04.01.2019

Trauer um Mäzen Alfred Bader

Der in Wien geborene Chemiker und Philanthrop verstarb im Alter von 94 Jahren in den USA. Der ÖAW war Bader als Förderer von drei Wissenschaftspreisen eng verbunden.

"Wir können nichts mitnehmen, also unterstützen wir die Ärmsten und die Allertüchtigsten", sagte der Chemiker und Philanthrop Alfred Bader vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung in Wien. Seinen Worten ließ er Taten folgen. Dank seiner großzügigen Unterstützung konnte die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) drei Preise für herausragende wissenschaftliche Leistungen vergeben. Nun ist der Freund und Förderer der Akademie am 23. Dezember 2018 in den USA verstorben.

Flucht aus Wien, Promotion in Harvard

Baders großes Engagement in der Förderung der Wissenschaften in Österreich war nicht selbstverständlich. 1924 in Wien geboren, musste er 1938 vor den Nationalsozialisten fliehen: Als Juden vom Besuch der Schule ausgeschlossen wurden, schickte ihn seine Familie mit einem Kindertransport nach England. Das rettete ihm das Leben, denn große Teile seiner Familie überlebten die Naziherrschaft nicht. Bader führte die Flucht schließlich nach Kanada, wo er Chemie studierte und im Anschluss an seine Promotion an der Harvard University im Jahre 1950 ein großes Chemieunternehmen aufbaute.

"Als ich 1949 das erste Mal wieder nach Wien zurückgekommen bin, hätte ich nie daran gedacht, hier etwas zu stiften. Ich war froh, Wien wieder verlassen zu können", erinnerte sich Bader später an seine ersten Besuche nach dem Zweiten Weltkrieg. Geschäftsreisen führten ihn dennoch immer wieder nach Österreich, wo er auch Freundschaften aufbaute, „und während dieser vielen Jahre hat sich meine Meinung über Österreich geändert.“

Förderer von drei Preisen der ÖAW

So kam es schließlich auch, dass Bader und seine Frau Isabel es der Akademie ermöglichten, ihre älteste Auszeichnung, den Ignaz L. Lieben-Preis, nach einer fast 70-jährigen Pause wieder zu reaktivieren. Die 1862 gestiftete Auszeichnung galt als wichtigster Wissenschaftspreis der Donaumonarchie und musste 1937 wegen der Verfolgung der Stifterfamilie eingestellt werden.

Dank der finanziellen Unterstützung des Ehepaars Bader kann die ÖAW seit 2004 diese traditionsreiche Auszeichnung wieder an junge Wissenschaftler/innen aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn und Österreich für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Molekularbiologie, Chemie und Physik vergeben. Darüber hinaus stifteten Alfred und Isabel Bader an der ÖAW den Bader-Preis für Kunstgeschichte (2007) und den Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften (2009).

Alfred Bader hatte sich seit seiner Pensionierung 1991 – gemeinsam mit Isabel Bader – als Kunst- und Wissenschaftsmäzen engagiert. Neben den Preisen der ÖAW förderte er weitere Auszeichnungen und Stipendien in Europa und Nordamerika. Zudem stiftete er Lehrstühle und unterstützte insbesondere seine Alma Mater – die kanadische Queen’s University in Kingston – finanziell. Sie hatte ihn nach seiner Emigration als einzige Universität zum Studium zugelassen.

Ehrungen international und in Österreich

Bader erhielt für seine Leistungen als Chemiker und sein herausragendes Engagement als Förderer der Wissenschaften auch selbst zahlreiche Auszeichnungen. Neun Ehrendoktorate internationaler Universitäten wurden ihm verliehen, die Royal Society of Arts ernannte ihn zum Fellow und Queen Elizabeth II. zum Commander of the British Empire. Auch in Österreich wurde Bader geehrt. Die Universität Wien ernannte ihn 1995 zum Ehrenbürger und verlieh ihm 2012 das Ehrendoktorat. Er wurde Ehrenmitglied der Gesellschaft Österreichischer Chemiker und die ÖAW zeichnete ihn 2004 mit ihrer Medaille Bene Merito und 2009 mit ihrem Ehrenring aus.

Die Akademie nimmt Abschied von ihrem engen Freund und großzügigen Mäzen. Sie wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.