Innovationsfonds „Forschung, Wissenschaft und Gesellschaft

Geförderte Projekte der ersten Ausschreibungsrunde


Suche nach leichter dunkler Materie mit einer neuen Nachweismethode

Projektleitung: Jochen Schieck (Institut für Hochenergiephysik)

Viele verschiedene Beobachtungen deuten auf die Existenz zusätzlicher Materie hin, die nicht sichtbar ist, die sogenannte dunkle Materie. Diese dunkle Materie ist nach übereinstimmenden Messungen fünfmal häufiger als die uns bekannte sichtbare Materie. Die bisher überzeugendste Erklärung dieser dunklen Materie wird durch die Existenz eines neuen, bisher unbeobachteten Elementarteilchens geliefert. Detektoren aus Silicium haben das Potential Streuprozesse mit sehr leichten dunklen Materieteilchen nachzuweisen. Im Rahmen dieses Projekts soll ein spezieller Siliciumdetektor zum Einsatz kommen, der sich durch sein extrem rauscharmes Verhalten auszeichnet, ein DEPFET-RNDR. Dieser Detektor ist bisher nur bei anderen Anwendungen zum Einsatz gekommen und soll jetzt für die direkte Suche nach dunkler Materie adaptiert werden. Ziel ist es, das Potential dieses Detektors für die Suche nach dunkler Materie abzuschätzen und eine erste Suche nach dieser durchzuführen.


A new Approach for Golden Treasures. Innovative Analyses in Archaeometry

Projektleitung: Barbara Horejs (Institut für Orientalische und Europäische Archäologie) und Ernst Pernicka (Universität Heidelberg)

Das Vorkommen von Goldschätzen in der Bronzezeit Südosteuropas und Anatoliens geht Hand in Hand mit der Entstehung von sozialen Eliten und der Entstehung von Hochkulturen. Allerdings ist es üblicherweise schwierig, archäologische Goldfunde zu analysieren, besonders wenn dafür Proben benötigt werden. Im Rahmen dieses Projektes wird ein innovatives, neues und leicht transportierbares Gerät zur nicht destruktiven Entnahme von Goldproben mit Hilfe von Lasertechnologie entwickelt, um damit Herkunftsbestimmungen durchführen zu können. Das neu entwickelte Gerät und auch die im Rahmen des Projektes entwickelte Probenentnahmemethodologie sollen im Anschluss an dieses innovative Projekt auch anderen Projekten und Disziplinen zur Verfügung stehen.

Es ist geplant, sowohl Goldproben von neu ausgegrabenen Fundorten zu untersuchen als auch Funde aus hochkarätigen Museumssammlungen weltweit zu beproben. In einer einzigartigen interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Geistes- und Naturwissenschaften arbeiten zwei hochrangige Forschungseinrichtungen, deren Direktoren beide mit ERC Grants ausgezeichnet wurden, erstmalig in diesem Forschungsgebiet zusammen (OREA und Universität Heidelberg, Institut für Geowissenschaften).


3000 Jahre Krankheitsgeschichte – Auf der Spur von Malaria in Knochen- und Zahnproben aus Nord-Afrika, der Mittelmeerraum und Zentraleuropa durch Anwendung innovativer Technologien und interdisziplinärer Zugänge

Projektleitung: Michaela Binder (Österreichisches Archäologisches Institut)

Obwohl Malaria in weiten Teilen der Welt nach wie vor eine zentrale Bedrohung darstellt, sind die Ursprünge der Krankheit, aber auch ihre Verbreitung und Auswirkungen auf antike Zivilisationen bis heute nur unzureichend erforscht. Beim Menschen wird die Krankheit durch vier (nach neuesten Erkenntnissen fünf oder sechs) Spezies von Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht. P. malaria, P. vivax und P. falciparum waren auch in Europa in den letzten Jahrhunderten endemisch, allerdings führt nur letztere zu potentiell tödlicher Malaria. Die Frage wann P. falciparum den nördlichen Mittelmeerraum erreichte, ist nach wie vor unklar, wird aber häufig von vielen mit dem Niedergang der Kulturen in der Spätantike in Verbindung gebracht. Wirkliche Beweise für diese Annahme fehlen jedoch, da trotz großer methodischer Fortschritte in der Identifikation des Erbgutes von Krankheitserregern in menschlichen Überresten Plasmodium bisher größtenteils unentdeckt bleibt.Durch ein interdisziplinäres Team von Archäolog/innen, Anthropolog/innen, Parasitolog/innen und Historiker/innen unter der Leitung der Bioarchäologin Michaela Binder (Department Bioarchäologie, Österreichisches Archäologisches Institut/Österreichische Akademie der Wissenschaften), in Kooperation mit der Arbeitsgruppe des Malariaspezialisten Harald Nödl an der Medizinischen Universität Wien sollen daher innovative Ansätze zur Identifikation von Malaria-Erregern in Knochen- und Zahnproben menschlicher Überreste entwickelt werden. Die folgenden Forschungsgebiete werden dabei verfolgt:

1)    Bioarchäologische Untersuchung von menschlichen Skelettresten aus Gebieten, in den Malaria potentiell endemisch war.
2)    Entwicklung neuer biomolekularer Untersuchungsmethoden zur Identifikation von Malaria-Erregern in Knochen- und Zahnproben.
3)    Anwendung immunodiagnostischer Methoden zum Nachweis von Malaria-Antigenen in menschlichem Skelettmaterial.
4)    Analyse historischer medizinischer Literatur zur Einbettung der Ergebnisse in die kulturgeschichtlichen Hintergründe der untersuchten Skelette.Infektionskrankheiten, wie Malaria stellen zentrale Parameter in der Menschheitsgeschichte dar, da sie Auswirkungen auf Siedlungsmuster sowie Bevölkerungswachstum oder –schwund hatten, aber auch Wanderbewegungen auslösten. Daher ist die Kenntnis ihrer Verbreitung ein wichtiges Element der umfassenden Rekonstruktion der Vergangenheit und im Verständnis um die Prozesse und Dynamiken, die zum Werden menschlicher Kulturen der Vergangenheit und Gegenwart geführt hatten. Darüber hinaus erlauben menschliche Überreste Langzeitperspektiven auf Bevölkerungsprozesse, die nicht nur für Historiker/innen oder Archäolog/innen relevant sind, sondern auch für moderne klinische und epidemiologische Forschung. Das Wissen um die evolutionären Prozesse in der Entstehung von Krankheitserregern sowie ihre Interaktion mit den menschlichen Wirten kann zum Verständnis und damit auch zur Entwicklung neuer Strategien im Kampf gegen diese Krankheiten sein. In Verbindung mit Hintergrunddaten zu Umwelt, Kultur oder Sozialstatus einer untersuchten Gruppe, können menschliche Skelettreste wichtige Erkenntnisse zur Evolution der Beziehungen zwischen Erregern und Wirten, den Ursprüngen genetischer Variabilität und den Risikofaktoren vieler Krankheiten beitragen. Aus diesem Grund kann die Erforschung der bisher kaum bekannten genetischen und epidemiologischen Geschichte von Malaria auch einen wichtigen Schritt zum besseren Verständnis der Krankheit und damit auch zur Entwicklung neuer Wege im Kampf gegen eine der bis heute häufigsten Todesursachen weltweit bedeuten.


Loslassen – durchstehen – ankommen. Eine transdisziplinäre Studie zur rezenten Situation Geflüchteter in Österreich

Projektleitung: Josef Kohlbacher (Institut für Stadt- und Regionalforschung) und Maria Six-Hohenbalken (Institut für Sozialanthropologie)

Das im Rahmen des ÖAW-“Network for Refugee Outreach and Research” (ROR-n) durchgeführte Projekt wird anhand wissenschaftlich exakter Daten einen Beitrag zu einer Versachlichung der öffentlichen Diskurse über Geflüchtete leisten. Die transdisziplinäre Perspektive ist durch die Kooperation von Spezialist/innen aus der Kultur- und Sozialanthropologie, der Migrationsforschung, der Politikwissenschaften, aber auch der Iranistik gewährleistet.

Die Theorien sozialer Netzwerke und zur Ethnizität werden als wichtige theoretische Ansätze herangezogen. Praktisch orientierte Ziele liegen in der Entwicklung von Politikempfehlungen, in umsetzbaren Good-Practice-Maßnahmen für Stakeholder sowie in nachhaltigen Lösungsvorschlägen in unterschiedlichen Integrationsbereichen. Des Weiteren ist intendiert, die Ergebnisse des Projekts in eine Panelstudie über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren einfließen zu lassen.

Methodisch sind 135 leitfadengestützte narrative biographische Interviews mit Syrer/innen, Iraker/innen und Afghan/innen durch Native-Speaker in Kurdisch (Sorani, Badini), Syrisch-/Irakisch-Arabisch, Pashto und Farsi-Dari geplant. 40 Respondent/innen werden innerhalb der Projektlaufzeit nochmals befragt werden. Erhebungsorte sind Wien sowie kleinere österreichische Gemeinden, um den Einfluss des räumlichen Kontexts auf den Verlauf der Integration systematisch untersuchen zu können. Fokusgruppendiskussionen und ein Sample von Expert/innen-Interviews mit Vertreter/innen aus Politik und Administration, Repräsentant/innen von Religionsgemeinschaften, Stakeholdern, Sozialarbeiter/innen, Vertreter/innen von NGOs, Migrant/innenvereinen etc. werden das Datenset vervollständigen, und dienen dazu, Resultate zu überprüfen und Handlungsperspektiven abzuleiten. Neben der Schaffung eines für Österreich einmaligen Datenpools stellen die Initiierung von Mutual-Learning-Prozessen sowie der wissenschaftliche Austausch und Kooperationen mit Institutionen in Staaten mit starker Flüchtlingszuwanderung (Deutschland, Schweden) sowie mit östlichen Nachbarstaaten (Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn) wichtige Ziele dar. Das innovative Spezifikum in diesem Projekt liegt neben seiner Transdisziplinarität in den engen Interdependenzen zwischen wissenschaftlichen und praktischen Zielsetzungen und den daraus resultierenden Verwertungsinteressen, die Sozialwissenschaften, Stakeholder, politische Entscheidungsträger sowie Geflüchtete einbinden.


Y-chromosomale Haplotypen prähistorischer Pferde zur Analyse der Domestikation, früher menschlicher Siedlungsgesellschaften, Migrationsvorgänge und kriegerischer Auseinandersetzungen

Projektleitung: Gottfried Brem (Durchführung am Institut für Orientalische und Europäische Archäologie)

Die prähistorische Menschheitsgeschichte ist auf das Innigste mit der des Pferdes verwoben. Die Nutzung des Pferdes revolutionierte Transportwesen und Kriegsführung. Gemeinsam mit Sprachen und ganzen Kulturen verbreiteten sich Pferde in Eurasien, dem vorderen Orient und Europa. Seit Beginn der Domestikation haben vor allem die männlichen Tiere einen besonderen repräsentativen und züchterischen Stellenwert inne. Mit variablen Markern am Y-Chromosom können paternale Genealogien der Hengste rekonstruiert werden. Mit modernsten Sequenziertechniken werden rezente und historische Y-chromosomale Pferde-Haplotypen identifiziert, die dann auch dazu verwendet werden, humanarchäologische Fragen zu klären.


Materialität und materielle Kultur in Tibet

Projektleitung: Christian Jahoda (Institut für Sozialanthropologie)

Das historische und gegenwärtige Tibet bildet den geographischen bzw. sprachlich-kulturellen Fokus des Projekts. Die drei wichtigsten Themen sind:

1)    Materialität und materielle Kultur im frühen imperialen Tibet,
2)    Materialität und materielle Kultur in der buddhistischen Architektur und Kunst und
3)    Konzeptionen und Praktiken. Dabei werden sozialanthropologische, kunst- und architekturhistorische sowie tibetologische Forschungen mit materialkundlichen Untersuchungen verbunden.


Small Cell Collider: Eine neue Methode zur Analyse der regulatorischen Auswirkungen physischer Interaktionen zwischen Immunzellen

Projektleitung: Matthias Farlik-Födinger (CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin GmbH)

Kommunikation zwischen Zellen kann entweder indirekt, über die Produktion und Erkennung von Hormonen und Zytokinen erfolgen, oder direkt über physische Interaktion benachbarter Zellen. So sind beispielsweise bestimmte Abläufe während einer Immunreaktion von der direkten Interaktion der beteiligten Immunzellen abhängig. Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens wollen wir derartige Interaktionen in kontrollierter Weise herbeiführen und die interagierenden Zellen nach dem Zusammentreffen individuell auf Veränderungen in ihrer Genaktivität analysieren. Dafür verwenden wir neueste Verfahren zur Einzelzell-Sequenzierung von RNA-Molekülen.


Quellmassen der Gravitation im Quantenregime

Projektleitung: Markus Aspelmeyer (Universität Wien) und Časlav Brukner (Institut für Quantenoptik und Quanteninformation Wien)

Das Projekt etabliert die Erforschung der Schnittstelle zwischen Quantenphysik und Gravitation als eine neue Forschungsrichtung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Methodisch werden die Arbeiten zur theoretischen Quanteninformation am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) Wien der ÖAW mit der experimentellen Forschung auf dem Gebiet der Quantenoptomechanik an der Fakultät für Physik der Universität Wien verknüpft. In den kommenden zwei Jahren unterstützt das Projekt die Arbeiten an einer theoretischen Basis für das Quantenregime von Quellmassen der Gravitation, sowie den Aufbau eines ersten proof-of-concept Experiments zum Nachweis der gravitativen Kopplung von mikroskopischen Quellmassen.