Institut für Iranistik / Institute of Iranian Studies Österreichische Akademie der Wissenschaften
spacer Startseite | Kontakt | Impressum | Übersicht spacer  Deutsch | فارسی spacer
spacer
Schwerpunkte der Forschung

Insgesamt verfolgt das Institut für Iranistik derzeit fünf, jeweils mehrere Projekte überwölbende Forschungsschwerpunkte:

  1. Kulturwandel in Iran und iranisch geprägten Gesellschaften
  2. Iranische Sprachwissenschaft / Iranische Onomastik
  3. Österreichrelevante iranistische Forschung
  4. Central European Network of Iranian Studies (CENIS)
  5. Aufbau einer Iranistischen Fachbibliothek

1. Kulturwandel in Iran und iranisch geprägten Gesellschaften
Der größere Teil des aktuellen Forschungsspektrums des Instituts für Iranistik ist dem Forschungsschwerpunkt "Kulturwandel in Iran und iranisch geprägten Gesellschaften" zugeordnet. Dieser Schwerpunkt ist kulturwissenschaftlich und sozialhistorisch geprägt und methodisch vielfältig. Die konkreten Forschungsprojekte verbinden in der Regel mehrere der folgenden Aspekte: (1) Regionalität/Transregionalität, Interkulturalität/Transkulturalität, (2) Modernen/Modernitäten, (3) Literarische und visuelle Kulturen: Quellen und Techniken, (4) Archive und Kulturen der Dokumentation. Die überwiegende Ausrichtung der Projekte auf den zeitlichen Rahmen von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart schließt Forschungen zur longue durée und zu mittelalterlichen und antiken Themen nicht aus, sondern bezieht sie gezielt in die Erkundung dynamischer kultureller und sozialhistorischer Prozesse ein.

Die Iranistik wird traditionell sprachlich definiert: Ihren Gegenstand bilden Sprachen, die dem iranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen zuzuordnen sind, und Gesellschaften, deren Mitglieder sich dieser Sprachen bedienen. Demgemäß könnte man die Forschung des Instituts auf eine Karte projizieren, in deren Mitte die drei offiziell (auch) persischsprachigen modernen Nationalstaaten liegen: Iran, Afghanistan und Tadschikistan. Dazu kommen Regionen mit Sprechern anderer neuiranischer Sprachen: Tadschikisch und Pamirsprachen in Zentralasien, Kurdisch und Gorani im östlichen Mittelmeerraum, Ossetisch im Kaukasus. Doch der historische Einfluss der persischen Sprache – als Verwaltungs-, Verkehrs- oder Bildungssprache – reicht noch weit darüber hinaus: Neben dem Kaukasus, Zentralasien und Südasien spielte im Osmanischen Reich und damit auch in Südosteuropa (v. a. Bosnien) das Persische ein bedeutende Rolle bis in die Neuzeit. In Antike und Frühmittelalter fand das Sogdische (eine ostmitteliranische Sprache) entlang der Seidenstraße Ausbreitung bis nach China.

Doch eine kulturwissenschaftlich orientierte Iranistik muss sich von einer exklusiven Bindung an Sprache lösen und kulturelle Prozesse insgesamt in den Blick nehmen. Auch kulturelle Zwischen- und Grenzräume, Diaspora und Exil, Fremd- und Selbstbilder sind dabei von Bedeutung. In dieser Weise versucht die Forschung des Instituts für Iranistik ihrem Anspruch gerecht werden, nicht nur eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung der internationalen Iranistik zu spielen, sondern auch durch exemplarische Forschung zu iranisch geprägten Gesellschaften sich an der Theoriebildung der kulturwissenschaftlichen und sozialgeschichtlichen Asienforschung insgesamt zu beteiligen. Die erwähnte "iranische" historische Komponente spielt dabei eine wichtige Rolle und wird für das Institut für Iranistik stets das zentrale Forschungsfeld bilden.

Die Forschung des Instituts soll zwar nicht unmittelbar anwendungsorientiert betrieben werden, aber sie unterstützt „anwendungsoffen“ eine "Entideologisierung" und „De-Essentialisierung“ heute gängiger Erklärungsmodelle der Geschichte des iranischen Raums. So stellt sie eine direkte Grundlage für die notwendige kritische Reflexion und Bewertung aktueller strategischer Entwicklungen, Argumentationen und öffentlicher Diskurse zur Verfügung, die gerade für den iranischen Raum (einschließlich Zentralasien) in seinen Beziehungen zu Europa noch auf lange Zeit von größter Bedeutung bleiben werden.

» zum Seitenanfang

2. Iranische Sprachwissenschaft / Iranische Onomastik
Neben den neu formulierten Forschungsschwerpunkten des Instituts wird auch die inzwischen schon klassisch gewordene Forschungsaufgabe der einstigen Kommission für Iranistik weiter geführt, die durch den Einsatz der Professoren Manfred Mayrhofer (w.M. der ÖAW), Rüdiger Schmitt (Universität Saarbrücken, k.M.A. der ÖAW) und des bisherigen Obmann der bis zum 31. Oktober 2002 bestandenen Kommission für Iranistik, Professor Heiner Eichner (k.M. der ÖAW) weltweite Anerkennung gefunden hat: das philologische Großvorhaben des Iranischen Personennamenbuches (IPNB), in dessen Rahmen geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung betrieben wird. Es stellt in struktureller Hinsicht einen besonderen, vor allem der Historie verbundenen Aspekt des im Rahmenthema verankerten, vergleichenden kulturgeschichtlichen Ansatzes dar. Im Rahmen dieses Arbeitsbereiches soll die Mitwirkung von Prof. Rüdiger Schmitt besonders hervor gehoben werden.

Das IPNB war von Anfang an konzipiert als ein Werk des Typs "historisches Namenbuch". Das Ziel ist eine möglichst vollständige Sammlung von Personennamen iranischsprachigen Ursprungs und zugleich ein Lexikon der Personen, die solche Namen getragen haben. Dabei sind nicht nur die iranischen Quellen aus der gesamten Zeitspanne vom 9. Jahrhundert v. Chr. bis in die Gegenwart zu erfassen, sondern auch jene Namen, die in der (literarischen, inschriftlichen etc.) Überlieferung aller Völker aufscheinen, mit denen iranische Völker seither in Berührung gekommen sind oder über die Träger iranischsprachiger Namen berichten. Das IPNB ist so angelegt, dass durch möglichst einheitliche Artikelgestaltung (gegliedert nach Belegen, Prosopographie und Namendeutung) ebenso Antwort gegeben wird auf philologisch-sprachwissenschaftliche wie auf historische Fragen.

Gleichermaßen interessant ist die Einbeziehung onomastischer Nebenüberlieferungen in alten und neueren nichtiranischen Sprachen rings um den iranischen Kernbereich: von Latein und Griechisch im Westen – Slawisches nicht zu vergessen – über Ägyptisch, Arabisch und andere semitische Sprachen bis hin zu den Sprachen Indiens, zum Türkischen, Tibetischen und Chinesischen im Osten.

Namenbücher sind in ihrem jeweiligen Bereich nicht nur für Philologen, Sprachwissenschaftler und Namenforscher bedeutsame Nachschlagewerke und Arbeitsinstrumente. Sie sind bei jeglicher Beschäftigung mit der Geschichte des betreffenden Raums unentbehrlich, etwa für Studien zur Prosopographie einzelner Personen, zur Demographie und Sozialgeschichte, Siedlungs- und Stammesgeschichte, zur Religionsgeschichte und für die Arbeit der Archäologen.

Durch die langjährige Arbeit am IPNB hat sich am Institut für Iranistik ein so hohes Maß an Expertise auf dem Gebiet der Namenforschung akkumuliert, dass dieser Forschungsschwerpunkt von IPNB zu Iranische Onomastik umbenannt wurde; das IPNB als Forschungsprogramm wird innerhalb dieses Schwerpunkts als Projekt weiter bestehen.
Neben der langjährigen Publikationsreihe des Instituts im Verlag der ÖAW "Veröffentlichungen zur Iranistik" wurde die Reihe "Iranische Onomastik" eingerichtet.
siehe auch: Projekte, Iranisches Personennamenbuch

» zum Seitenanfang

3. Österreichrelevante iranistische Forschung
Einen zum großen Teil anwendungsbezogenen Forschungsschwerpunkt des Instituts bildet die Österreichrelevante iranistische Forschung. In diesem Rahmen werden iranistische Projekte bearbeitet, die räumlich oder personell in einem Zusammenhang mit Österreich stehen. Auch Nachlassaufarbeitung von österreichischen Iranforschern etwa oder die Herausgabe von relevanten Handschriften aus österreichischen Bibliotheken oder Sammlungen gehören in diese Kategorie.

» zum Seitenanfang

4. Central European Network of Iranian Studies (CENIS)
Der vierte, rein anwendungsbezogene Forschungsschwerpunkt ist das Central European Network of Iranian Studies (CENIS). Hier geht es um die kommunikatorische Vernetzung iranistisch arbeitender Einrichtungen und Forscherpersönlichkeiten in zentraleuropäischen Ländern mit dem Ziel, eine grenzüberschreitende und vernetzte, fallweise kooperierende Forschungs- und Lehrplattform ins Leben zu rufen. Den Forschungsschwerpunkt CENIS stärkende Kooperationen und Verbindungen bestehen bereits mit Budapest, Krakau und Sarajevo.

» zum Seitenanfang

5. Aufbau einer iranistischen Fachbibliothek
Auch das fünfte Arbeitsgebiet ist praxisbezogen: Der Auf- und Ausbau einer umfassenden iranistischen Fachbibliothek am Institut für Iranistik, der einzigen dieser Art in Österreich. Das Ziel der Bibliotheksgründung war es, für die eigenen Mitarbeiter, aber auch für externe Forscher einen wissenschaftlichen Arbeitsapparat für Iranistik zu schaffen und eine auch international abstrahlende Fachbibliothek zu etablieren.
siehe auch: Bibliothek

 
» zum Seitenanfang » Institut » Geschichte » Organisation » Kooperationen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
© Institut für Iranistik ÖAW
Apostelgasse 23, 1030 Wien | T: 0043 1 51581 6500 | F: 0043 1 51581 6520 | iran.office@oeaw.ac.at
  zuletzt geändert am: 28.02.2013