Insgesamt verfolgt das Institut für Iranistik derzeit fünf, jeweils mehrere Projekte überwölbende Forschungsschwerpunkte:
- Iranisch geprägte Kulturen zwischen Tradition und Modernität
- Iranisches Personennamenbuch / Iranische Onomastik
- Österreichrelevante iranistische Forschung
- Central European Network of Iranian Studies (CENIS)
- Aufbau einer Iranistischen Fachbibliothek
Der größere Teil des aktuellen Forschungsspektrums des Instituts für Iranistik folgt dem Forschungsschwerpunkt "Iranisch geprägte Kulturen zwischen Tradition und Modernität". Dieser Schwerpunkt ist kulturwissenschaftlich geprägt, methodisch vielfältig und umfasst den zeitlichen Rahmen von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Der in Frage kommende geographische Raum umfasst die historisch durch die Dominanz der persischen Sprache geprägten Gebiete rund um die heute noch persischsprachigen Länder Iran, Afghanistan und Tadschikistan, verweist in historischer Dimension auch in den Kaukasus und nach Zentral- sowie Südasien.
Vormoderne
sozio-kulturelle Verhältnisse in islamischen Ländern vom Kaukasus über
das Iranische Hochland (einschließlich Afghanistans) bis nach Zentralasien
und Indien waren Jahrhunderte lang, unabhängig von den ethnischen Verhältnissen,
stark iranisch geprägt. Die Entstehung heute existierender, "moderner"
Staatengebilde in dieser Region mit ihren jeweiligen Nationalkulturen
hat oft koloniale Hintergründe, ist aber vor allem mit dem Verlust oder
der Transformation der iranischen, meist persischsprachigen Komponente
früherer kultureller Verhältnisse zu Gunsten neuer Nationalsprachen und
-kulturen einhergegangen.
Weltweit werden üblicherweise bei Untersuchungen zu diesem Themenkreis
entweder auf gegenwärtige, modern-nationale Phänomene ausgerichtete Betrachtungsweisen
verfolgt oder eine generell "islamische" Perspektive angelegt. Im ersten
Fall werden gegenwärtige Verhältnisse auf frühere Prozesse projiziert
bzw. übertragen. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen arbeiten oft ungewollt
politisch motivierten Nationalideologien in die Hände (z.B. in ehemals
sowjetischen Staaten, aber auch in Iran, Afghanistan sowie Indien und
Pakistan). Im Falle der "islamischen" Perspektive nähern sich westliche
Forscher oft ungewollt den Intentionen islamistischer Fundamentalisten
an.
Wir setzen mit unserem Modell einen anderen Akzent: Der mit der Modernisierung
einhergehende Kulturwandel "unserer" Region enthält als gemeinsamen Nenner
Transformationen iranischer Elemente. Die Nachzeichnung solcher Prozesse,
aber auch die Überprüfung von gemeinsamen kulturellen Überbleibseln in
West-, Mittel- und Südasien bieten Möglichkeiten von überregionalen Vergleichen,
wie sie zur Zeit bei der historischen Betrachtung des islamisch geprägten
Teils Asiens kaum üblich sind. Der allgemeine Nutzen liegt auf der Hand:
Das kulturgeschichtliche Modell des Instituts für Iranistik trägt zur
besseren westlichen Wahrnehmung außereuropäischer Zivilisationen bei,
indem durch mehrfache "Entideologisierung" heute gängiger Erklärungsmodelle
der Geschichte Asiens nach neutralen Faktoren gesucht wird, die von modernen
Nationalisten oder Islamisten oft ignoriert und geleugnet werden. Die
erwähnte "iranische" historische Komponente spielt dabei eine wichtige
Rolle und wird für das Institut für Iranistik ein zentrales Forschungsfeld
bilden.
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Neben den neu formulierten Forschungsschwerpunkten des Instituts wird auch die inzwischen schon
klassisch gewordene Forschungsaufgabe der einstigen Kommission für Iranistik weiter geführt, die durch den Einsatz der Professoren Manfred
Mayrhofer (w.M. der ÖAW), Rüdiger Schmitt (Universität Saarbrücken, k.M.A.
der ÖAW) und den bisherigen Obmann der bis zum 31. Oktober 2002 bestandenen
Kommission für Iranistik, Professor Heiner Eichner (k.M. der ÖAW) weltweite
Anerkennung gefunden hat: das philologische Großvorhaben des Iranischen
Personennamenbuches (IPNB), in dessen Rahmen geisteswissenschaftliche
Grundlagenforschung betrieben wird. Es stellt in struktureller Hinsicht einen besonderen,
vor allem der Historie verbundenen Aspekt des im Rahmenthema verankerten,
vergleichenden kulturgeschichtlichen Ansatzes dar. Im Rahmen dieses Arbeitsbereiches
soll die Mitwirkung von Prof. Rüdiger Schmitt besonders
hervor gehoben werden.
Das IPNB war von Anfang an konzipiert als ein Werk des Typs
"historisches Namenbuch". Das Ziel ist eine möglichst vollständige Sammlung
von Personennamen iranischsprachigen Ursprungs und zugleich ein Lexikon
der Personen, die solche Namen getragen haben. Dabei sind nicht nur die iranischen Quellen
aus der gesamten Zeitspanne vom 9. Jahrhundert v. Chr. bis in die Gegenwart
zu erfassen, sondern auch jene Namen, die in der (literarischen, inschriftlichen
etc.) Überlieferung aller Völker aufscheinen, mit denen iranische Völker
seither in Berührung gekommen sind oder über die Träger iranischsprachiger
Namen berichten. Das IPNB ist so angelegt, dass durch möglichst einheitliche
Artikelgestaltung (gegliedert nach Belegen, Prosopographie und Namendeutung)
ebenso Antwort gegeben wird auf philologisch-sprachwissenschaftliche wie
auf historische Fragen.
Gleichermaßen interessant ist die Einbeziehung onomastischer
Nebenüberlieferungen in alten und neueren nichtiranischen Sprachen rings
um den iranischen Kernbereich: von Latein und Griechisch im Westen – Slawisches
nicht zu vergessen – über Ägyptisch, Arabisch und andere semitische Sprachen
bis hin zu den Sprachen Indiens, zum Türkischen, Tibetischen und Chinesischen
im Osten.
Namenbücher sind in ihrem jeweiligen Bereich nicht nur für
Philologen, Sprachwissenschaftler und Namenforscher bedeutsame Nachschlagewerke
und Arbeitsinstrumente. Sie sind bei jeglicher Beschäftigung mit der Geschichte
des betreffenden Raums unentbehrlich, etwa für Studien zur Prosopographie
einzelner Personen, zur Demographie und Sozialgeschichte, Siedlungs- und
Stammesgeschichte, zur Religionsgeschichte und für die Arbeit der Archäologen.
Durch die langjährige Arbeit am IPNB hat sich am Institut für Iranistik ein so hohes Maß an Expertise auf dem Gebiet der Namenforschung akkumuliert, dass dieser Forschungsschwerpunkt von IPNB zu Iranische Onomastik umbenannt wurde; das IPNB als Forschungsprogramm wird innerhalb dieses Schwerpunkts als Projekt weiter bestehen.
Neben der langjährigen Publikationsreihe des Instituts im Verlag der ÖAW "Veröffentlichungen zur Iranistik" wurde die Reihe "Iranische Onomastik" eingerichtet.
siehe auch: Projekte, Iranisches Personennamenbuch
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Einen zum großen Teil anwendungsbezogenen Forschungsschwerpunkt des Instituts bildet die Österreichrelevante iranistische Forschung. In diesem Rahmen werden iranistische Projekte bearbeitet, die räumlich oder personell in einem Zusammenhang mit Österreich stehen. Auch Nachlassaufarbeitung von österreichischen Iranforschern etwa oder die Herausgabe von relevanten Handschriften aus österreichischen Bibliotheken oder Sammlungen gehören in diese Kategorie.
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Der vierte, rein anwendungsbezogene Forschungsschwerpunkt ist das Central European Network of Iranian Studies (CENIS). Hier geht es um die kommunikatorische Vernetzung iranistisch arbeitender Einrichtungen und Forscherpersönlichkeiten in zentraleuropäischen Ländern mit dem Ziel, eine grenzüberschreitende und vernetzte, fallweise kooperierende Forschungs- und Lehrplattform ins Leben zu rufen. Den Forschungsschwerpunkt CENIS stärkende Kooperationen und Verbindungen bestehen bereits mit Budapest und Krakau, neuerdings auch mit Sarajevo, in nächster Zukunft auch mit der Ukraine.
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Auch das fünfte Arbeitsgebiet ist praxisbezogen: Der Auf- und Ausbau einer umfassenden iranistischen Fachbibliothek am Institut für Iranistik, die einzige dieser Art in Österreich. Das Ziel der Bibliotheksgründung war es, für die eigenen Mitarbeiter, aber auch für externe Forscher einen wissenschaftlichen Arbeitsapparat für Iranistik zu schaffen und eine auch international abstrahlende Fachbibliothek zu etablieren.
siehe auch: Bibliothek
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