Text und Fotos: Jonathan Berger
Die Vormittage waren gefüllt mit spannenden Vorträgen, an den Nachmittagen ging es hinaus ins Feld - beziehungsweise in die Stadt. Vom ersten Bezirk über den Alser Grund bis hin zum Beginn des Donaukanals war alles dabei; Selbst für die eingefleischesten Wiener*innen gab es noch viel Neues zu erkunden, denn unsere Seminarleitung Johannes Preiser-Kapeller verstand es meisterhaft, uns auf winzige und in ihrer Bedeutung vom Stadtleben längst vergessene Details hinzuweisen.
Wir erfuhren, welche heutigen Straßen den ehemaligen Flussverläufen entsprechen, wurden auf an unscheinbarer Stelle verzeichnete Pegelstände eines Jahrhunderte alten Hochwassers hingewiesen - hier nochmal ein besonderes Shout-Out an die bestehenden Flussregulationen; sonst wäre es letzten September (2024 Anm.) selbst im zweiten noch ganz schön feucht geworden! - und wie das Abwassersystem in Wien entstand. Die Informationen endeten hier bei Weitem nicht nur bei klimatischen Erläuterungen sondern beinhalteten, wo es sich gerade ergab, auch spannende kulturhistorische und ikonographische Details, was insbesondere die Kunsthistorikerin in unserer Runde sehr freute. Wir besuchten ehemalige Synagogen, die Judenstadt (die seit einem entsprechenden... "Vorfall" nun als Leopoldstadt bekannt ist), ein christliches Siechenhaus (bzw. dessen ehemaligen Standort), das Ufer der Para-Tethys, längst nicht mehr bestehende Märkte, das Basilisken-Haus und das älteste noch so genutzte Wohnhaus Wiens, um nur Einige zu nennen. Überall dort erfuhren wir Relevante Details zur jeweiligen Ortsgeschichte, welche Gruppen damals beteiligt (bzw. verantwortlich) waren, und wurden auf noch heute sichtbare Indizien hingewiesen. Natürlich wurde auch immer die Brücke zu Wetter und Klima geschlagen. Ein besonderer Fokus lag auch auf den Umgang mit der Pest in der Vergangenheit, der überraschend viele Parallelen mit den jüngsten Seuchenerfahrungen in Österreich aufwies.
Insbesondere war die Gemeinschaft unter den Teilnehmenden eines der Highlights auf dem Seminar. Besonders schön war, dass der Vortragende es verstand, Inputs aus allen unseren Disziplinen aufzugreifen und sinnvoll in den Diskurs einzubinden. Er scheute für uns keine Mühen und ging sogar besonders auf unsere Interessen der vorangegangenen Tage ein - er adaptierte die Exkursionen dahingehend, uns noch mehr über den (teilweise eng mit den klimatischen Bedingungen verknüpften) Antisemitismus in der europäischen Geschichte zu erzählen sowie versorgte uns noch während dem Seminar per Mail mit weiteren Quellen.
Heimwärts ging es für uns also mit einer Menge guten Eindrücken, einer stark erweiterten Leseliste, viel Kompetenz, klimatische Vorgänge zu allen Zeiten zu bewerten und zu kommunizieren - und sogar einer kleinen Prise Optimismus.
Dankeschön allen Beteiligten und ganz besonders unserem Vortragenden Johannes Preiser-Kapeller für die anregende und humorvolle Zeit!



