26.01.2018

Neue Dokumentation über „Einsteins Wien“ an ÖAW gezeigt

Am 25. Jänner fand an der ÖAW die exklusive Voraufführung der Dokumentation „Einsteins Wien“ statt. Der Mathematiker Karl Sigmund von der Universität Wien widmet sich darin den Wiener Weggefährten von Albert Einstein. Ausgestrahlt wurde der Film am 30. Jänner um 21.05 Uhr auf ORF III.

Der Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) war bis auf den letzten Platz besetzt als der filmische Einblick in „Einsteins Wien“ erstmals über die Leinwand flimmerte. Die ÖAW und die Universität Wien hatten gemeinsam zu einer exklusiven Preview der neuen Dokumentation von Mathematiker und ÖAW-Mitglied Karl Sigmund eingeladen – und knapp 400 Filmenthusiasten waren gekommen, um zu erfahren, was es mit Einstein und der Donaumetropole auf sich hatte. Nach einer Einführung in die Physik Einsteins und ihre Bedeutung für unser heutiges Wissen vom Universum durch ÖAW-Hochenergiephysiker Jochen Schieck, hieß es: Film ab!

Einstein besuchte Wien zwar nur selten, aber seine Verbindungen zu Wienerinnen und Wienern waren dennoch eng, wie der Film deutlich machte. Das beginnt bereits mit Einsteins geistigem Ziehvater, dem Physiker und Philosophen Ernst Mach, der Newtons Begriff des absoluten Raumes in Frage stellte. Ein weiterer Protagonist in der Dokumentation ist der Sozialdemokrat Friedrich Adler, der anfangs so etwas wie Einsteins Doppelgänger war, dann aber zugunsten Einsteins auf eine Züricher Professur verzichtete, nach Wien zurückkehrte und 1916 den österreichischen Ministerpräsidenten Graf Stürgkh erschoss. Einstein, inzwischen weltbekannt, setzte sich sofort für seinen Freund ein und verfasste ein Gnadengesuch an den Kaiser. Zwanzig Jahre später, also 1936, wurde Einsteins "Evangelist", der Philosoph Moritz Schlick (und Gründer des so genannten "Wiener Kreises"), auf der Stiege der Universität Wien von einem ehemaligen Studenten (und Einstein-Gegner) erschossen.

Von Gödel über Meitner bis Schrödinger

Darüber hinaus hatte Einstein natürlich auch mit Physikerinnen und Physikern wie Erwin Schrödinger, Wolfgang Pauli, Lise Meitner und Hans Thirring enge Verbindungen. Im letzten Jahrzehnt von Einsteins Leben war es Kurt Gödel, einst das jüngste und stillste Mitglied des Wiener Kreises, der für Einstein in Princeton zum engsten Freund und geistigem Ziehsohn wurde. Gödel, von Einstein als "größter Logiker seit Aristoteles" bezeichnet, entdeckte Lösungen der Relativitätstheorie, die im Prinzip eine Zeitreise in die Vergangenheit erlauben: So ein Zeitreisender, schreibt Gödel, kann auf sein jüngeres Selbst treffen "und diesem etwas antun". 

Filmische Einstein-Tour durch das nächtliche Wien

Durch die Handlung der Dokumentation führt der Astronom Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien, der auch unter den Gästen der Preview war. Seine Einstein-Tour durch das nächtliche Wien beginnt im Film beim Ringelspiel im Prater, wo sie auch wieder endet. Dazwischen sind an diversen Schauplätzen in Wien – wie etwa der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem Vorwärts-Haus oder der Universität Wien – Wissenschaftler/innen wie der Physiker Peter Aichelburg, die Kulturwissenschafterin Michaela Maier, der Mathematiker Karl Sigmund oder Pulitzer-Preisträger Douglas R. Hofstadter in Interviews zu sehen.

Wissenschaftliche Triumphe, Wahnsinn und Fanatismus, eine Flucht um die Erde und zwei Mordfälle – davon erzählte „Einsteins Wien“ am Abend im Festsaal den zahlreichen Zuseher/innen. Neben diesen Geschichten zieht sich aber natürlich auch ein physikalisches Thema als roter Faden durch den Film: das Wechselspiel von Trägheits- und Fliehkräften einerseits und von rotierenden Massen andererseits – ein zentrales Motiv von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie, ausgehend von Machs Analyse des Newtonschen Eimerversuchs (der Einstein zum "Machschen Prinzip" führte), bis hin zu Gödels "rotierenden Universen" (die das "Machsche Prinzip" wieder in Frage stellen). Physik, Geschichte und Abenteuer also, die das Publikum begeisterten. Der Applaus am Ende des Films war mindestens so lang wie der Abspann.