Mon, 13. January 2025 | Category Blog

(M)ein Praktikum in New York - ein Traum zwischen Wolkenkratzern und Weltkultur

Als ich an meinem ersten Arbeitstag vor der schlanken, 24-stöckigen Gebäude-Skulptur in Manhattan stand, begriff ich erst, dass gerade jenes Praktikum beginnt, von dem ich seit Jahren geträumt hatte. Das Gebäude des Österreichisches Kulturforums New York (ACFNY) – ein architektonisches Meisterwerk des österreichischen Architekten Raimund Abraham – sollte für die nächsten drei Monate mein neues berufliches Zuhause werden.

Text und Fotos: Leandra Kreisser

Von September bis November 2024 durfte ich als Verwaltungspraktikantin im österreichischen Außenministerium hautnah erleben, wie kulturelle Diplomatie in der Weltmetropole New York City funktioniert. Das ACFNY ist nicht einfach nur ein Kulturforum – es ist Österreichs kulturelles Flaggschiff in den USA und präsentiert das Beste, was die österreichische Kulturszene zu bieten hat. Jährlich stellt das ACFNY drei bis vier permanenten Ausstellungen in der hausinternen Galerie zur Schau und organisiert bis zu 100 Veranstaltungen.

Mein Aufgabenbereich war so vielfältig wie die Stadt selbst: Von der mit-Organisation von Kunstausstellungen über die Betreuung von Social-Media-Kanälen bis hin zur Durchführung von Architekturführungen war alles dabei. Besonders spannend war meine Rolle als kuratorische Assistentin bei der Ausstellung "Judith P. Fischer und Uwe Hauenfels: Across Time. Form and Space." Hier konnte ich den gesamten Prozess einer Ausstellung von der Planung bis zur Eröffnung miterleben.

Nachhaltigkeit?

Besonders überraschend war für mich der Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit in den USA. Während wir in Europa längst begriffen haben, dass Klimaschutz keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist, scheint dieses Bewusstsein in den Vereinigten Staaten noch nicht wirklich angekommen zu sein. Ein besonders absurdes Beispiel: Während draußen hochsommerliche Temperaturen von 30 Grad herrschten, musste ich im Büro einen Pullover tragen. Bei der Planung unserer Veranstaltungen am ACFNY haben wir zwar bewusst versucht, "grüne" Themen einzubauen, aber der Kontrast zur verschwenderischen Realität im amerikanischen Alltag war nicht zu übersehen.

Apropos Kontrast: Die Zeit in New York hat mir auch die krassen Gegensätze der Stadt vor Augen geführt. Während man in der einen Minute an den luxuriösen Wolkenkratzern der "Billionaires' Row" vorbeiläuft, wird man in der nächsten mit der harten Realität der Armut konfrontiert. Diese Kontraste haben mich nachdenklich gemacht und meine Wertschätzung für das österreichische Sozialsystem noch verstärkt.

Trump vs. Harris

Besonders interessant war es, den Wahlkampf und schlussendlich die US-Präsidentschaftswahl aus nächster Nähe mitzuerleben. Für die Präsidentschaftsdebatte von Donald Trump und Kamala Harris lud die Direktorin des Kulturforums, Dr. Susanne Keppler-Schlesinger, uns Mitarbeitende sogar zu sich in die Residenz ein! Am Tag nach der Wahl lag spürbar ein grauer Schleier über der Stadt. Die sonst so lebendige und pulsierende Metropole wirkte wie erstarrt. Im Bus sprach niemand laut, und nicht einmal ein Lachen war zu hören.

Fazit

Das Praktikum hat nicht nur meine beruflichen Fähigkeiten erweitert, sondern auch meine Karrierepläne beeinflusst. Während ich vorher von einer diplomatischen Laufbahn träumte, habe ich jetzt erkannt, dass mich die Kunst- und Kulturszene mindestens genauso reizt. Ein Praktikum am ACFNY ist ein Sprungbrett in die Welt der internationalen Kulturarbeit und eine einmalige Chance, den "Big Apple" von einer ganz besonderen Seite kennenzulernen. Eines ist sicher: New York hat mich nachhaltig geprägt und meine Lust auf internationale Erfahrungen nur noch verstärkt. Mein nächstes Abenteuer führt mich übrigens schon im Sommer 2025 nach Taipei – aber das ist eine andere Geschichte...