05.12.2017

Trauer um Gerold Stoll

Der Doyen des Steuerrechts verstarb im Alter von 92 Jahren. Die Akademie betrauert den Verlust eines hoch geschätzten Mitglieds.

Der angesehene österreichische Rechtswissenschaftler Gerold Stoll ist am 30. November 2017 im Alter von 92 Jahren verstorben. Mit seinem Tod verliert die Akademie nicht nur einen der herausragenden Experten in Fragen des Steuerrechts, sondern auch ein überaus engagiertes und erfahrenes wirkliches Mitglied.

Der 1925 in Wien geborene Stoll nahm gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien auf, um in diesem Fach im Jahr 1948 zu promovieren. Es folgte der Eintritt in den Verwaltungsdienst des Bundes, wo er unter anderem als Rechtsexperte und Abteilungsleiter im Finanzministerium tätig war und an der österreichischen Bundesabgabenordnung 1962 maßgeblich mitwirkte. Parallel dazu übte Stoll an verschiedenen Ausbildungsstätten Lehrtätigkeiten aus. 1967 habilitierte er sich im Fach Finanzrecht an der Universität Graz, um nur ein Jahr später eine ordentliche Professur an der Universität Wien anzutreten. Hier fungierte er bereits wenig später als Vorstand des Instituts für Staats- und Verwaltungsrecht – ein Amt, das er bis zu seiner Emeritierung 1995 bekleidete.

Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten lag vor allem im Bereich des Finanz- und Steuerrechts, die er als akademische Fächer in Forschung und Lehre neu begründete. Zugleich stellte er seine wissenschaftlichen und in der Bundesverwaltung gewonnenen Erfahrungen Politik und Öffentlichkeit zur Verfügung, etwa als Vorsitzender der 1979 eingerichteten Steuerreformkommission beim Finanzministerium.

Mitglied und Kommissionsobmann

An der Akademie, wo er seit 1973 korrespondierendes Mitglied war und ein Jahr später wirkliches Mitglied wurde, engagierte sich Stoll in verschiedenen Rollen. Unter anderem wirkte er von 1993 bis 1995 als Obmann  der Verlags- und Druckschriftenkommission und brachte sein Fachwissen und seinen Erfahrungsschatz von Anfang an auch in anderen Angelegenheiten und Belangen der ÖAW ein. Bereits 1981 erhielt er daher die Medaille bene merito für besondere Verdienste um die Akademie, für die sein Tod einen ebenso fachlich wie menschlich höchst schmerzlichen Verlust darstellt.