Ein Schatz in Schellack

Die „Sammlung Kotek“ des Phonogrammarchivs der ÖAW wurde in das „Memory oft he World“-Register der UNESCO aufgenommen.

63 Schellackplatten und 17 Decelith-Selbstschnittfolien, unscheinbar und doch ein Schatz. In jeder Hinsicht. Denn die Tonträger enthalten hunderte Volkslieder zahlreicher Sängerinnen, Sänger und Gesangsgruppen aus allen österreichischen Bundesländern. Volkslieder, die zwischen 1934 und 1937 im Rahmen der zwölf „Volksliedersingen“ der „Radio-Verkehrs-AG“ (RAVAG) aufgezeichnet wurden.

Im Oktober 2014 wurden sie als „Sammlung Kotek“ des Phonogrammarchivs der ÖAW und des Archivs des Österreichischen Volksliedwerks (ÖNB) in das nationale „Memory of the World“-Register der UNESCO aufgenommen. Stimmen, Melodien und Texte aus einer anderen Zeit. Einer anderen Welt.

Dr. Georg Kotek und der Reporter Andreas Reischek dokumentierten mit dem „Volksliedsingen“ die Vielfalt aktueller Gesangspraktiken und Interpretationen traditioneller Lieder und Jodler. Sie dokumentierten sie landesweit unter gleichen Bedingungen mittels Tonaufnahmen. Sie dokumentierten sie unmittelbar. Live. Vergleichbares lässt sich weder unter Forschungs- noch unter Studioaufzeichnungen aus dieser Zeit finden.

Damit stellt die „Sammlung Kotek“ eine der wichtigsten historischen Quellen für die österreichische Volksmusikforschung dar. Sie vermittelt ein repräsentatives Bild des authentischen Repertoires und – wohl noch wichtiger – der aktuellen Musizierpraxis in Österreich aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine Sammlung, die sowohl aus ethnomusikologischer wie auch aus forschungsgeschichtlicher Sicht von außerordentlicher Bedeutung ist.

Die unverändert erhaltenen Originalplatten, sowie deren analoge Kopien auf Magnetband werden im Phonogrammarchiv der ÖAW nach dem Stand der Technik aufbewahrt. Auf Basis einer neuen Abtastung der Originale werden derzeit Digitalisate hergestellt.

 

 Registereintrag im „Memory of Austria“ (incl. Antrag und fotogr. Illustrationen)

Phonogrammarchiv der ÖAW