Weibliche Erwerbskarrieren in Wien im innerösterreichischen Vergleich

Wien kennzeichnete innerhalb Österreichs lange Zeit die höchste Frauenerwerbstätigkeit, fiel in den letzten 20 Jahren jedoch im innerösterreichischen Vergleich zurück. Zugleich weist Wien nicht mehr die geringsten Fertilitätsraten Österreichs auf. Beide Entwicklungen gingen mit einem Anstieg der Zuwanderung und einer Transformation des Wiener Arbeitsmarkts einher. Vor diesem Hintergrund analysierte das Forschungsprojekt „WieFErt“ die weibliche Berufstätigkeit in Österreich und vor allem in Wien. Dazu wurden verschiedenste Datenquellen herangezogen. Der Hauptteil der Analyse wurde anhand der Arbeitsmarktdatenbank (AMDB) durchgeführt.

Die Studie zeigt zunächst auf, wie sich die Frauenerwerbstätigkeit in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Dabei ist unter anderem festzustellen, dass es in Wien in der Folge der Wirtschaftskrise 2008 zu Zuwächsen an selbständig erwerbstätigen Frauen, geringfügiger Beschäftigung und arbeitslosen Frauen kam, während die Frauenerwerbstätigkeit insgesamt stagnierte. Festzuhalten ist aber dennoch auch, dass Frauen in Wien zu größeren Anteilen vollzeiterwerbstätig sind als Frauen in den Bundesländern.

Ein Schwerpunkt des WieFErt-Projekts war die Identifikation unterschiedlicher Karrieretypen (bei den 1980 bis 1984 geborenen Frauen). Es zeigte sich eine große Heterogenität unter den Frauen in Wien. Obwohl auch in Wien rund ein Fünftel der Frauen bereits in jungen Jahren auf dem Arbeitsmarkt aktiv ist, ist diese Gruppe im Vergleich zu den anderen Regionen in Wien schwächer vertreten. Mitentscheidend für den Karriereweg sind u.a. Charakteristika wie Nationalität, Wirtschaftsbranche oder Bildung. Aufgrund ihrer Bedeutung für die weibliche Erwerbstätigkeit tragen sie auch zur Erklärung bestehender regionaler Unterschiede bei.

Die Analyse des Bezugs von Wochen- und Kinderbetreuungsgeld (bei den 1984 geborenen Frauen) ergab, dass diese Leistungen von den Frauen in Wien vergleichsweise wenig genutzt werden. Diese bezogen sie seltener und kürzer als die Frauen in den anderen Landesteilen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Bezug und die Dauer bis zum Erstbezug variieren stark nach Bildung, Nationalität und Branche, in der die Frauen tätig sind. Regionale Unterschiede können hiermit jedoch kaum erklärt werden.

Die Ergebnisse wurden in einer Online-Broschüre  aufbereitet und werden demnächst in einem umfassenden Forschungsbericht des Instituts für Demographie der ÖAW publiziert.

 

Projektleiter:
Bernhard Riederer

Daten:
Arbeitsmarktdatenbank des AMS und des BMASGK (AMDB)

Finanzierung:
Stadt Wien, MA 7 –
Kultur, Wissenschafts- und Forschungsförderung