Österreichische Akademie der Wissenschaften: Sammlung Woldan

Thomas-Christen

R. Wallisch, G. Holzer, Die Entdeckung der indischen Thomas-Christen. Zwei italienische Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts aus der Wiener Sammlung Woldan. Text, Übersetzung und Kommentar. Mit einem Anhang zur frühneuzeitlichen Kartographie Malabars und der Koromandel-Küste (Edition Woldan, 1).

Die sogenannten Thomas-Christen Südindiens, die ihre Kirche auf die Indienmission des gleichnamigen Apostels zurückführen, kamen durch das Auftreten der portugiesischen Seefahrer in Malabar (Kerala) zu Beginn des 16. Jahrhunderts erstmals in Kontakt mit ihren katholischen Glaubensbrüdern im Westen. Die Begegnung der beiden Kulturen, die zunächst mit großen Hoffnungen verbunden war und daher auf beiden Seiten unvoreingenommen begrüßt wurde, sollte durch die Einmischung der portugiesischen Kolonialherren in die Führung der Thomas-Kirche gegen Ende des 16. Jahrhunderts eine unglückliche Wendung nehmen. Die Sozietät der Thomas-Christen, die sich durch Jahrhunderte innerhalb eines hinduistisch-muslimischen Umfeldes als autonome Gruppe etabliert hatte, wurde in ihrem Gleichgewicht erschüttert, gespalten und ihrer eigenen Tradition entfremdet. Die Folgen sind in der konfliktreichen Geschichte der syromalabarischen und syromalankarischen Christen Südindiens bis heute erkennbar.

Der vorliegende Band enthält die Edition der zwei wichtigsten Quellentexte zur Begegnung von Thomas-Christen und Europäern aus der Sammlung Woldan: den sogenannten „Bericht des Joseph von Cranganore“, eines indischen Christen, der mit der zweiten portugiesischen Indienflotte nach Europa gereist war, und den Bericht des Karmeliten Vincenzo Maria Murchio, der Mitte des 17. Jahrhunderts an einer Delegation nach Malabar teilgenommen hatte, die auf dem Höhepunkt des Konfliktes schlichtend vermitteln sollte. Beide Texte sind ausführlich kommentiert und liegen in italienischer Originalversion und deutscher Übersetzung vor. Beigegeben ist auch die editionsgeschichtlich bedeutende lateinische Version des „Josephus Indus“. Eine mehrseitige Zeittafel erleichtert die Orientierung in der komplexen und wenig bekannten Kirchengeschichte der Thomas-Christen.

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