Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Institut für Radiumforschung


Institut für Radiumforschung

Umfang: 69 Kartons

Übersicht und Archiv-Behelfe: (pdf-Format)

Inhaltsübersicht

Gesamtregister

  1. Akten des Instituts für Radiumforschung im Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
  2. Bau des Instituts, Erstausstattung
  3. Status des Instituts
  4. Mitarbeiter
  5. Finanzen
  6. Tätigkeitsberichte
  7. Kuratorium des Instituts für Radiumforschung
  8. Publikationen des Instituts (MIR)
  9. Zeitungsausschnitte
  10. Nachlass Stefan Meyer
  11. Behördenschriftwechsel 1938?1944 (G. Ortner)
  12. Nachlass Karl Przibram
  13. Nachlass Berta Karlik
  14. Splitternachlässe
  15. Varia
  16. Fotos und Glasplattennegative

    Anhang - Vierjahresplaninstitut für Neutronenforschung


Literatur: Stefan Sienell u. Christine Ottner: Das Archiv des Instituts für Radiumforschung, in: Anzeiger der math.-nat. Klasse der ÖAW II 140 (2004), S. 11-53.


Das Institut für Radiumforschung ("Radium-Institut") wurde in den Jahren 1909/10 aus den Mitteln der Stiftung von Dr. Karl Kupelwieser errichtet und am 28. Oktober 1910 eröffnet. Am 13. Januar 1955 erfolgte die Umbenennung in "Institut für Radiumforschung und Kernphysik" und schließlich am 7. November 1986 die Umwandlung in das "Institut für Mittelenergiephysik". Seit der Gründung stand Stefan Meyer dem Institut vor, mußte jedoch 1938 die Leitung zurücklegen. Ihm folgte sein langjähriger Assistent Gustav Ortner nach, der seinerseits die Geschicke des Instituts bis Kriegsende in Händen hielt. Mit Dekret vom 29. Dezember 1947 wurde Berta Karlik, die bis dahin unter dem zurückgekehrten Vorstand Meyer provisorische Leiterin war, offiziell als Vorstand bestellt, nachdem der bereits 75jährige Meyer mit 1. Oktober 1947 pensioniert worden war. Karlik leitete das Institut als Vorstand und geschäftsführender Direktor bis zum August 1974, als ihr Herbert Vonach (TU München) nachfolgte. Bis zur Umwandlung im Jahre 1986 leitete dieser das Institut, dessen geschäftsführender Direktor fortan Wolfgang Breunlich war.

Erwähnt seien an dieser Stelle noch die jeweiligen Stellvertreter. Bis 1920 war Viktor F. Hess sogenannter "Erster Assistent" Meyers. Seine Stelle übernahm wegen seiner Berufung nach Graz Karl Przibram, der seinerseits später als "Vorstandstellvertreter" tituliert wurde. Ebenso wie Meyer mußte auch Karl Przibram nach dem Anschluß an Hitler-Deutschland seine Position aufgeben. Als "Funktionäre" werden in den Almanachen der Akademie in den Kriegsjahren nach dem Leiter Gustav Ortner die "Assistenten" Friedrich Hernegger und Friedrich Prankl genannt, sowie später auch Erwin Fischer-Colbrie, der aus Nürnberg gekommen war. Berta Karlik wurde als "Dozent mit Diäten" geführt. Seit April 1945 war Karlik mit der provisorischen Leitung des Instituts betraut, Assistenten waren Hernegger und wenig später auch Fritz Hawliczek. Friedrich Hernegger war bis 1972/73 wissenschaftlicher Beamter und Oberassistent am Institut; seit 1958/59 wird auch Traude Bernert so bezeichnet (bis 1970/71) und neben diesen beiden seit 1961/62 auch Heinrich Felber. Während unter Karliks Leitung nie explizit von einem Stellvertreter die Rede war, wird seit Beginn der Tätigkeit Herbert Vonachs als Vorstand und geschäftsführender Direktor (1. September 1974) Peter Hille als solcher bezeichnet. Er war Vonachs Stellvertreter bis zur Umwandlung des Instituts für Radiumforschung und Kernphysik in das Institut für Mittelenergiephysik 1986.

Die Forschungsleistungen, die am Institut für Radiumforschung vollbracht wurden, können an dieser Stelle keinesfalls in der gebührenden Breite dargelegt werden. Es war das erste Institut dieser Art weltweit und besonders in den Jahren vor 1938 eine anerkannte Größe in der internationalen Atomforschung. Zahlreiche wichtige Entdeckungen wurde hier gemacht und grundlegende Kenntnisse über Radioaktivität gewonnen. Auch in den Kriegszeiten gelangen noch wichtige Entdeckungen, wie die des Elements 85 in der Natur durch Berta Karlik und Traude Bernert im Jahre 1944. Von der wissenschaftlichen Tätigkeit des Instituts zeugen die in den Almanachen der Akademie abgedruckten Berichte sowie die Publikationen der Mitarbeiter, von denen zwischen 1911 und 1985 allein 743 als Mitteilungen des Instituts für Radiumforschung (MIR) erschienen.