22.08.2017

Nähe macht aufmerksam

ÖAW-Schallforscher/innen zeigen in einer neuen Studie, dass die sich verringernde Distanz zu herannahenden Geräuschquellen für eine erhöhte akustische Wahrnehmung sorgt.

Allein in der Wildnis. Plötzlich durchschneidet ein unheilvolles Geräusch die Dunkelheit – kommt es etwa näher? Diese für unsere Urahnen durchaus existenzielle Frage prägt die menschliche Wahrnehmung von Geräuschen bis heute, sind Forscher/innen des Instituts für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) überzeugt.

In einer im Fachmagazin „PNAS“ publizierten Studie befassten sie sich mit dem Phänomen, dass der Mensch sich nähernde Geräusche mit einer gesteigerten Aufmerksamkeit wahrnimmt. Sie stellten dabei fest, dass dies nicht etwa mit der Lautstärke von Geräuschen zu tun hat, sondern tatsächlich mit der räumlichen Annäherung einer Geräuschquelle.

Zu diesem Schluss kamen die Wissenschaftler/innen um Robert Baumgartner nach umfassenden psychoakustischen Versuchsreihen. Dabei setzten sie Testpersonen Geräuschen aus, deren Distanz sich zu verringern schien, während die Lautstärke unverändert blieb. Wie die gemessenen Gehirnaktivitäten zeigten, nahmen die Testpersonen unter diesen Versuchsbedingungen sich vermeintlich annähernde Geräusche mit einer erhöhten Aufmerksamkeit wahr, als Geräusche, deren Distanz sich – bei gleichbleibender Lautstärke – zu vergrößern schien.

Die Erkenntnis über das in der Schallforschung als "Auditory Looming Bias" bekannte Phänomen kommt zwar für den Steinzeitmenschen zu spät, ist für den modernen Menschen aber von einiger Relevanz. Schließlich sorgt es auch dafür, dass man ein sich näherndes Auto aufmerksamer wahrnimmt, um damit im Bedarfsfall rascher geeignete Reaktionen setzen zu können. Einblicke in die psychoakustischen Abläufe hinter diesem Phänomen sind somit, nicht zuletzt in Hinblick auf die Entwicklung elektronischer Hilfsmittel zur Distanzwahrnehmung von Geräuschen, überaus wertvoll.