16.01.2018

NEUE DOKUMENTATION ÜBER "EINSTEINS WIEN"

Am Donnerstag, 25. Jänner, findet an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die exklusive Voraufführung der Dokumentation "Einsteins Wien" statt. Der Mathematiker Karl Sigmund von der Universität Wien widmet sich darin den Wiener Weggefährten von Albert Einstein. Ausgestrahlt wird der Film am 30. Jänner um 21.05 Uhr auf ORF III.

Einstein besuchte Wien zwar nur selten, aber seine Verbindungen zu Wienerinnen und Wienern waren dennoch eng. Das beginnt mit Einsteins geistigem Ziehvater, dem Physiker und Philosophen Ernst Mach, der Newtons Begriff des absoluten Raumes in Frage stellte. Ein weiterer Protagonist in der Dokumentation ist der Sozialdemokrat Friedrich Adler, der anfangs so etwas wie Einsteins Doppelgänger war, dann aber zugunsten Einsteins auf eine Züricher Professur verzichtete, nach Wien zurückkehrte und 1916 den österreichischen Ministerpräsidenten Graf Stürgkh erschoss. Einstein, inzwischen weltbekannt, setzte sich sofort für seinen Freund ein und verfasste ein Gnadengesuch an den Kaiser. Zwanzig Jahre später, also 1936, wurde Einsteins "Evangelist", der Philosoph Moritz Schlick (und Gründer des so genannten "Wiener Kreises"), auf der Stiege der Universität Wien von einem ehemaligen Studenten (und Einstein-Gegner) erschossen.

Von Gödel über Meitner bis Schrödinger
Darüber hinaus hatte Einstein natürlich auch mit Physikerinnen und Physikern wie Erwin Schrödinger, Wolfgang Pauli, Lise Meitner und Hans Thirring enge Verbindungen. Im letzten Jahrzehnt von Einsteins Leben war es Kurt Gödel, einst das jüngste und stillste Mitglied des Wiener Kreises, der für Einstein in Princeton zum engsten Freund und geistigem Ziehsohn wurde. Gödel, von Einstein als "größter Logiker seit Aristoteles" bezeichnet, entdeckte Lösungen der Relativitätstheorie, die im Prinzip eine Zeitreise in die Vergangenheit erlauben: So ein Zeitreisender, schreibt Gödel, kann auf sein jüngeres Selbst treffen "und diesem etwas antun". 

Filmische Einstein-Tour durch das nächtliche Wien
Durch die Handlung der Dokumentation führt der Astronom Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien. Seine Einstein-Tour durch das nächtliche Wien beginnt beim Ringelspiel im Prater, wo sie auch wieder endet. Dazwischen werden an diversen Schauplätzen in Wien – wie etwa der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem Vorwärts-Haus oder der Universität Wien – Wissenschaftler/innen wie der Physiker Peter Aichelburg, die Kulturwissenschafterin Michaela Maier, der Mathematiker Karl Sigmund oder Pulitzer-Preisträger Douglas R. Hofstadter interviewt.

Der Film erzählt von wissenschaftlichen Triumphen, von Wahnsinn und Fanatismus, von einer Flucht um die Erde und von zwei Mordfällen. Neben diesen Geschichten zieht sich aber auch ein physikalisches Thema als roter Faden durch den Film: das Wechselspiel von Trägheits- und Fliehkräften einerseits und von rotierenden Massen andererseits – ein zentrales Motiv von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie, ausgehend von Machs Analyse des Newtonschen Eimerversuchs (der Einstein zum "Machschen Prinzip" führte), bis hin zu Gödels "rotierenden Universen" (die das "Machsche Prinzip" wieder in Frage stellen).