Mon, 13. April 2026 | Category Porträt

Vom Wiener Sängerknaben zum Software Engineer

Raphael Rumberg studiert Informatik an der Technischen Universität Wien und Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien. Als ehemaliger Wiener Sängerknabe bringt er sich unter anderem als Leiter des Ensembles und durch Beiträge zur jährlichen Soirée (seinem persönlichen Highlight) in die Österreichische Studienstiftung ein.

Text: Raphael Rumberg | Fotocredit: Petra Giritzer

Meine Entwicklung mag von außen betrachtet vielleicht ungewöhnlich erscheinen, für mich persönlich hat sie jedoch immer viel Sinn ergeben: Aufgewachsen mit Musik und geprägt durch meine Zeit bei den Wiener Sängerknaben, habe ich früh gelernt, wie viel Disziplin, Konzentration, Neugier und gemeinsames Arbeiten hinter scheinbar mühelosen Ergebnissen stecken. Diese Erfahrung, Verantwortung im Zusammenspiel mit anderen zu übernehmen, prägt mich bis heute. Sei es beim Leiten unseres Stiftungsensembles oder als Kapitän auf dem Fußballplatz.

Interessensvielfalt 

Später verlagerte sich mein Interesse zunehmend in Richtung Technik (Was sich schon andeutete als ich mir als Dreijähriger einen Staubsauger zu Weihnachten wünschte). Bereits in der Oberstufe habe ich parallel zur Schule begonnen Software Engineering zu studieren. Heute studiere ich Informatik und schlage als Softwareentwickler die Brücke zu einem Thema, das für mich eine wichtige Rolle in der Zukunft spielt: die Anwendung von Künstlicher Intelligenz an der Schnittstelle zum Recht. Um diese komplexen Systeme auch regulatorisch zu verstehen, bringe ich, wann immer ich Zeit finde, noch ein paar ECTS in Wirtschaftsrecht unter.

Was mich dabei immer geleitet hat, ist weniger die Fokussierung auf ein einzelnes Fach als die Freude am Denken in Zusammenhängen. In dieser Hinsicht hat mir die Österreichische Studienstiftung von Anfang an unglaublich viel gegeben. Neben den vielfältigen inhaltlichen Angeboten sind es vor allem die anderen Geförderten, die die Studienstiftung für mich ausmachen: die Freundschaften, der offene Austausch und die unterschiedlichen Perspektiven über Fachgrenzen hinweg. Im Studium bewegt man sich oft in einem fachlichen Silo. Die Studienstiftung bricht das auf. Dieser Austausch entsteht für mich ständig: bei Seminaren, auf Reisen oder ganz zufällig. 

Denk- und Begegnungsraum

Besonders sichtbar wird diese Vielfalt bei der Soirée, die für mich jedes Jahr ein persönlicher Höhepunkt ist. Nicht nur wegen des Programms, zu dem ich selbst schon als Sänger beitragen durfte und so die Verbindung zu meinen musikalischen Wurzeln lebendig halte, sondern weil dort Talente, Interessen und Perspektiven sichtbar werden, die oft weit über das jeweilige Studium hinausgehen. Unsere jährliche Soirée verdichtet für mich vieles, was die Studienstiftung ausmacht: Neugier, Offenheit und die Freude daran, voneinander zu lernen. Die daraus entstehenden Begegnungen, oft ungeplant und regelmäßig bis tief in die Nacht beim ein oder anderen Glas Wein, haben meinen Blick auf viele Themen erweitert und prägen mein Studium sowie meine Arbeit und persönliche Entscheidungen. Die Studienstiftung ist für mich damit weniger ein Förderprogramm als ein Denk- und Begegnungsraum, in dem gemeinsames Reflektieren und intellektuelle Offenheit im Mittelpunkt stehen.