Formen genderinklusiver Sprache im Albanischen und ihr Einfluss auf die Wahrnehmung von Sprachnutzenden
Im Unterschied zu vielen westeuropäischen Ländern, in denen genderinklusiver Sprachgebrauch Gegenstand intensiver gesellschaftlicher Debatten ist, gelten maskuline Formen zur verallgemeinernden Benennung von Personen unterschiedlicher Genderidentitäten im Albanischen dagegen nach wie vor als Norm und werden kaum hinterfragt. Infolgedessen kommt genderinklusiver Sprachgebrauch gegenwärtig nur vereinzelt vor. Auch wenn sich die Verwendung eines genderinklusiven Sprachgebrauchs in Albanien erst in einem frühen Stadium befindet, stellt sich gleichwohl die Frage, ob und in welchem Maße diese eine Wirkung auf die Genderwahrnehmung von Sprachnutzenden hat.
In dem Vortrag werden die Ergebnisse einer in Albanien durchgeführten Perzeptionsstudie präsentiert, die untersucht, welche Genderkonzeptualisierungen von Personen- und Berufs¬bezeichnungen durch unterschiedliche Sprachformen hervorgerufen werden. Diese empirische Studie liefert Daten und Analysen für eine Sprache, für die anders als bei Sprachen in Westeuropa bisher auf keine vergleichsweise andauernde und kontroverse öffentliche Debatte zur sprachlichen Diskriminierung von Personen auf Grund von Gender verwiesen werden kann. Die vorgelegte genderlinguistische Untersuchung zur albanischen Sprache erhält ihre Bedeutung angesichts einer zunehmenden Präsenz von Frauen in hohen politischen und staatlichen Ämtern in Albanien. Vor diesem Hintergrund werden in dem Vortrag empirisch belegte Ergebnisse über das emanzipatorische Potential von Sprache im Prozess des Wandels der albanischen Gesellschaft präsentiert.
Delina Blinaj hat 2024 an der Humboldt Universität zu Berlin im Fach Geschlechterstudien ihre Promotion zur albanischen Sprache verteidigt. In ihrer Arbeit Sprachliche Manifestationen von Genderkonzeptualisierungen im Albanischen untersucht sie, wie mit sprachlichen Mitteln und in sprachlichem Handeln die Kategorie Gender in der albanischen Sprache hergestellt wird. Ihre Promotion wurde im Rahmen des Projekts „Gender und Sprache in Südosteuropa“ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert, an dem sie sich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt Universität zu Berlin beteiligte.
Informationen
Datum
Dienstag, 13. Mai 2025, 18:00 Uhr
Ort
PSK-Gebäude, 1010 Wien, Georg-Coch-Platz 2, 4. Stock
und online via Zoom
Kontakt
Dr. Joachim Matzinger