Das ISA Archiv bewahrt das visuelle und institutionelle Erbe bedeutender Sozialanthropolog:innen. Zu den wichtigsten Beständen gehören das Werk von wM (wirkliches Mitglied) Walter Dostal, die Multimedia-Dokumentation von Werner Finke sowie eine umfassende Fotodatenbank Südarabiens, die von wM Andre Gingrich, wM Walter Dostal und Johann Heiss zusammengestellt wurde. Diese Bestände umfassen Tausende von Diapositiven, Negativen, Audiobändern, Filmen, Notizbüchern und Vorlesungsmanuskripten.

Das Archiv beherbergt zudem die persönliche Bibliothek und die Arbeitspapiere von Ranajit Guha (1923–2023), dem Gründer der Subaltern-Studies-Bewegung, der seine letzten Lebensjahrzehnte in Österreich verbrachte. Diese Sammlung dokumentiert den intellektuellen Werdegang eines der einflussreichsten Historiker des 20. Jahrhunderts, der die Schnittstellen zwischen südasiatischer Historiographie, postkolonialer Theorie und europäischem Gesellschaftsdenken maßgeblich geprägt hat.

Darüber hinaus dient das ISA als offizieller Aufbewahrungsort für das Archiv der European Association of Social Anthropologists (EASA). Diese institutionelle Sammlung bewahrt die Unterlagen aus den Gründungsjahren der Vereinigung, die Dokumentation ihrer alle zwei Jahre stattfindenden Konferenzen sowie Zeugnisse ihrer bedeutenden Rolle bei der Gestaltung der professionellen Anthropologie in Europa.

Die Materialien werden im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte aufbereitet, um eine langfristige Erhaltung und Zugänglichkeit zu gewährleisten. Die Dokumente werden in hoher Auflösung digitalisiert, über den AAS-Katalogindexiert und über das Repository ARCHE langfristig archiviert. Zur Kategorisierung dieser Bestände nutzt das ISA eine angepasste Version der Outline of Cultural Materials (OCM) – ein Klassifizierungssystem, das ursprünglich von G. P. Murdock entwickelt wurde und zur Sachindexierung von eHRAF World Cultures dient. Die mit Genehmigung der HRAF entwickelte ISA-Adaption ist als PDF-Download verfügbar, wobei die vorgenommenen Änderungen markiert sind.

Sofern die Rechte an das ISA übertragen wurden, etwa durch Schenkung (Werner Finke) oder Vermächtnis (wM Walter Dostal), werden die Fotografien unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0) veröffentlicht. Einige Materialien bleiben aus ethischen oder rechtlichen Gründen offline. Dazu zählen Dokumente mit ungeklärten Urheberrechten, Bilder, die zum Schutz der abgebildeten Personen vor politischer Verfolgung oder zum Schutz von Kindern zurückgehalten werden, sowie beschädigte Aufnahmen oder Testfotos. Forscher:innen können für wissenschaftliche Zwecke Zugang zu diesen beschränkten Materialien beantragen, indem sie sich an sozialanthropologie(at)oeaw.ac.at wenden.

Zu den jüngsten Initiativen gehört die Veröffentlichung ausgewählter Jemen-Fotografien von Walter Dostal im Kulturpool  sowie im Akademie-Katalog. Darüber hinaus wird Werner Finkes Dokumentation kurdischer Siedlungsgebiete in der Türkei über den Akademie-Katalog und eine kuratierte Projekt-Website im Rahmen des FWF-PEEK-Projekts "ZOZAN – Investigations on Mobility through Multimedia Documentation" zugänglich gemacht. ISA erstellt auch einen detaillierten Katalog des Ranajit-Guha-Archivs und richtet Fellowship-Programme ein, um internationale Wissenschaftler:innen die Arbeit mit der Sammlung zu ermöglichen. In Verbindung mit diesen Bemühungen prüft das Institut umfassende Optionen für eine künftige Digitalisierung des Archivs.