Donnerstag, 09. November 2017, 16:00

Die Suche nach den richtigen Vorfahren in Saudi Arabien

Der Wandel zu einer vom Erdöl geprägten Wirtschaft hat in der saudischen Gesellschaft das Interesse an Genealogien geweckt. Bei einer ISA International Guest Lecture erklärt der Sozialanthropologe Nadav Samin, warum heute das Wissen über Verwandtschaft und Stammeszugehörigkeit in Saudi Arabien besonders populär ist.

Heutzutage bemühen sich viele Saudis, ihre Abstammung von historisch anerkannten Verwandtschaftsgruppen oder Stämmen zu beweisen. Der Sozialanthropologe Nadav Samin sieht als treibende Kraft dahinter den Wandel des sozialen und politischen Lebens Saudi Arabiens seit dem Beginn der Erdöl-Ära. Dieser Wandel brachte u.a. die Zerstreuung verwandtschaftlicher Gruppen, die Entstehung einer kompetitiven aristokratischen Rentenökonomie oder auch die – nunmehr schriftliche – statt früher rein mündliche – Weitergabe des verbindlichen Wissens mit sich.

Nadav Samin hat im Fachgebiet „Near Eastern Studies“ promoviert und seine Forschungsergebnisse über die Transformationen hin zum modernen Saudi Arabien 2015 im Buch „Of Sand or Soil: Genealogy and Tribal Belonging in Saudi Arabia“ veröffentlicht. Dabei hat ihm das Phänomen der saudischen Ahnenforschung ein besseres Verständnis von Geschichte, Politik und Religion im Land eröffnet. Bei einer ISA International Guest Lecture zum Thema „Lineage Seeking in the Oil Kingdom. Genealogy and Modern Saudi Arabia“ erklärt er am Institut für Sozialanthropologie der ÖAW die Bedeutung der Abstammungslinien für die modernen Saudis.

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