Freitag, 25. Mai 2018, 17:30

Damnatio Memoriae

Kajetan Gantar, renommierter Klassischer Philologe der Universität Ljubljana, vergleicht die im Augusteischen Rom wie auch unter totalitären Regimen im 20. Jahrhundert geübte Praxis, Gegner mit der Tilgung aus dem Gedächtnis zu bestrafen.

Damnatio memoriae hat in Oktavians Kulturpolitik eine große Rolle gespielt. Ihren Höhepunkt erreichte sie in der Tilgung des Namens des Cornelius Gallus, des Schöpfers der römischen Liebeselegie. Anderseits hat sie in der Auseinandersetzung mit Ovids Dichtung beinahe ein Fiasko erlebt, da dieser offenbar schon zu große Beliebtheit beim römischem Publikum genoss, so dass der verbannte Dichter es wagen konnte, zu einem Gegenangriff überzugehen. Kein Wunder, dass bei ähnlichen Versuchen in nachaugusteischer Zeit oft auch Kaiser einer damnatio memoriae anheimfallen konnten.

Solchen misslungenen Erfahrungen aus dem Altertum zum Trotz haben totalitäre Regime des 20. Jahrhunderts ebenfalls versucht, Gegner mit damnatio memoriae zu bestrafen. Kajetan Gantar, renommierter Klassischer Philologe der Universität Ljubljana, zeigt das beispielhaft in einem Vortrag an der ÖAW zum Thema Damnatio memoriae im Augusteischen Rom und im zwanzigsten Jahrhundert“. Er stellt das Schicksal zweier slowenischer Literaten aus Oberkrain vor, die während des Zweiten Weltkriegs in den Jahren 1942–44 in Wien Klassische Philologie studierten. Nach dem Krieg waren sie „physisch liquidiert“ und mit damnatio memoriae belegt. Doch nach mehr als einem halben Jahrhundert wurden sie allmählich in der slowenischen Literatur als Klassiker der Lyrik kanonisiert.

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