START-Projekt: Die Domitilla-Katakombe in Rom

Archäologie, Architektur und Kunstgeschichte einer spätantiken Nekropole

Leitung: N. Zimmermann (DAI Rom) 

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen: Mag. Dr. V. Fugger, ÖAW (Archäologin); Univ.-Ass. DI Dr. G. Eßer, TU Wien (Supervisior der Dokumentation, Architekturgeschichte); DI I. Mayer, TU Wien (Projektassistentin, 3D-Scanning und -Auswertung) 

Freie Mitarbeiter: Prof. Dr. V. Tsamakda (Archäologin); Prof. Dr. A. E. Felle (Archäologe); Prof. Dr. S. Schrenk (Archäologin); Dr. Eng. A. Abdelhafiz (Automatic texture mapping); M. Ganspöck, TU Wien

Die Domitilla-Katakombe ist mit einer Ausdehnung von 12 km unterirdischer Gänge nicht nur die größte Katakombe Roms. Zugleich bietet sie einen umfassenden Einblick in alle Phasen und Phänomene dieser frühchristlichen Nekropolen: Aus vereinzelten heidnischen Grabkammern und ersten anonymen Gemeindebestattungen des frühen 3. Jhs. wuchs im Verlauf des 4. Jhs. ein riesiges Galerienetz zusammen. Eine unterirdische Basilika bildete, nach dem Ende der Bestattungstätigkeit im 5. Jh., bis ins Mittelalter hinein ein Pilgerzentrum um die Gräber der verehrten Martyrer Nereus und Achilleus. Mit rund 80 ausgemalten Grabräumen bewahrt die Domitilla-Katakombe zudem einen der größten Bestände an Katakombenmalerei überhaupt.

Obwohl nach fast 400 Jahren Forschung eine Reihe von Studien aus den diversen Fachdisziplinen vorliegen, ist die Katakombe bis heute nur unzureichend erforscht. Darin ist sie ein typisches Beispiel des Forschungsstandes zu einer großen Zahl der römischen Katakomben: Zwar sind die generellen Züge ihrer Entstehung und Entwicklung mittlerweile bekannt, aber die individuelle Geschichte jeder einzelnen Katakombe ist im Detail kaum erarbeitet, da sie nur selten in ihrer Gesamtheit als archäologische Monumente behandelt wurden. Am meisten fehlt eine vollständige Dokumentation, die Vorraussetzung für eine Auseinandersetzung unter modernen methodischen Fragestellungen. Bislang steht die sehr gute Erhaltung der Katakomben noch im krassen Gegensatz zu ihrer wissenschaftlichen Verfügbarkeit und Bearbeitung. 

Projektziel

Hier setzt das Domitilla-Projekt an: Auf der Grundlage einer digitalen Dokumentation mit neuester, auf ein 3D-Laserscan-Verfahren gestützten Technik, wird erstmals ein virtuelles Raummodell erzeugt, das für die Auseinandersetzung mit der Katakombe eine völlig neue Grundlage bietet. So kann etwa die topographische Entwicklung nachvollzogen und umfassend analysiert werden. Als erster Schwerpunkt wird das lange überfällige Corpus der Malereien der Domitilla-Katakombe entstehen: Viele ihrer Malereien, die von den noch heidnisch geprägten Bildern des frühen 3. Jhs. bis zu theologisch voll ausgereiften christlichen Bildprogrammen in Grabräumen des späten 4. Jhs. reichen, sind noch unpubliziert oder in der wissenschaftlichen Diskussion unbeachtet. Erstmals können im Raummodell auch die Gräber nach ihrer Anzahl, Verteilung und Beschaffenheit berücksichtigt werden. In bislang einzigartiger Komplexität wird die Katakombe für diverse Fragestellungen zugänglich. Ein internationales Forschungsteam wertet diese Daten mit archäologischen, kunst- und sozialhistorischen Methoden kontextuell aus. Die Domitilla-Katakombe, die in ihrer Mikrogeschichte den generellen Wandlungsprozeß der spätrömischen Gesellschaft reflektiert, soll auf diese Weise anschaulich und facettenreich erschlossen werden.

Projektstruktur und Team

Das Domitilla-Projekt ist ein vom BMWF finanziertes, vom FWF betreutes START-Projekt. Das Domitilla-Projekt ist in Wien beheimatet am Institut für Kulturgeschichte der Antike der ÖAW (Prof. Dr. F. Krinzinger), in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Christliche Archäologie (Prof. Dr. R. Pillinger). Es wird als interdisziplinäre Teamarbeit in nationaler Kooperation mit dem Fachgebiet Architekturgeschichte und Bauforschung der TU Wien (Prof. Dr. M. Döring-Williams) durchgeführt. Die internationalen Projektpartner sind die Pontificia Commissione di Archeologia Sacra in Rom (Prof. Dr. F. Bisconti) und das Pontificio Istituto di Archeologia Cristiana (Prof. Dr. Ph. Pergola). Zudem leisten das Österreichische Historische Institut Rom und das Deutsche Archäologische Institut Rom wichtige logistische Hilfe. Vielfältige und unkomplizierte Unterstützung gewährt uns ferner immer wieder die Firma Riegl/ NÖ, und das TUWILScan-Center of Competence der TU Wien, von der der Scanner stammt.

Stand und Fortschritt der Projektarbeit


2006 — das erste Jahr

2007 — das zweite Jahr

2008 — das dritte Jahr

2009 — das vierte Jahr

2010 — das fünfte Jahr

2011 — das sechste Jahr

2012 — das siebte Jahr

2013-14 — Projektabschluß

Das Domitilla-Team bei der Arbeit ... und danach ... und im Gruppen-Scan