"...From Albania - Transnationale Zirkulation der albanischen Literatur (1945-2025)"
28.05.2026
Jour fixe Kulturwissenschaften mit Zsófia Turóczy
Das Projekt untersucht die transnationale Zirkulation der albanischen Literatur (1945–2025). Ich konzentriere mich auf die albanische Literatur, weil ihre Entwicklung – im Unterschied zu den anderen kleinen Literaturen Südosteuropas – von Anfang an in mehreren politischen und kulturellen Kontexten mit Knotenpunkten in Albanien, im Kosovo und in der Diaspora stattfand und daher besonders vielstimmig und transnational geprägt ist.
Diese strukturelle Vielschichtigkeit, kombiniert mit einer bislang fehlenden Forschung zur internationalen Zirkulation - zu anderen südosteuropäischen Literaturen liegen bereits Studien zur globalen Sichtbarkeit und Zirkulation vor -, macht die albanische Literatur zu einem exemplarischen Fall für die Untersuchung peripher wahrgenommener Literaturen im globalen Literaturfeld.
Im Fokus stehen die Akteur:innen (z. B. Übersetzer:innen, Verlage, staatliche Institutionen, Buchmessen) sowie ihre Strategien und die Diskurse der internationalen Kanonbildung. Die Leitfrage ist, welche Autor:innen – abhängig von welchen Faktoren und zu welchem Zeitpunkt – Teil globaler Zirkulationsprozesse wurden, und wie ihre internationale Sichtbarkeit die Wahrnehmung der als peripher verorteten albanischen Literatur beeinflusst(e)?
Untersucht werden sowohl offizielle Indikatoren (Übersetzungsstatistiken, internationale Preislisten, Curricula, Anthologien) als auch inoffizielle und periphere Anerkennungsformen (Samisdat, Diaspora-Communities, subnationale Preise, digitale Zirkulation). Methodisch verbindet das Projekt die Diskursanalyse literarischer, kulturpolitischer und verlegerischer Quellen mit qualitativen Interviews mit Übersetzer:innen, Herausgeber:innen und Autor:innen. Ziel ist es, die albanische Literatur als „kleine Literatur“ in ihrer globalen Zirkulation dynamisch und kritisch einzuordnen, die Akteur:innen, Netzwerke und Mechanismen aufzudecken, die internationale Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit prägen, und zu einem postkolonialen Umdenken der Zentrum-Peripherie-Beziehungen in der Weltliteratur beizutragen.
Zsófia Turóczy arbeitet seit Anfang November 2023 als Universitätsassistentin (Postdoc) am Arbeitsbereich für Südosteuropäische Geschichte und Anthropologie. Link
Moderator: Christoph Leitgeb
Datum und Uhrzeit:
28. Mai 2026
16:30 - 18:00 Uhr
Ort:
Alte Burse
Sonnenfelsgasse 19,
10 10 Wien
Kontakt:
Mag. Caroline Hofer
caroline.hofer(at)oeaw.ac.at
