Die „Mutter der Pille“: Als Carl Djerassi vergangene Woche verstarb, war es sein wissenschaftlicher Beitrag zur Entwicklung der Antibabypille, der sein Bild in Nachrichten und Nachrufen prägte. Doch Carl Djerassis Werk war viel zu umfassend und vielfältig, um auf einen Erfolg reduziert zu werden. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften trauert um einen großen Menschen, Wissenschaftler und Schriftsteller.
1923 als Sohn jüdischer Eltern in Wien geboren, musste Carl Djerassi vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 ins US-amerikanische Exil fliehen. Hier begann er an der Universität von Wisconsin ein Studium der organischen Chemie, das er 21-jährig mit der Promotion abschloss. Als Leiter eines Teams von Chemikern gelang dem jungen Wissenschaftler bereits 1951 bei den Forschungsarbeiten zu steroidalen oralen Kontrazeptiva ein entscheidender Durchbruch, der die weitere Entwicklung der ab 1957 in den USA zugelassenen Antibabypille ermöglichte.
Forschungserfolge
Als Forscher war Carl Djerassi zudem an der Synthetisierung von Cortison und an der Entwicklung neuer Methoden in der Schädlingsbekämpfung maßgeblich beteiligt. Für seine Forschungserfolge wurde er mit zahlreichen Preisen und Mitgliedschaften ausgezeichnet, darunter das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1999 und das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Im Oktober 2014 wurde Djerassi in die Kurie des Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst gewählt, das ihm im Juni 2015 persönlich überreicht werden hätte sollen.
Als Carl Djerassi im Jahr 2008 mit dem Ehrenring der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ausgezeichnet wurde, würdigte man damit sowohl sein imposantes wissenschaftliches Werk als auch seine jenseits wissenschaftlicher Horizonte gelebte Kreativität. Denn Djerassi erlangte auch als Schriftsteller und Autor zahlreicher Kurzgeschichten, Romane und Theaterstücke, die vielfach einen engen Bezug zur Wissenschaft aufwiesen, weltweit Anerkennung.
Mit dem Tod von Carl Djerassi verliert die Welt nicht nur einen bedeutenden Wissenschaftler, sondern auch einen in jeder Hinsicht außergewöhnlich kreativen Geist.