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Straßenhof und Stadtreform

Symposium

Friday 30.10.2026 03:10 pm

Typologische Experimente in Wien, Berlin und Budapest zwischen Späthistorismus und Moderne

Das wesentliche Kennzeichen des Wiener „Straßenhofs“, eines gründerzeitlichen Gebäudetyps mit etwa 75 erhaltenen Exemplaren, ist die Unterbrechung der Baufluchtlinie durch eine kurze, sackartige, nicht selten durch ein Gittertor abgeschlossene Privatstraße. Dieser namensgebende Freiraum ist in unterschiedlichen Konstellationen (meist U- oder II-förmig) durch ein Wohn- und Geschäftshausensemble eingefasst. Das Symposion untersucht den Typus des Wiener Straßenhofs in einem größeren zentraleuropäischen Kontext und setzt ihn beispielhaft ins Verhältnis zur Baupraxis in Berlin und Budapest vor 1918. Wir fragen nach der Bedeutung dieses Gebäudetyps für die Stadtgestalt und das Aufbrechen der geschlossenen Blockfigurationen ab ca. 1890. Welchen Stellenwert hat der Typus Straßenhof in der Kritik der gründerzeitlichen Stadtstrukturen und bei Konzepten zu deren Reform? Ist er lediglich ein lokales (typisch Wiener) Phänomen oder Ausdruck allgemein wirksamer, internationaler Tendenzen und Vorstellungen?

Für wen wird wo gebaut? Wie bilden sich soziale Strukturen in den Gebäuden ab (Exklusivitätsanspruch des Ehrenhofmotivs vs. Kleinwohnungen)? Welche Akteure sind maßgeblich (von „Terraingesellschaften“ bis zu Baubehörden) und wie gestalten sich bei dieser „Stadtregulierung auf Privatinitiative“ die Aushandlungsprozesse zwischen öffentlichen und privaten Interessen? Ist der Straßenhof ein typisches Metropolen-Phänomen oder ein „moderner“ Bautypus, dessen Nutzbarkeit für kommerzielle und Erholungszwecke die Bedürfnisse auch einer Kleinstadt befriedigt? Ausgehend von der empirischen Erhebung und Analyse konkreter Bauwerke will das Symposion durch den Vergleich ähnlicher Situationen Erkenntnisse gewinnen sowie lohnende zukünftige Forschungsfragen identifizieren – zum Stellenwert des Typus für den Wohnhausbau, für städtebauliche Reformideen, für die Stilentwicklung (etwa in Hinblick auf die „andere“ Moderne), für die beteiligten Akteur:innen wie Bauträger oder Planungsinstanzen und deren künstlerische, ökonomische und soziale Motivationen.

 

Forschungsprojekt: Der Wiener Straßenhof

Information

 

Datum
Freitag, 30. Oktober 2026, 13:00-18:30 Uhr

Ort
PSK-Gebäude, Kleine Kassenhalle, Georg Coch-Platz 2, 1010 Wien

Kontakt
Dr. Richard Kurdiovsky