Jesuiten und Pietisten in Konstantinopel und die missionarischen Praktiken mit Griech*innen (ca. 1700-1750)
Über ein halbes Jahrhundert hinweg unterhielten die Hallenser Pietisten in Konstantinopel einen missionarischen Außenposten, wenn auch mit Unterbrechungen. Die Geschichte der pietistischen Mission im Osmanischen Reich, die sich unter den Bedingungen der Konkurrenz, aber auch Nachahmung katholischer Missionsapparate abspielte, wurde bisher nur unter bestimmten Gesichtspunkten beleuchtet (besser erforscht ist etwa die Mission der Pietisten in Indien).
Der Vortrag möchte einen Überblick über die Entwicklung der Präsenz von deutschsprachigen Missionaren am Bosporus geben und die Interaktionen der Pietisten mit französischen, italienischen, aber ebenfalls deutschsprachigen Jesuiten rekonstruieren. Ein weiterer Schwerpunkt wird schließlich auf den Missionierungsstrategien beider Missionsnetzwerke gegenüber den Griechisch-Orthodoxen liegen. Sie sind verstrickt mit Tätigkeitsfeldern wie der Medizin, der Sklavenseelsorge, der Zirkulation von Wissen und von Büchern konfessionellen Inhalts sowie dem Austausch religiöser „Gefühlswelten“.
Stefano Saracino ist Inhaber des Lehrstuhls für Globalgeschichte am Institut für Geschichte der Universität Graz. Seine Habilitationsschrift erforschte die Migration von Griechen ins Heilige Römische Reich während der Frühen Neuzeit unter wissensgeschichtlichen Gesichtspunkten. Von 2014 bis 2018 war er Mitarbeiter im FWF-Projekt zu den Stiftungen und Hinterlassenschaften der ‚Wiener Griechen‘ am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien. Seine rezentesten Forschungsthemen beschäftigen sich mit der Rolle der Hautfarbe in der globalen Jesuitenmission sowie mit dem ‚Export‘ des kulturellen Codes der Renaissance nach Spanisch-Amerika im 16. und 17. Jahrhundert.
Die Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit dem Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien und der Österreichischen Gesellschaft für Neugriechische Studien statt.
Information
Datum
Dienstag, 25. November 2025, 18:30 Uhr
Ort
Hörsaal des Instituts für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien, Postgasse 9, 1010 Wien, 2. Stock (barrierefreier Zugang über die Schönlaterngasse)
Kontakt
Dr. Joachim Matzinger