08.09.2017

NEUE WEGE ZUR SCHMERZPRÄVENTION BEI NEUGEBORENEN

Sommerserie Young Academics: Jasmin Stadler erforscht mit einem DOCmed-Stipendium der ÖAW auf der Neugeborenen-Intensivstation die schmerzlindernde Wirkung von Laserakupunktur.

Einige Tage nach der Geburt wird bei Babys das sogenannte Neugeborenenscreening durchgeführt. Mit Hilfe dieser Untersuchung können heutzutage mehr als 30 verschiedene Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen diagnostiziert und dadurch früh behandelt werden. Glücklicherweise ist in der Mehrheit der Fälle das Testergebnis – etwa für Schilddrüsenunterfunktion oder die Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose – negativ.

Bei jenen Neugeborenen, die weniger Glück haben und erkrankt sind, werden oft täglich mehrere Blutabnahmen mittels Fersenstich für Laboruntersuchungen durchgeführt. Nicht zu unterschätzen ist dabei der Schmerz und der daraus resultierende Stress, den die kleinen Patienten durch das ständige Stechen ertragen müssen. Akute Schmerzen können kurzfristig zu einer physiologischen Beeinträchtigung des Kindes führen, aber auch langfristig mit nachhaltigen Veränderungen der Gehirnentwicklung einhergehen, die das Schmerzempfinden betreffen. Aus diesem Grund wurden verschiedene Strategien zur Schmerzprävention bei der Blutabnahme von Neugeborenen entwickelt.

Mit Zucker vom Schmerz ablenken

„Hier an der Neugeborenenintensivstation liegt unser Fokus hinsichtlich der Schmerzprävention vor allem bei jenen, die mehrere Tage bis Monate bei uns sind und fast täglich – oft auch mehrmals – eine Blutabnahme mittels Fersenstich bekommen“, sagt Jasmin Stadler von der Klinischen Abteilung für Neonatologie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz. Sie arbeitet derzeit als Turnusärztin in Basisausbildung und macht nebenbei ihr Doktoratsstudium. Für dieses wurde ihr kürzlich eines der neuen DOCmed-Stipendien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verliehen. Dank dieser Förderung kann Jasmin Stadler ab Herbst auch mit der Facharztausbildung für Kinder- und Jugendheilkunde an der Grazer Universitätsklinik beginnen.

Wir möchten in unserer Studie eine neue Art der Schmerzprävention bei Neugeborenen untersuchen.


„Um den Stress der Blutabnahme zu reduzieren ist derzeit der goldene Standard an unserer Abteilung, dem Neugeborenen vor dem Fersenstich eine Glukoselösung in den Mund zu tropfen“, so Stadler. Bei mehrmaliger, täglicher Anwendung dieser pharmakologischen Methode lässt die Wirkung jedoch nach und ist somit weniger effektiv. Außerdem sind Langzeitfolgen der Glukoseapplikation noch nicht bekannt. Alternative Strategien zur Schmerzprävention, wie etwa die „Känguru-Pflege“, also das Auslösen saugender Mundbewegungen, beispielsweise durch den Schnuller, sowie das sogenannte „Pucken“ – eine spezielle Einwickeltechnik – sind der Glukoselösung aber unterlegen.

Alternativen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin

Jasmin Stadler möchte in ihrer Dissertation daher untersuchen, ob eine weitere Methode, die auf der Laserakupunktur beruht, genauso effektiv ist wie die Gabe der Glukoselösung. „Wir möchten in unserer Studie, die ich gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Raith durchführen werde, bei gesunden, nach der 37. Schwangerschaftswoche geborenen Neugeborenen, eine neue Art der Schmerzprävention untersuchen“, erklärt Stadler.

Derzeit gibt es noch sehr wenige Studien, die sich mit Akupunktur bei Neugeborenen beschäftigen.

 

Derzeit gibt es noch sehr wenige Studien, die sich mit Akupunktur bei Neugeborenen beschäftigen. Wolfgang Raith konnte allerdings bereits die Sicherheit der Laserakupunktur und ihrer positiven Wirkung beim neonatalen Abstinenzsyndrom – einer Entzugssymptomatik bei Neugeborenen drogenabhängiger Mütter – demonstrieren. „Die Laserakupunktur wird mit einem 10 Milliwatt-Laser am Akupunkturpunkt „Dickdarm 4“ am Handrücken zwischen Daumen und Zeigefinger durchgeführt. In unserer Untersuchung erhalten insgesamt 95 Neugeborene entweder die schmerzfreie Laserakupunktur oder die Glukoselösung“, fasst Stadler zusammen.

Die Reaktionen der Babys werden mit Hilfe eines Schmerz-Scores ermittelt. „Hierzu werden die Veränderungen der Vitalparameter, wie Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung, sowie die Gesichtszüge evaluiert“, so Stadler. Mit dem Ziel etwas Neues über die Schmerzprävention herauszufinden, hoffen die Wissenschaftler/innen zukünftig die Untersuchungen für die Neugeborenen so stressfrei wie möglich gestalten zu können.