16.11.2017

Unendliche Weiten erkunden

Seit 50 Jahren widmet sich die Kommission für Astronomie der Erforschung des Weltraums. Zum Jubiläum erzählt ÖAW-Mitglied Helmut O. Rucker im Interview, was wir inzwischen über ferne Planeten wissen und ob es dort Leben geben könnte.

Die unendlichen Weiten des Weltraums feierten kürzlich ihren Fünfziger. Denn seit fünfzig Jahren besteht die Kommission für Astronomie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Das runde Jubiläum wurde am 14. November 2017 mit einem Symposium begangen. Wissenschaftler/innen aus der Astrophysik und Weltraumforschung kamen daher aus ganz Österreich in Wien zusammen, um die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung zu Planeten, Exoplaneten und der Sonne zu diskutieren. Zugleich wurde ein Ausblick gegeben wohin die Reise zukünftig gehen könnte, etwa mit Missionen, die nach Leben im All suchen.

Helmut O. Rucker, Obmann der Kommission für Astronomie, erzählt im Interview von fernen Welten, unwirtlichen Planeten und warum er den Weltraum lieber von der Erde aus erforscht.

Wie ist die Kommission für Astronomie entstanden? Und welche Aufgaben hat sie?

Helmut O. Rucker: 1955 wurde ein Brief von der Internationalen Astronomischen Union an die mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse der ÖAW geschrieben, um nachzufragen, ob Österreich Interesse daran hätte, ein Mitglied der Union zu werden. Das war ausschlaggebend für die Gründung der Kommission für Astronomie, die dann 1967 eingerichtet wurde. Die Kommission hat zwei Hauptaufgaben: Einerseits soll der wissenschaftliche Austausch koordiniert werden und andererseits soll die Wissenschaft im Bereich der Astronomie an die Öffentlichkeit vermittelt werden.

Was Menschen bei der Weltraumforschung immer interessiert ist, ob es Leben auf anderen Planeten gibt. Wird dazu in Österreich geforscht?

Rucker: Die Exoplaneten-Forschung und die Bewohnbarkeit von Planeten ist ein sehr spannender Forschungszweig. Auch in Österreich forschen wir dazu. Mittlerweile wurden mehrere tausend Exoplaneten gefunden, aber nur bei einem Bruchteil davon können wir sichergehen, dass sie eine feste Oberfläche haben. Derzeit ist es natürlich unmöglich Einzelheiten auf diesen Planeten auszumachen, da sie zu weit weg sind. Wir können jedoch mögliche Atmosphären und deren Zusammensetzung erkennen.

Mittlerweile wurden mehrere tausend Exoplaneten gefunden, aber nur bei einem Bruchteil davon können wir sichergehen, dass sie eine feste Oberfläche haben.

Aber auch in unserem Sonnensystem wurden, beispielsweise beim Saturnmond Titan, Spekulationen über Lebensformen angestellt. Und auch beim Jupitermond Europa könnte es lebensähnliche Strukturen in einem unter einer Eisschicht liegenden Ozean, geben.

Wovon hängt es ab, ob Leben auf einem Planeten entstehen kann?

Rucker: Das hängt nicht nur von der Existenz von Wasser ab, sondern auch von der Atmosphäre, vom Magnetfeld und der Abschirmung der kosmischen Strahlung. Eine Vielzahl von Bedingungen ist notwendig, aber natürlich kann das Leben auf diesen fernen Planeten ganz anders aussehen als bei uns. Man geht von sehr primitiven, sehr anpassungsfähigen Lebensformen aus, die unter den widrigsten Umständen überleben – wie etwa bei extremen Temperaturen.

Ob es Leben auf anderen Planeten gibt, hängt nicht nur von der Existenz von Wasser ab, sondern auch von der Atmosphäre, vom Magnetfeld und der Abschirmung der kosmischen Strahlung. Eine Vielzahl von Bedingungen ist notwendig.

Welche Fragen stehen im Zentrum ihrer Forschung?

Rucker: Mein Fachgebiet ist die Radioastronomie und ich habe sehr viel über die Planeten Jupiter und Saturn gearbeitet. Einzigartig und das Highlight meines Forscherlebens war für mich die Cassini-Mission, als diese Raumsonde den Saturn und dessen Monde erforscht hat. Bei dieser Mission war ich Co-Investigator am Radio-Experiment. Als dann vor wenigen Monaten die Mission beendet wurde und die Sonde in der Atmosphäre des Saturns verglühte, war ich natürlich schon ein bisschen wehmütig. Ich habe auch eine Zeitlang an der NASA gearbeitet. Das war sehr interessant. Ich war gerade zu jener Zeit dort als die 1977 gestarteten Voyager-Raumsonden an Jupiter und Saturn vorbeigeflogen sind.

Haben Sie als Astronom den Wunsch auch selbst ins Weltall zu fliegen?

Rucker: Es wäre für mich natürlich interessant, aber es ist mit so vielen Selektionen verbunden, wie etwa der Beschaffenheit der physischen Konstitution. Auch steht dabei die Wissenschaft – zumindest derzeit – nur an zweiter Stelle. So forsche ich lieber vom Erdboden aus.

Was erhoffen Sie sich zukünftig für die Astronomie in Österreich?

Rucker: Mein großer Wunsch ist es, dass jene Objekte im All erforscht werden, auf denen wir sehr stark Leben vermuten. Das wäre etwa eine Mission zum Jupitermond Europa oder zu den Saturnmonden Enceladus und Titan.