Forschen mit den historischen Beständen – die Phonogramm- und Grammophonaufnahmen aus den Jahren 1899–1950

Kontakt: Gerda Lechleitner, Christian Liebl

Die eingehende Beschäftigung mit den historischen Beständen begann 1996. Ziel ist die Publikation dieser Aufnahmen als kommentierte Quellenausgabe unter dem Titel Gesamtausgabe der Historischen Bestände 1899–1950, deren erste Serie 1999 erschien. Über die Jahre entwickelte sich ein immer differenzierterer Zugang und Umgang mit diesen Materialien. Einerseits geht es um die Standortbestimmung der Forschungsmethoden und -ziele damals, um Forscherpersönlichkeiten und deren Umfeld, um die akustischen Quellen als historische Dokumente eines bestimmten Augenblicks; andererseits um die Einordnung der damals entwickelten Ergebnisse, deren Bedeutung aus heutiger Sicht, sowie um eine reflektierte Beobachtung des Verhältnisses zwischen Akteuren, Forschern und Archivaren. Diese Forschung ist sowohl der Wissenschafts- und Technikgeschichte als auch der Beschreibung und diskursiven Auseinandersetzung mit den Inhalten zugeordnet.

Im Laufe der Jahre wurde die Re-Recording Technik und die klangliche Bearbeitung (wie Filtern, Entknacksen, Entrauschen) nach den strikten Kriterien einer Quellenedition immer weiter verbessert. Dies geschieht in engem Zusammenwirken mit der inhaltlichen Erschließung der Aufnahmen. Ausgehend von diesen archivtechnischen Vorgaben werden weiterführende Forschungen zu bestimmten Sammlungen (z. B. Stimmporträts) oder Themen (z.B. Biografisches, regionale Schwerpunkte, bestimmte Ethnien und Genres oder Archiv- und Wissenschaftsgeschichte sowie Feldforschungsmethoden und Technikgeschichte) betrieben. Bezüglich bestimmter Sprachen oder Musikstile werden auch Spezialistinnen und Spezialisten zugezogen, die sich mit dem jeweiligen Material profund auseinandersetzen können. Dies geschieht immer in Zusammenarbeit mit den Archivmitarbeiterinnen und ‑mitarbeitern, die ihrerseits ihre Expertise aus ihrem Umfeld und ihren Erfahrungen beisteuern.