19.07.2022 | Kategorie Rückblick

Nach den Sternen greifen!

Auf Einladung der Österreichischen Studienstiftung diskutierte ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher (@aschbacherjosef) im Dachpavillon der ÖAW mit Geförderten über Energie aus dem All, den Weltraum als Wirtschaftsraum oder warum Europas Engagement in Rocket Science immer wichtiger wird. Und warum man seine ganz persönlichen Ziele und Wünsche unbedingt im Blick halten sollte.

Auf dem Mond!

Als 1969 die Rakete gen Himmel schoss, fieberten weltweit mehr als 500 Millionen Menschen bei der ersten Mondlandung vor dem Fernseher mit. Auch der siebenjährige Josef Aschbacher verfolgte gebannt diesen „großen Schritt für die Menschheit“ via TV. Dieses Ereignis hatte die Sehnsucht nach den Sternen in ihm geweckt. Dabei hätte er eigentlich Bergbauer werden sollen, wäre es nach seinen Eltern gegangen. Doch anstatt als ältester Sohn unter sechs Kindern den Hof in den Tiroler Bergen zu übernehmen, folgte er seinem Traum und wurde Weltraumforscher. Mit Stipendien und Nebenjobs ermöglichte er sich den Besuch des Gymnasiums und promovierte in Meteorologie und Geophysik in Innsbruck. Heute ist Josef Aschbacher Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (European Space Agency - ESA) mit Sitz in Paris.

Abenteuer Raumfahrt.

Wie es dazu kam, und wie die Erdbeobachtung und Weltraumforschung seither sein berufliches Leben bestimmen, darüber sprach Josef Aschbacher mit sieben jungen Studienstiftler/innen. „Wir erkunden die fernsten Kometen und erforschen die entlegensten Asteroiden“, erzählt er. „Derzeit sind wir dabei, gemeinsam mit der NASA einen Flug zurück zum Mond vorzubereiten. Es ist der Wunsch vieler Menschen, an diesem Abenteuer der Raumfahrt teilzunehmen: Im Frühjahr 2021 schrieb die ESA neue Stellen für Astronaut/innen aus – mehr als 23.000 Bewerbungen gingen ein!“

Rocket Science für Europa.

Ein Student möchte wissen, ob die ESA eine eigene Startgelegenheit für Astronaut/innen plant. „Selbst astronautische Flüge in den Orbit unternehmen zu können, ist eine wichtige strategische Entscheidung“, sagt Aschbacher und erklärt: „Derzeit werden Astronaut/innen im ESA-Astronautenkorps mithilfe der NASA in den Weltraum transportiert.“ Die NASA ihrerseits lässt seit 2020 bemannte Raumflüge von Elon Musks SpaceX durchführen. Davor sind europäische Astronaut/innen auch mit Russland geflogen. Die Frage, welche Rolle Europa im Weltraum übernehmen wird, ist Teil der Debatte, die Aschbacher als Chef der ESA aktuell mit Politiker/innen anstößt.

Rechte im Weltraum.

„Der Weltraum ist der nächste Wirtschaftsraum“, ist Aschbacher überzeugt. „Es gibt Pläne, am Mond Mineralien oder seltene Erden abzubauen, also den Mond als neuen Kontinent zu nutzen. Aber wenn wir keine eigenen Raketen haben, haben wir nicht die Möglichkeiten, diese Erkundungen im gleichen Maße zu betreiben“, gibt er zu bedenken. Doch wer regelt eigentlich, was im Weltraum passieren darf und was nicht? „Weltraumrecht wird umso wichtiger, je mehr Aktivität im Weltraum stattfindet“, sagt Aschbacher. „Von den 4.000 im Orbit herumfliegenden Satelliten, gehört die Hälfte einem Menschen: Elon Musk. Was am Mond passiert und wer das Recht haben soll, Mineralien abzubauen oder Satelliten zu nutzen, dazu gibt es bereits eine große Diskussion. Wien ist hier auf internationaler Ebene sehr aktiv, etwa mit dem European Space Policy Institute, das auch rechtliche Fragen diskutiert.“

Rettung aus dem All?

„Wir sind Pioniere darin, Satelliten und Weltraumtechnologie für die Zukunft unseres Planeten zu nutzen“, erläutert Aschbacher eine weitere Rolle der ESA. „Ein Beitrag für die Energiewirtschaft ist zwar noch Zukunftsmusik, es existiert aber bereits eine bahnbrechende Projektidee!“ Riesige Solarpaneele im Weltraum sollen solare Energie sammeln und sie als Radiowellen auf den Erdboden leiten, die via Detektoren in Strom umgewandelt werden. Mit zwei Gigawatt Leistung könnte durch eine Solaranlage im All etwa so viel Strom erzeugt werden wie durch ein Kernkraftwerk. Für Aschbacher steht fest: „Wir müssen jetzt alle Energie daransetzen, die Probleme anzugehen, die uns als Menschheit betreffen – und das sind die Klimaprobleme!“

© Copyright alle Fotos: ÖAW/Bill Lorenz

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