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Auf ins All - erfolgreicher Ballonstart in Graz

1912 entdeckte Victor Franz Hess auf einer Ballonfahrt in 5km Höhe die kosmische Strahlung und wurde dafür später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Im September 2012 - 100 Jahre nach der Entdeckung - wurde ihm zu Ehren ein unbemannter Ballon gestartet, der trotz widriger Wetterbedingungen bis auf eine Höhe von 21 Kilometern aufstieg.

03.09.2012

Die Entdeckung der kosmischen Strahlung war ein entscheidender Schritt für die Entwicklung der Teilchenphysik und für das Verständnis der kleinsten Bauteile des Universums. Zum ersten Mal standen hochenergetische Teilchen für Messungen zur Verfügung und brachten bedeutende neue Einsichten, wie die Entdeckung von Antiteilchen, Mesonen und Myonen. Auch heute noch ist das Studium der kosmischen Strahlung ein äußerst aktives Forschungsgebiet.

Dieses öffentliche Event wurde gemeinsam vom Institut für Hochenergiephysik (HEPHY) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem Österreichischen Weltraum Forum (ÖWF), dem Österreichischen Versuchssender-Verband (ÖVSV) und der Victor-Franz-Hess-Gesellschaft veranstaltet.

Am 1.9.2012 versammelten sich trotz schlechten Wetters etliche InteressentInnen auf den Kasematten am Grazer Schloßberg, um den Start eines Stratosphärenballons samt wissenschaftlichem Rahmenprogramm zu verfolgen. Der prominenteste Teilnehmer war zweifelsohne Helmut Denk, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der in seiner Begrüßungsrede vom HEPHY als einem "Leuchtturm-Institut" sprach.

Während Hess vor 100 Jahren seinen Ballon mit Wasserstoff füllte, kommt heute ausschließlich das nicht brennbare Helium zum Einsatz. Etwa 6 Kubikmeter genügen, um die leichte Nutzlast von nur 1,3 kg - ein Polystyrol-Behälter mit GPS-Empfängern, Kameras und Messinstrumenten - Richtung All zu befördern.

Kurz nach 11 Uhr hieß es dann "Leinen los" und der Ballon entschwebte gen Himmel. In den nächsten Minuten erreichten uns spektakuläre Luftbilder von der Bordkamera, die allerdings bald dem eintönigen Grau der Wolkendecke wichen. Zunächst mochte der Ballon nicht recht steigen und schwebte in nördlicher Richtung mehrere Stunden in einer Höhe von 2 bis 5 Kilometern dahin. Grund dafür war der permanente Regen, der in größerer Höhe auf dem Ballon vereiste und diesen wieder nach unten drückte. Dort schmolz das Eis auf und der Ballon konnte erneut steigen.

In der Zwischenzeit gab es auf den Kasematten einen spannenden Vortrag über Victor Franz Hess und die Geschichte der Radioaktivität von Heinz Krenn, dem Vizepräsidenten der Victor-Franz-Hess-Gesellschaft. Danach erzählte der mehrfache Weltmeister im Ballonfahren, Josef Starkbaum, mit Videos von seinen Weltrekordfahrten in einem bemannten Heißluftballon. Schließlich wurde auch die Physik der kosmischen Strahlung und was man mit ihr machen kann von Thomas Bergauer, dem Leiter des Fachbereichs Halbleiterdetektoren am HEPHY, erläutert.

Den Abschluss des Events bildete die Auflösung der Schätzfrage "Wie hoch wird unser Ballon heute steigen?", an der sich alle Gäste beteiligen konnten. Zu diesem Zeitpunkt war der Ballon immer noch auf wenigen Kilometern Höhe, sodass die pessimistische Einschätzung von Roland Maderbacher den Hauptgewinn - eine Ballonfahrt mit Rudi Albrecht, ebenfalls Weltmeister - erlangte.

Damit war zwar kurz nach 13 Uhr die Show vorüber, der Stratosphärenballon aber noch lange nicht am Ziel angelangt. Um etwa 16 Uhr kam der Ballon östlich von Krems aus der Schlechtwetterzone heraus und begann wieder zu steigen. Bei Retz war er kurz vor 17 Uhr schon auf etwa 11km Höhe und passierte die Staatsgrenze nach Tschechien. In knapp 21km Höhe platzte dann der Ballon und leitete den Sinkflug am Fallschirm ein - kurz nach 18 Uhr landete die Kapsel nordwestlich von Brünn.

Somit war der Ballon etwa sieben Stunden unterwegs und legte dabei eine horizontale Distanz von beinahe 300km zurück - ein neuer Rekord in der Reihe der bereits zehn Ballonstarts des ÖWF! Mittlerweile wurde die Nutzlast geborgen und die in der Kapsel gespeicherten Bilder und Daten werden demnächst ausgewertet. Möglicherweise bekommen wir auf diese Weise doch noch Bilder von oberhalb der Wolkendecke zu sehen. "Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein", dachten sich zumindest die Teilnehmer im trüben Regenwetter am Grazer Schloßberg.