Montag, 20. November 2017, 17:00

Romeyka öffnet ein Fenster in die Vergangenheit

Der griechische Dialekt Romeyka wird nur noch an der östlichen Schwarzmeerküste in der Türkei gesprochen. In einem Vortrag an der ÖAW beleuchtet die Linguistin Ioanna Sitaridou, wie anhand dieser bedrohten Sprache die Entwicklung des Griechischen in Kleinasien nachvollzogen werden kann.

Romeyka ist ein vom Aussterben bedrohter griechischer Dialekt, der von etwa 5000 Menschen im Pontusgebirge an der türkischen Schwarzmeerküste gesprochen wird. Was diese Varietät des Griechischen so besonders macht, ist seine Struktur, die in vielerlei Hinsicht dem Altgriechischen ähnelt, das selbst bereits seit zwei Jahrtausenden eine tote Sprache ist.

Die Kommission Vanishing Languages and Cultural Heritage der ÖAW und die Wiener Sprachgesellschaft haben Ioanna Sitaridou von der Universität Cambridge, Queensʼ College, zu einem Vortrag eingeladen. Die pontischstämmige griechische Linguistin wird unter dem Titel „Romeyka in Turkey: Throwing new light on the historical development of the Greek language“ die Entwicklung des pontischen Griechisch im weiteren Kontext des kleinasiatischen Griechisch diskutieren. Die Menschen, die heute noch diesen Dialekt sprechen, öffnen ihr ein einzigartiges Fenster in die Vergangenheit, da schriftliche Belege fehlen. Sie konnten ihre archaische Sprache nicht zuletzt deshalb bewahren, weil ihre Vorfahren als Muslime von der Vertreibung der Pontos-Griechen nach dem Vertrag von Lausanne verschont geblieben sind, und sie bis heute relativ abgeschieden leben.