30.05.2017

MÖNCHE BRACHTEN DIE TEEKULTUR

Im Alten China wurde Teetrinken von buddhistischen Klöstern ausgehend allmählich auch im Volk populär. Einen großen Einfluss dabei hatte der Buddhismus, der sich während der Tang-Dynastie im 8. Jahrhundert in China ausgebreitet hat, erzählte der kanadische Buddhismus-Forscher James A. Benn an der ÖAW.

Denkt man an die buddhistischen Einflüsse in der chinesischen Kultur, steht Tee nur selten an erster Stelle, sagt James A. Benn von der kanadischen McMaster Universität bei einem Vortrag am Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Vielmehr denken viele an die Gedichtkunst, Malerei oder bestimmte Philosophien und ästhetische Einwirkungen. Es gäbe jedoch einige unbekannte, soziale und ökonomische Einflüsse: „Tee ist einer davon", meint Benn. Im Interview erzählt der Professor für Buddhismus und Ostasiatische Religionen, dass der buddhistische Tee ursprünglich mit Salz, Nüssen und Früchten gekocht wurde und den Alkohol als beliebtes Getränk verdrängte.   

Wie kann man sich die chinesische Kultur zu Zeiten der Tang-Dynastie vorstellen?

James A. Benn: Es war ein sehr kosmopolitisches Imperium, wo unterschiedliche Menschengruppen zusammenlebten. Es gab auch keine dominierende Religion, sondern es  existierten Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus nebeneinander. Darüber hinaus war es eine sehr innovative Zeit, in der beispielsweise Kanonenpulver erfunden wurde oder in der neue, kulturelle Ausdrucksformen wie die Tang-Gedichte entstanden.

Welche Rolle nahmen Buddhisten in der Gesellschaft ein?

Benn: Buddhisten lebten über das gesamte Imperium verteilt  und waren in der Tang-Gesellschaft gut integriert. Klöster waren zudem der Lehre gewidmet und öffentlich zugänglich. Es gab dort viele Bücher und die Menschen gingen dorthin, um sich beispielsweise für Dienstprüfungen vorzubereiten. Einige bauten vor den Klöstern ihre Verkaufsstände auf und betrieben Handel, andere wiederum machten einfach einen Ausflug oder Picknicks und das obwohl sich Klöster teilweise auch am Gipfel eines Berges befanden.

Die Lage auf Berggipfeln vieler Klöster war für den Teeanbau sehr gut geeignet.

Diese Lage war aber vor allem für den Teeanbau sehr gut geeignet. Reis und Gemüse hingegen wuchsen hier nicht. Zudem hatten Klöster oftmals die Kontrolle über die Wasserressourcen, was sowohl für den Anbau als auch für das Zubereiten von Tee wichtig war.

Wann kam es dazu, dass Tee nicht mehr nur von Buddhisten sondern auch von der restlichen Gesellschaft getrunken wurde?

Benn: Die größte Veränderung fand in den 750er und 760er Jahren statt. Hier berichten die Quellen immer öfter von nicht-buddhistischen Menschen, die Tee auch außerhalb der Klöster tranken. Ein weiteres Indiz ist die Teesteuer, die etwa um das Jahr 780 eingeführt wurde. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass Tee zur bedeutenden Handelsware wurde.

Was tranken die Menschen davor?

Benn: Alkohol wurde in allen Gesellschaftsschichten regelmäßig konsumiert. Das geht aus vielen Tang-Gedichten hervor, die vom Betrunkensein handeln. Zudem wurde er Gottheiten und Ahnen geopfert. Auf diese Weise wollte man sie berauschen und somit freundlich und gewogen stimmen. Es war allerdings nicht starker Alkohol, sondern eher wie ein schwaches Bier.

Über andere Getränke wissen wir nicht sehr viel. Nomadenvölker tranken Milch von Ziegen oder Pferden. Für die Mehrheit war das aber eher ungewöhnlich. Wir vermuten, dass die meisten Flüssigkeit über Suppen zu sich nahmen. Die Einführung von Tee bedeutete also eine grundlegende Veränderung.

Das Koffein im Tee hielt wach, wodurch man sich langen Meditationen widmen konnte.

 Warum tranken die Buddhisten Tee?

Benn: Der Buddhismus verbietet den Konsum von Alkohol. Man muss einen Schwur leisten, dass man nie berauschende Mittel zu sich nimmt. In buddhistischen Klöstern trank man gerne Tee, da es die Verdauung unterstützte. Wenn man lange sitzt und meditiert, ist es wichtig, dass man sein Essen gut verdaut hat. Darüber hinaus hielt das Koffein im Tee wach, wodurch man sich langen Meditationen widmen konnte.

Woraus bestand der Tee?

Benn: Es war im Grunde Grüner Tee, der zu Zeiten der Tang-Dynastie frisch gepflückt, getrocknet und dann zu Teeblöcken geformt wurde. Diese konnte man leicht transportieren. Danach hatte man die getrockneten Blätter zu einem Pulver zermahlen – ähnlich dem heutigen Macha Tee in Japan. Man kochte den Tee schließlich mit heißem Wasser sowie Salz, Ingwer, Nüssen, Früchten und anderen Zutaten auf. Dieses Teegetränk unterschied sich also sehr deutlich von Tee wie wir ihn kennen.

Wie genau verbreitete sich der Tee nun als nationales Getränk für die gesamte Bevölkerung?

Benn: Wir haben nicht wirklich genug Quellen, um genau sagen zu können, wie das vonstatten gegangen ist. Man weiß aber, dass es damals Menschen gab, die buddhistisch erzogen wurden aber keine Mönche waren. Als sie begannen, über Tee zu schreiben und ihn aktiv zu bewerben, war das ein Wendepunkt, von dem aus sich die Teekultur in die allgemeine Bevölkerung verbreitete. Aber wir können nicht punktgenau sagen, wie diese Transformation abgelaufen ist.

Welche Quellen berichten von dem Wandel der Trinkkultur?

Benn: Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher schriftlicher Dokumente und Texte – Tang-Gedichte und Literatur, die dem Tee gewidmet sind oder sogenannte „lokale Gazetteers“, eine Art Ortslexikon. Darüber hinaus kommen ein paar Jahrhunderte später erste historische Aufarbeitungen hinzu, die uns als Quelle dienen.

Zudem haben sich auch materielle Belege erhalten, wie etwa verschiedene Tee-Utensilien. Daneben gibt es auch ein paar künstlerische Belege aus einer etwas späteren Zeit, wie etwa Gemälde, auf denen Tee zu sehen ist. Es gibt also sehr unterschiedliche Quellen, allerdings sind diese nicht so umfangreich, dass sich jedes Detail dieser Entwicklung genau nachvollziehen lässt.

Hat das buddhistische Tee-Rezept auch heute noch Tradition in chinesischen Haushalten?

Benn: Nein, die Teekultur hat sich über die Jahrhunderte stark verändert. Man trinkt zwar immer noch Grüntee, aber aus getrockneten, ganzen Blättern. Aufgebrüht wird es nun in einer Teetasse oder Kanne und nicht mehr mit anderen Zutaten aufgekocht. Diese Veränderung wird vor allem im 14. Jahrhundert deutlich.