Freitag, 04. August 2017, 16:00

„Slow Medicine“ in schnellen Zeiten

Die Amerikanische Medizinanthropologin Sienna R. Craig fragt bei einer ISA Guest Lecture, was Tibetische Medizin in Katastrophenfällen, wie etwa einem Erdbeben, leisten kann.

Tibetische Medizin wird üblicherweise eher zur Therapie chronischer Leiden als bei Unfällen oder akuten Gesundheitsproblemen eingesetzt. Hier vertraut man – oft auch in Tibet und Nepal selbst – eher der westlichen Schulmedizin. Diese Zuschreibungen sind allerdings unvollständig, wie die Medizinanthropologin Sienna R. Craig vom Darthmouth College (USA) im Lauf ihrer Forschungsarbeiten vor Ort herausgefunden hat. Denn in beiden Fällen wirken neben biologischen Aspekten auch psychologische und soziale, die üblicherweise bei der pharmakologischen Medikation zu wenig Beachtung finden. Ob und wie traditionelle Methoden in akuten Fällen, wie etwa nach Naturkatastrophen, eingesetzt werden sollen, ist in der internationalen wissenschaftlichen Gesundheitsdiskussion kein Thema. In der Praxis gibt es aber durchaus Erfahrungen.

Sienna R. Craig hat die Wirkung traditioneller medizinischer Angebote auf Betroffene der verheerenden Erdbeben in Nepal im Jahr 2015 wissenschaftlich ausgewertet. Auf Einladung des Instituts für Sozialanthropologie der ÖAW beleuchtet sie in ihrem Vortrag „Slow Medicine in Fast Times: Tibetan Medicine and ‚Alternative Humanitarianism after Nepal’s 2015 Earthquakes die vielfältigen Aspekte umfassender humanitärer Hilfestellungen.