27.04.2018

Jugendliche setzen archäologische Funde ins rechte Licht

Schüler/innen aus Niederösterreich entwickelten in einem Citizen Science-Projekt eine vollautomatische Beleuchtungskuppel, mit der ÖAW-Archäolog/innen Funde effizienter fotografieren können.

Funde, die bei einer archäologischen Ausgrabung freigelegt werden, wie etwa Keramiken, Inschriften oder Münzen müssen zur Dokumentation und weiteren wissenschaftlichen Analyse fotografiert werden. Die Forscher/innen am Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verwenden dafür eine computerbasierte fotografische Methode, das sogenannte Reflectance Transformation Imaging (RTI). Dabei werden von einer fixierten Kameraposition aus mehrere Fotos mit verschiedenen Beleuchtungspositionen erstellt. Das soll eine optimale Erfassung der Funde ermöglichen. Diese Methode hat nur leider einen Haken: Die Prozedur dafür ist aufwändig und zeitraubend, da jede Lampe händisch positioniert werden muss und die Fotos nur einzeln angefertigt werden können.

Funde perfekt ausgeleuchtet

Das war zumindest bis vor kurzem so. Nun ist es Schüler/innen der HTL St. Pölten in Niederösterreich gemeinsam mit Archäolog/innen des ÖAW-Instituts gelungen, ein spezielles vollautomatisches Beleuchtungssystem zu entwickeln. Sie konstruierten eine Kuppel, die über einem Objekt platziert werden kann. In der Mitte der Kuppel ist eine Kamera befestigt, um die herum bis zu 40 Lampen montiert sind. Mit diesem „RTI-Dome“, wie die Schüler/innen ihre Konstruktion tauften, können die Archäolog/innen Funde aus verschiedenen Beleuchtungspositionen aufnehmen – und das sogar gleich am Grabungsgelände.

Bei Grabungen einsetzbar

„Die Herausforderung bestand darin, eine automatisierte Beleuchtungskuppel mit Kamerasynchronisation zu entwickeln, die sowohl stationär am ÖAI in Wien als auch in der Feldforschung verwendet werden kann", erläutert ÖAW-Fotograf Niki Gail. Die Kuppel hat daher nicht nur eine kleine Baugröße sondern ist auch leicht transportierbar und einfach zu bedienen. Zudem hält sie hohen Temperaturen stand, was wichtig ist bei Grabungen in südlichen Ländern.

Seinen ersten Einsatz in der Praxis wird der RTI-Dome auf der Grabung in Ephesos absolvieren. Seine erste Auszeichnung hat er ebenfalls bereits erhalten: Die Schüler/innen haben ihr Projekt beim Wettbewerb für junge, technische Talente "Axaward 2018" eingereicht und erreichten den vierten Platz.