in Wien (1850–1925)

Prozesse des Wissensaustausches zwischen Wissenschaftler/inne/n, Unternehmer/inne/n, Techniker/inne/n und der Öffentlichkeit geben neue Einblicke in die sich wandelnde Bedeutung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Wien. Neue Aspekte des Projekts sind die Funktion von Zivilgesellschaften als Bündnisse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und ihr Einfluss auf die Produktion und Verbreitung von Wissen im Kontext der Habsburgermonarchie. Dies soll vereinsübergreifend untersucht werden. Gesellschaften wie der Österreichische Ingenieur- und Architektenverein, der Niederösterreichische Gewerbeverein oder die k.k. Landwirtschafts-Gesellschaft in Wien unterhielten wissenschaftliche Vortrags- und Zeitschriftenreihen, führten Forschungsaufträge und internationale Ausstellungen durch, standardisierten technologische Verfahren und initiierten die Gründung von Museen und staatlichen Lehr- und Versuchsanstalten. Als wissenschaftlich-wirtschaftliche Vereinigungen nutzten sie politische, wirtschaftliche und kommunikative Ressourcen. Sie förderten den Austausch von Wissen und Technik zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Damit prägten sie den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Wien wesentlich mit. Das Forschungsprojekt untersucht diese langfristigen Prozesse und vergleicht sie mit Entwicklungen in anderen europäischen Ländern.
Projektleiter: Johannes Mattes
Mitarbeiterinnen: Sandra Klos, Sarah Sabina Zöchling
Finanzierung: Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank (Projektnr.: 18684)
Dauer: 01.10. 2021–30.09.2025
- Wissenschaftlich-wirtschaftliche Gesellschaften werden erstmals systematisch als aktive Forschungsträger gefasst – nicht nur als Orte der Popularisierung.
- Wissensproduktion zeigt sich als Prozess in urbanen Zwischenräumen, in denen staatliche, wirtschaftliche und bürgerliche Akteure eng verflochten waren.
- Kooperative Forschung: Die Fallstudien machen sichtbar, wie wissenschaftliche Expertise, wirtschaftliche Interessen und staatliche Modernisierungsprojekte miteinander verschmolzen und neue Allianzen zwischen Adel, Bürgertum und Verwaltung hervorbrachten.
- Neue Perspektiven auf Professionalisierung und Öffentlichkeit zeigen, wie „professionelles“ und „laienhaftes“ Wissen einander strukturierten und wie inklusiv einzelne Vereine bereits vor der Öffnung der Universitäten für weibliche Studierende agierten.
- Transimperiale Vergleiche belegen die enge Orientierung Wiener Vereine an britischen Wissensnetzwerken, die als Vorbilder für lokale Vereinsgründungen dienten.
Outcomes:
- Sarah Sabina Zöchling: Innovation durch ,einverständliche(s) Zusammenwirken': Der Beitrag des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins zur Entwicklung der Technikwissenschaften in der Habsburgermonarchie (1848-1867). (Masterarbeit)
- Sandra Klos: Zwischen Dokumentation und Selbstinszenierung. Selbstverfasste Lebensläufe von Mitgliedern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1847–1955 (Dissertation)
- Johannes Mattes:Cooperative Polar Research? Arctic Agendas and Geographical Societies in the Habsburg Monarchy.In: The Arctic in Eastern Europe (Brill, Arctic Humanities Series). Manuskript eingereicht 05/2025.
- Johannes Mattes:Political and Public Currents: How the Vienna Adriatic Society Underpinned Collaborative Marine Research. In: Adriatic: Marine Biology at the Zoological Station in Trieste (1870–1918) (Vienna University Press). Manuskript eingereicht 05/2025.
- Johannes Mattes:Cooperative Empires: Scientific Societies, Habsburg’s Imperial Agents, and the “Orient”. In: Empire of Circulation (Bloomsbury). Manuskript eingereicht 08/2025.
Kooperation:
Foto: © Österreichischer Ingenieur- und Architektenverein, Versammlung des Österreichischen Ingenieur- und Architektenvereins im Elektrotechnischen Institut der Technischen Hochschule Wien, 10.04.1904.
