Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
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Übersicht und Archiv-Behelf: (pdf-Format)
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Der schriftliche Nachlaß der Schriftstellerin Hermine Cloeter (1879-1970) wurde durch ihren Neffen und Adoptivsohn Christoph Cloeter bis zu seinem Tod im Jahre 2000 verwaltet und verwahrt. Er war stets eifrig bemüht, das Andenken an seine Tante hochzuhalten und ihrem Werk über ihren Tod hinaus eine gewisse Öffentlichkeit zu verschaffen. Tatsächlich gelang es ihm, die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) von der Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Hermine Cloeter, Emma Cloeter und Otto von Zwiedineck-Südenhorst 1893-1957 zu überzeugen. Im Jahre 1995 erschien die Edition unter dem Titel "Ideale und Wirklichkeiten: Aspekte der Geschlechtergeschichte" als ein 575 Seiten umfassender Band in den Sitzungsberichten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse, Bd 616. Die eigentlichen literarischen Texte Hermines galten vielfach als nicht mehr zeitgemäß; Christophs Versuche, diversen Verlagen Neuauflagen bereits erschienener Arbeiten bzw. Erstveröffentlichungen unpublizierter Texte nahe zu bringen, blieben regelmäßig erfolglos. Seine Tätigkeit führte immerhin insoweit zum Erfolg, als im 14. Wiener Gemeidebezirk eine Gasse nach ihr benannt (1975) und auch eine Gedenktafel an ihrem Wohnhaus Schaumburgerstraße 6 angebracht wurde. Christoph selbst wurde im Jahre 1992 mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.
Christoph Cloeter hat umfangreiche Schriften seiner Tante transkribiert und auch indiziert. Zentral sind sicherlich ihre Tagebücher, die er komplett abgeschrieben hat. Im Anzeiger der phil.-hist. Klasse der ÖAW 127 (1990), S. 103-123, hat Martina Schmidt auf die Tagebücher und die Transkription aufmerksam gemacht. Aber auch verschiedene Familienkorrespondenzen hat er auf diese Weise bearbeitet und erschlossen, nicht allein jene, die Hermine betrafen, sondern auch seine eigenen Briefe aus der Zeit des 2. Weltkrieges an seine Gattin. Eine familienkundliche Arbeit über seine Urgroßmutter Luise Teterin ("Ein Schweizer Mädel fährt nach Odessa") hat er selbständig verfaßt.
Seine dauerhaften Kontakte zur ÖAW hatten bereits zu Lebzeiten Christophs dazu geführt, daß der Nachlaß der Hermine Cloeter an das Archiv der ÖAW übergeben werden sollte. Nach seinem Tod wurde das Material auf Vermittlung von Christophs Schwester, Frau Prof. Eugenie Altmann, Wien, durch Schenkung von Christophs Witwe, Frau Lieselotte Cloeter, geb. Schmatz, am 20. November 2001 von der Akademie übernommen.
Ein Teil des Nachlasses der Hermine Cloeter wird in der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) aufbewahrt und ist unter den Signaturen HAN: Ser.n. 9409 bis 9423 (15 Mappen, enthält Vorträge u. Artikel), HAN: Autogr. 575/1 bis 576/61 (Briefnachlaß 337 Stück von 160 Schreibern) und HAN: Ser. n. 14480 (Typoskript 17. Bl. "Wie ich Schriftstellerin wurde") der Öffentlichkeit zugänglich. Der Nachlaß Hermine Cloeter im AÖAW enthält Photokopien sämtlicher Materialien, die seinerzeit der ÖNB übergeben wurden.
Die im November 2001 aus Mauterndorf übernommenen Materialien lassen sich in drei Bereiche gliedern:
Daher erscheint es legitim, das gesamte vorliegende Schriftgut als Archivfond unter der Bezeichnung "Nachlaß Hermine Cloeter" zu verwahren. Entsprechend den Bestimmungen der Benutzerordnung des Archivs der ÖAW - namentlich sei auf die Bestimmungen des Datenschutzgesetzes bzw. des Personenstandsgesetzes hingewiesen - und mit Rücksicht auf die Familie Cloeter sind die unter Punkt 3 genannten Akten (Kartons 41-60) zumindest bis zum Jahre 2030 für die Öffentlichkeit gesperrt.
Von Publikationen, die ganz oder teilweise aufgrund dieses Nachlasses herausgegeben werden, ist nicht allein dem Archiv der ÖAW, sondern auch der Familie Cloeter ein Frei-Exemplar zur Verfügung zu stellen.
Die Verzeichnung erfolgte im Jahre 2002 durch Mag. Yukiko Sakabe und Dr. Stefan Sienell.