13.11.2017

Schreiben und Sprechen über Flucht im Exil

Die internationale Konferenz „Autobiographik von Exil, Widerstand, Verfolgung und Lagererfahrung“ beleuchtet mit Nachfahren von Zeitzeug/innen und Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Disziplinen vom 23. bis 25. November 2017 in Wien österreichische Exil‐ und Fluchterfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Konferenz wird von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Theodor Kramer Gesellschaft sowie dem Haus der Geschichte Österreich gemeinsam veranstaltet und steht unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Über 130.000 Menschen flüchteten während der Zeit des Nationalsozialismus aus Österreich, um Gestapo, Konzentrationslager und Ermordung zu entgehen. Ihre Lebenserinnerungen haben sie in Tagebüchern, Briefen und literarischen Texten niedergeschrieben und bearbeitet. Durch diese Geschichten, die vom Leben in einer fremden Umgebung, von Isolation und Überlebensstrategien handeln, werden die Menschen hinter dem Wort „Vertreibung“ sichtbar. Bis heute wirken die lebensgeschichtlichen Brüche dieser Menschen, die die Flucht mit sich brachte, im kollektiven Gedächtnis Österreichs nach.

Bei der Konferenz „Autobiographik von Exil, Widerstand, Verfolgung und Lagererfahrung“, die vom 23. bis 25. November am Institut für Neuzeit- und  Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien stattfindet, diskutieren führende Expert/innen aus Europa, Israel und den USA über innovative Ansätze in der Exil- und Autobiographieforschung. Hinterfragt werden soll dabei insbesondere, inwiefern traumatische Erfahrungen noch die nachkommenden Generationen prägen.

Nachfahren Vertriebener erzählen

Unter den Gästen sind neben Wissenschaftler/innen daher auch Nachfahren von Zeitzeug/innen, die als Generation der Töchter, Söhne und Enkel/innen darüber sprechen, wie die tragische Erinnerung an Verfolgung und Exil in ihren Familien über Generationen fortwirkte.

Den individuellen und den Lebensweg ihrer Familien gehen die Nachfahren von Zeitzeug/innen etwa bei einem Roundtable-Gespräch im Rahmen der Konferenz nach. Die Künstlerin Dvori Barzilai (Wien/Tel Aviv), die Romanistin Maria Elena Galidescu (Wien) und die Linguistin Sonja Alfons Moseley (Oregon) beschreiben dabei, wie ihr verpflichtendes Erbe zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen und dokumentarischen Arbeiten wurde.

Multimediakünstlerin Melissa Hacker dokumentiert Fluchtgeschichte

Die amerikanische Regisseurin und Multimediakünstlerin Melissa Hacker präsentiert zudem in ihrem Filmvortrag „From Novosielitza to New York City. Creating Films with Survivor Diaries, Letters, Interviews“ Ausschnitte aus ihren Dokumentationen, in denen sie die Geschichte ihrer eigenen Familie, die aus der Bukowina über Wien nach New York fliehen musste, nacherzählt.