KOOPERATIONSPROJEKT KORPUS ÖSTERREICHISCHE DIALEKTAUFNAHMEN IM 20. JAHRHUNDERT

Kontakt PhA: Christian Huber
Kontakt VaWaDiÖ und SFB DiÖ: Ludwig Maximilian Breuer

Lebendige Sprachen und ihre Varietäten sind hochdynamische Systeme, die einem ständigen Wandel unterliegen. Einen authentischen Zugang zur gesprochensprachlichen Wirklichkeit älterer Sprach- und Varietätenstufen liefern idealerweise Tonaufnahmen, die zumindest für die letzten 100 Jahre in eingeschränktem Maße vorhanden sind. Solche Aufnahmen gilt es zu erhalten und nutzbar zu machen.

Das Projekt zur Aufbereitung und Erschließung des Korpus Österreichische Dialektaufnahmen im 20. Jahrhundert wird in enger Zusammenarbeit zwischen der Forschungsabteilung Variation und Wandel des Deutschen in Österreich (VaWaDiÖ) des ACDH, dem Phonogrammarchiv (PhA) und dem SFB Deutsch in Österreich. Variation – Kontakt – Perzeption (DiÖ) durchgeführt. Im Fokus steht zunächst die Digitalisierung, Metadaten-Anreicherung und Metadaten-Systematisierung einer Sammlung von Dialektaufnahmen aus den Jahren 1951–1983, die im Herbst 2018 in das Memory of Austria-Verzeichnis der UNESCO aufgenommen wurde, um diese nachhaltig zu speichern und sie der Wissenschaft wie auch einem breiteren Publikum zur Verfügung stellen zu können.

Projektbeginn: Januar 2019

Das Korpus

In den 1950er bis 1980er Jahren haben verschiedene Sprachwissenschaftler/innen, vor allem unter Leitung von Maria Hornung und Eberhard Kranzmayer, in ganz Österreich Dialektaufnahmen auf Tonband festgehalten. Diese für die österreichische Dialektlandschaft einmaligen Aufnahmen wurden in Kooperation mit dem Phonogrammarchiv der ÖAW durchgeführt, wo die Bänder mit den Aufnahmen archiviert sind. Für den deutschsprachigen Raum stellen sie ein einmaliges historisches Dialektkorpus dar.

Insgesamt handelt es sich um etwa 2450 Aufnahmen bzw. rund 520 Stunden Audiomaterial, von dem rund zwei Drittel noch nicht digitalisiert sind. Traditionelle Tonträger wie Wachswalzen oder Tonbänder unterliegen einem natürlichen Verfall: Ist ein Tonträger nicht mehr abspielbar, sind die Aufnahmen für immer verloren. Außerdem sind für diese Tonbänder spezielle Abspielgeräte nötig, die nur mehr in speziellen Einrichtungen funktionsfähig zur Verfügung stehen. Es ist daher unabdingbar, diese vergänglichen Tondokumente zu digitalisieren, um die Sprachdaten und ihre Inhalte langfristig zu erhalten und verfügbar machen zu können. Insbesondere durch eine informationstechnologisch wohlüberlegte Metadaten-Beschreibung der Daten wird auch die Durchsuchbarkeit des Korpus – nicht nur für linguistische Fragestellungen – erleichtert.

Durch die Digitalisierung der Aufahmen sowie die Anreicherung, Systematisierung und Durchsuchbarkeit der Metadaten in der elektronischen Dokumentation wird es möglich, die Aufnahmen in einem umfangreichen wissenschaftlichen Kontext zu nutzen.

 

Das Subkorpus Tonaufnahmen österreichischer Dialekte 1951–1983

Zu Beginn steht die Aufarbeitung des Subkorpus Tonaufnahmen österreichischer Dialekte 1951–1983, das im Herbst 2018 auch in das Memory of Austria-Verzeichnis der UNESCO aufgenommen wurde. Die Sammlung von ca. 1750 Tonaufnahmen auf Magnetband (etwa 250 Std.) entstand im Rahmen einer Kooperation des Phonogrammarchivs der ÖAW und der sog. „Wörterbuchkanzlei“ der ÖAW (i.e. „Kommission zur Schaffung des Österreichisch-Bayerischen Wörterbuches“, ab 1969 „Kommission für Mundartkunde und Namenforschung“).

 

Ziel

Durch das Kooperationsprojekt wird ein digitales, durchsuchbares Korpus geschaffen, das später auch zu einer Online-Plattform weiterentwickelt werden soll. Dies hat weit über die Grenzen der Archivierung und der germanistischen Sprachwissenschaft hinaus höchste Relevanz und soll eine optimale Zugänglichkeit dieses linguistisch wie soziokulturell einmaligen Schatzes für verschiedene Forschungszwecke gewährleisten. Durch die Digitalisierung der Aufnahmen sowie die Anreicherung, Systematisierung und Durchsuchbarmachung der Metadaten in der elektronischen Dokumentation wird es möglich, die Aufnahmen in einem umfangreichen wissenschaftlichen Kontext zu nutzen sowie sie für die interessierte Öffentlichkeit verfügbar zu machen.

 

Kernteam 2019

 

Links:

„Tonaufnahmen österreichischer Dialekte 1951–1983“ in das nationale „Memory Of The World“-Register der UNESCO aufgenommen

Memory of Austria-Verzeichnis, Tonaufnahmen österreichischer Dialekte 1951-1983

ORF Science: Geistberger / Wieselberg: Dialektarchiv ist UNESCO-Welterbe

ÖAW: Dialektaufnahmen der ÖAW im „Gedächtnis der Menschheit“

Hörbeispiele