
jour fixe culture studies with Johannes Mattes | Chair: Johannes Feichtinger
Geographische Gesellschaften fungierten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als zentrale Schnittstellen im Zusammenspiel von Wissenschaft, Staatlichkeit und Zivilgesellschaft. Während etablierte Institutionen wie die Royal Geographical Society in London oder die Société de géographie in Paris intensiv untersucht wurden, blieb die Rolle von Gesellschaften jenseits dieser Zentren weitgehend unbeachtet. Mein Vortrag rückt vier dieser Organisationen – in Brüssel, Edinburgh, Kristiania (Oslo) und Wien – in vergleichender Perspektive in den Mittelpunkt.
Wie positionierten sich diese Gesellschaften innerhalb transimperialer Wissensnetzwerke? In welchem Spannungsverhältnis standen sie zu nationalen und imperialen Interessen? Der Vortrag analysiert die Strategien, durch die geographische Gesellschaften Wissen akkumulierten, austauschten und Legitimität erzeugten – und dabei sowohl transimperiale Kooperationen als auch nationale Abgrenzung vorantrieben. Ein besonderer Fokus liegt auf der Erforschung von „Innerafrika“ und den Polargebieten sowie deren diskursive Konstruktion als „Epistemic Frontiers“.
Johannes Mattes ist Wissens- und Wissenschaftshistoriker mit Schwerpunkt auf das 18. bis 20. Jh. und Projektleiter am Institut für Kulturwissenschaften der ÖAW. Nach Stationen in Edinburgh, Halle/Saale, Leipzig, Paris, Stanford und Toronto führt er seit November 2022 an der Universität Oslo das von der EU geförderte MSCA-Projekt Poles and People durch, dessen erste Ergebnisse dieser Vortrag diskutiert. 2024 erschien sein Artikel Collaborative Research in Imperial Vienna im Austrian History Yearbook (Cambridge).
Date & Time:
February 20, 2025
5:00 PM - 6:30 PM
Venue:
Alte Burse
Sonnenfelsgasse 19,
10 10 Vienna
Contact:
Mag. Caroline Hofer
[email protected]
