Die Dokumentation und Erhaltung der Biodiversität ist ein komplexes und von vielen Institutionen und ehrenamtlichen Forscher:innen getragenes Langzeitprojekt. Spätestens seit der Publikation des Sachstandsberichts der IPBES zum Status der Biodiversität im Jahr 2019  ist den fachlich kompetenten Wissenschaftler:innen klar, dass die Welt mit Riesenschritten auf das sechste Massenaussterben zusteuert. Es ist leider auch klar, dass die Biodiversitätskrise wie die Klimakrise  anthropogen verursacht ist. Der rapide Schwund der Arten weltweit, aber auch speziell in Österreich, stellt zweifellos eine zentrale Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Während der Klimawandel in der Bevölkerung und Politik angekommen ist, ist dies noch nicht der Fall bei der Problematik des Artensterbens. Diese Kommission widmet sich der Bewusstmachung der Bedeutung biologischen Vielfalt für intakte Ökosysteme und letztlich für das Überleben der Menschheit selbst und knüpft an die seit 75 Jahren an der ÖAW verankerten Aktivitäten zur Dokumentation der heimischen Biodiversität an. Die Reihen „Catalogus Florae Austriae“, „Checklisten der Fauna Österreichs“ und „Catalogus Novus Faunae Austriae“, sind in der Open Access Zeitschrift „Biosystematics and Ecology“ aufgegangen. Betrieb und Weiterentwicklung der Zeitschrift sollen ebenso in der neuen Kommission wissenschaftlich verankert werden.
Die Kommission für Biodiversität Österreich hat 3 Schwerpunkte:

  • die verstärkte Bewusstmachung der Biodiversitätskrise in Bevölkerung und Politik
  • die Beratung der Politik (Entsendung von Vertreter:innen in diverse ministerielle Kommissionen, wie z.B. Österreichische Biodiversitätskommission und Biodiversitätsfonds des BMK), sowie
  • das Vorantreiben der Dokumentation der gesamten österreichischen Biodiversität mit innovativer Methodik, in Zusammenarbeit mit Expert:innen an Museen, Universitäten und biologischen Vereinen.

Die ersten beiden Ziele können von der Kommission in der traditionellen Architektur durchgeführt werden, für die Langzeitaufgabe „Biodiversitätsdokumentation“ müssen
neue Wege gefunden werden. Dies ist bereits im Entwicklungsplan der ÖAW vermerkt. Da sich die Verankerung der Biodiversitätsdokumentation in der KIÖS hervorragend bewährt hat, macht es unserer Meinung nach nicht nur Sinn, diese Agenda ebenfalls in die neue Kommission einzubeziehen, sondern sogar die Zusammenarbeit mit der vom BMBWF und verschiedenen  Universitäten co-finanzierten Initiative zur molekularen  Biodokumentation (Austrian Barcode of Life, ABOL) zu verstärken. Dadurch würden traditionell arbeitende Taxonom:innen mit der molekularbiologischen Biodiversitätsdokumentation zusammengeführt, sodass einerseits traditionelle Checklisten und andererseits molekulare Barcode-Sequenzen mit in Museen deponierten Referenz-Exemplaren generiert werden.

Eine verstärkte Bündelung der Kommissionsagenden mit der ABOL-Projektinitiative, der Global Biodiversity Information Facility (www.gbif.at), der IIASA, sowie IPBES Austria, sind im Rahmen der
Kommissionsarbeit geplant, um die Dokumentation von  Arteninformationen aus verschiedenen Quellen vorantreiben und besser zwischen allen Stakeholdern zu vernetzen.