Call for Panels und Papers


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ZUR RELEVANZ DER MIGRATIONSFORSCHUNG

9. Jahrestagung zur Migrationsforschung in Österreich

Datum: 14.-16. September 2026

Ort: Universität Wien

Call for Panels und Papers

 

Relevanz wird in der Migrationsforschung kontrovers diskutiert. Einerseits befasst man sich mit der Frage, warum die Forschungsergebnisse in Politik und Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden. Zudem verorten sich viele Zugänge in konkreten politischen Auseinandersetzungen, um den Blick auf die zugrundeliegenden Fragestellungen aus normativer und empirischer Perspektive zu erweitern. Andererseits gibt es Wissenschaftler*innen, die diese Ansätze strikt ablehnen, weil Forschung sich ihrer Meinung nach von Fragen der tagespolitischen Relevanz gänzlich befreien sollte,um alternative Perspektiven auf Migration eröffnen zu können. Zwischen diesen Extrempositionen gibt es eine Vielzahl von individuellen Positionierungen zur Forschungsrelevanz.

Die 9. Jahrestagung zur Migrationsforschung will diese miteinander ins Gespräch bringen. Dabei soll unter anderem die Frage aufgeworfen werden, ob wir die Extrempositionen nicht als gegensätzlich, sondern als komplementär begreifen sollten. Benötigen wir in der Gegenwart, in der Migrant*innen durch restriktive Politiken in ihrer Bewegungsfreiheit und ihren Rechten zunehmend eingeschränkt werden, nicht beide Ansätze, um alternative Perspektiven eröffnen zu können?  

Die Tagung ruft alle Migrationsforscher*innen, unabhängig von ihrer Disziplin, dazu auf, sich in diese Auseinandersetzung einzubringen. Dabei kann diese nicht nur in Bezug auf Öffentlichkeit und Politik, sondern auch in Bezug auf die Disziplin reflektiert werden. In den Sozialwissenschaften wurde diesbezüglich die These aufgestellt, dass sich die Migrationsforschung demigrantisieren muss, also weniger ausschließlich auf die Migrant*innen fokussieren sollte, und sich die Gesellschaftwissenschaften migrantisieren müssen, also Migration als Teil gesellschaftlicher Realität bei allen Fragestellungen mitdenken sollten. Teilweise wird sogar die Abschaffung der Migrationsforschung gefordert, weil diese im neokolonialen Denken des globalen Nordens verhaftet ist. Inwiefern stellen sich diese Fragen auch in anderen Disziplinen bzw. welche alternativen Fragen ergeben sich aus der jeweiligen disziplinären Perspektive auf die Auseinandersetzung mit Migration?

Für die akademische Forschung allgemein stellt sich zudem die Frage, inwiefern die Anforderungen an eine Karriere in der Forschung, zu denen Publikationen in renommierten englischsprachigen Zeitschriften und Mobilität zählen, eine Relevanz der Forschung für konkrete nationale und lokale Kontexte zumindest erschweren. Die internationale Dimension ist für die Migrationsforschung unerlässlich, aber sollte der Transfer internationaler Erkenntnisse in konkrete nationale und lokale Kontexte in die Bewertung von Forschungsleistung einfließen? Umgekehrt stellt sich die Frage, welche Relevanz der akademischen Forschung in einem sich ausdifferenzierenden Umfeld zukommt, in dem nicht nur internationale Organisationen, sondern auch private Anbieter immer mehr Daten zur Verfügung stellen, die zum Beispiel in das digitale Grenzmanagement einfließen, und in dem politiknahe nationale und internationale Forschungsinstitutionen und Think Tanks konkrete Lösungen für die Politikgestaltung erarbeiten.

Wir wollen diese Fragen nicht nur innerhalb der Forschung, sondern auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie, soweit möglich, mit Politik und Medien diskutieren. Dabei soll es darum gehen, was Forscher*innen in unterschiedlichen Disziplinen unter Relevanz verstehen, wie sie sich in den Debatten zu dieser Frage normativ verorten und warum sie diese Verortung als relevant erachten. Zugleich sind wir interessiert an Perspektiven aus der Praxis auf die Relevanz der Forschung für das jeweilige Arbeitsfeld.

Wir laden dazu ein, Vorschläge für Panels, Papers und Workshops einzureichen. Vorschläge, die das Tagungsthema aus unterschiedlichen disziplinären, normativen bzw. theoretischen und praktischen Perspektiven beleuchten, werden bei der Auswahl besonders berücksichtigt. Es gibt jedoch keine Einschränkungen thematischer Natur, d.h. es können Panels, Papers und Workshops zu allen mit Migration und Integration in Zusammenhang stehenden Themen eingereicht werden. Vorschläge können sowohl in englischer als auch in deutscher Sprache erfolgen. Bei der Gestaltung von Panels und Workshops sollte zudem Diversität in ihren vielen Formen berücksichtigt werden. Es wird angeregt, dass Mitglieder aus verschiedenen Institutionen, Disziplinen, Fakultäten und Ländern vertreten sind.

Panels

Vorschläge für Panels von 90 Minuten (mit jeweils vier Kurzvorträgen) sollten einen vorläufigen Titel und eine Beschreibung des Panelthemas (800 Wörter) enthalten, aus der das innovative Potential des Panels im Rahmen existierender Forschung hervorgeht. Zudem sollten Titel und Abstracts von je 250 Wörtern für die Vorträge angehängt werden. Die Abstracts sollten die konkrete Forschungsfrage, den theoretischen und methodischen Zugang sowie ggf. die verwendeten Daten erläutern. Panelvorschläge sollen außerdem eine unabhängige Person enthalten, welche die Vorträge kritisch kommentiert und damit die Publikumsdiskussion einleitet. Es darf zu jedem Thema nur ein Panel von 90 Minuten eingereicht werden.

Papers

Vorschläge für Papers können auch unabhängig von Panels eingereicht werden. Sie sollten einen vorläufigen Titel und eine Zusammenfassung von ungefähr 500 Wörtern enthalten, in der die genaue Fragestellung, der theoretische und methodische Zugang sowie ggf. die verwendeten Daten erläutert werden. Interdisziplinär und international vergleichend ausgerichtete Papers werden bevorzugt.

Workshops

Workshops verfolgen den Zweck, ein Thema anhand von Inputs unterschiedlicher Expert*innen zur Diskussion zu stellen. Vorschläge für Workshops von 90 Minuten sollten einen vorläufigen Titel und eine Beschreibung des Workshopthemas (800 Wörter) enthalten, aus der das innovative Potential des Workshops im Rahmen existierender Forschung hervorgeht. Zusätzlich sollten bis zu 7 Personen angeführt werden, die sich aktiv in die Diskussion einbringen werden.

Es wird pro Person nicht mehr als ein Paper akzeptiert (egal ob unabhängig oder im Rahmen eines Panels). Zusätzlich kann jede Person je einmal als Kommentator*in in einem Panel und als Expert*in in einem Workshop auftreten. Für Chairs gibt es keine Einschränkungen.

Bitte reichen Sie Ihre Vorschläge bis zum 19. Januar 2026 über die folgende Website ein:

ConfTool

Einreichungen sind ab 15. November 2025 möglich. Die Auswahl erfolgt bis zum 6. April 2026.

Ein breit aufgestelltes Programmkomitee wird die Organisator*innen bei der Auswahl der eingegangenen Panel- und Vortragsvorschläge unterstützen. Neben Qualität und Originalität wird dabei auch der thematische Zusammenhang zum Tagungsthema ein Kriterium sein.

Die Organisation der Anreise und Kosten für die Unterkunft am Tagungsort müssen von den Teilnehmenden selbst übernommen werden. Vorschläge für Unterkünfte sowie wie alle weiteren Informationen zur Tagung finden Sie auf der Tagungswebsite: https://www.oeaw.ac.at/isr/9-jahrestagung-zur-migrationsforschung-in-oesterreich.

Die Tagungsgebühr beträgt 300€, für Doktorand*innen 150€. In Ausnahmefällen kann nach Absprache eine Reduktion bzw. Befreiung ermöglicht werden.

Themenplattform für Migration und Diversität der Österreichischen Akademie der Wissenschaften organisiert.