07.07.2020

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Zum Pensionsantritt von Dr. Gerda Lechleitner.

Am 30. Juni 2020 verabschiedete das Phonogrammarchiv seine langjährige Mitarbeiterin, Dr. Gerda Lechleitner, mit einem Empfang im Kreis aktueller sowie ehemaliger Kolleg_innen und Gäste.

Über ein Vierteljahrhundert prägte Gerda Lechleitner Ausrichtung und Außenwirkung des Archivs maßgeblich und erfolgreich mit. Als Redakteurin der CD-Edition des Phonogrammarchivs (Gesamtausgabe der Historischen Bestände 1899–1950) leistete sie Pionierarbeit, mit dem von ihr mitherausgegebenen bzw. redigierten Jahrbuch gestaltete sie das Gesicht des Phonogrammarchivs nach außen. Über ihre extensive Vortragstätigkeit machte sie die Arbeiten am Archiv international bekannt und stellte sie immer wieder zur Diskussion. Die Netzwerke, die Gerda Lechleitner über Jahrzehnte hinweg aufbaute und pflegte, sind von beeindruckender Reichweite.

 

Bei ihren vielfältigen Aktivitäten ging es Gerda Lechleitner aber nie nur darum, die Anliegen des Archivs an sich zu vertreten, sondern auch einen Beitrag zu allgemeinen Fachdiskursen zu leisten. Davon legt ihr langjähriges Engagement in wissenschaftlichen Gesellschaften wie dem ICTM und ESEM oder auch Institutionen wie dem Volksliedwerk Zeugnis ab. Dabei – wie auch in den vielen Projekten, in die sie involviert war – hat sie etwas getan, was in der heutigen Zeit der disziplinären Diversifizierung selten geworden ist: das Fach der Musikwissenschaft in seiner ganzen Breite vertreten. Das können nicht viele. Beeindruckend ist auch die nach wie vor ungebrochene Neugier an neuesten (inter)disziplinären Entwicklungen und am Austausch mit jungen Kolleginnen und Kollegen.

 

Gerda Lechleitners Aktivitäten an der ÖAW waren aber nicht auf das Phonogrammarchiv beschränkt. Begonnen hat sie ihre Karriere an der Kommission für Schallforschung, und ihr Einsatz ging weit über das Fachliche hinaus: Als langjährige Betriebsrätin hat sie die ÖAW als Arbeitgeberin in die Pflicht genommen.

 

Das ist ein äußerst umfassendes und vielfältiges Engagement. Unser Dank gilt Gerda Lechleitner dafür, dass sie nicht nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort war – um den Titel eines Aufsatzes von ihr aus dem Jahr 2015 zu paraphrasieren –, sondern ihn so entscheidend und nachhaltig mitgestaltet hat. Wir wünschen ihr alles Gute – möge sie auch in ihrer Pensionszeit die richtigen Orte, und die richtigen Zeiten für diese Orte, finden!

 

(Kerstin Klenke & Christian Liebl)