16.12.2014

Höchste Preise der ÖAW vergeben

Die beiden Preise für das wissenschaftliche Lebenswerk, der Erwin Schrödinger-Preis und der Wilhelm Hartel-Preis wurden am 12. Dezember 2014 an Denise P. Barlow beziehungsweise an Georg P. Braulik verliehen. Claus Lamm wurde mit dem Elisabeth Lutz-Preis ausgezeichnet.

Denise P. Barlow, Erwin Schrödinger-Preisträgerin 2014
Denise P. Barlow wird in Anerkennung ihrer hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Molekularbiologie, insbesondere im Bereich der Epigenetik und der genomischen Prägungen mit dem Erwin Schrödinger-Preis ausgezeichnet. Sie gilt als Pionierin und führende Wissenschaftlerin im Bereich der genetischen Prägung und hat wesentlich zur Entwicklung des Forschungsfeldes beigetragen. 1991 gelang es der überwiegend in Österreich forschenden Britin erstmals ein geprägtes - den Wachstumsfaktor IGF2R (Insulin-like Growth Factor Type 2 Receptor) - bei der Maus zu identifizieren. Erst kürzlich beschrieb ihre Forschungsgruppe am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW einen neuartigen Mechanismus der Gen-Abschaltung in Säugetieren. Zur großen Überraschung von Denise Barlow und ihrem Team war es ein spezielles lncRNA Molekül, dass allein durch seine Herstellung (Transkription) Gene stilllegt. Denise P. Barlow geht nun in ihren aktuellen Forschungsarbeiten der Frage nach, ob dieser Mechanismus generell zu finden ist und ob er bei Entwicklungs- und Krankheitsprozessen eine Rolle spielt.

Denise P. Barlow studierte nach einer Ausbildung als Krankenschwester Zoologie und Biochemie an den Universitäten Reading, Warwick und Oxford. Sie forschte mehrere Jahre an den I.C.R.F. Mill Hill Laboratories (London) und war als Post-doc Fellow am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg tätig. Von 1988 bis 1995 war sie Gruppenleiterin an Institute of Molecular Pathology (IMP) in Wien, danach übernahm sie die Leitung einer Gruppe am Netherland's Cancer Institute in Amsterdam. Seit 2003 ist Denise Barlow Principal Investigator am CeMM - Center for Molecular Medicine der ÖAW.

Georg P. Braulik OSB, Wilhelm Hartel-Preisträger 2014
Georg P. Braulik OSB wird in Anerkennung seiner hervorragenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Alttestamentlichen Bibelwissenschaft mit dem Wilhelm Hartel-Preis ausgezeichnet. Schwerpunkte der wissenschaftlichen Forschung und Lehre Brauliks bilden die Kommentierung des alttestamentlichen Buches Deuteronomium, ferner die Auslegung des Psalmenbuchs und im Zusammenhang damit die Verbindung von Altem Testament und christlicher Liturgie.

Georg Braulik trat 1959 in die "Benediktinerabtei zu den Schotten" in Wien ein und wurde 1965 zum Priester geweiht. Er studierte Katholische Theologie an der Universität Wien und am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom. 1975 wurde er an der Universität Wien habilitiert. Dort war er von 1976 bis 1989 als ao. Universitätsprofessor und Leiter der neu errichteten Abteilung für Biblische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät und 1989 bis 2004 als o. Universitätsprofessor und Vorstand des Instituts für Alttestamentliche Biblewissenschaft tätig. Seit 1999 ist Georg P. Braulik korrespondierendes Mitglied der ÖAW.

Claus Lamm, Elisabeth Lutz-Preisträger 2014
Claus Lamm wird in Anerkennung seiner Forschungsleistungen im Bereich der neurowissenschaftlichen und biologischen Mechanismen des menschlichen Sozialverhaltens mit dem Elisabeth Lutz-Preis ausgezeichnet. Die vor ungefähr 15 Jahren entstandene Subdisziplin der Sozialen Neurowissenschaften beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, welche neurobiologischen Mechanismen der Empathiefähigkeit zugrunde liegen. Dadurch wurden neue und bedeutsame Erkenntnisse hinsichtlich der die Menschheit seit jeher beschäftigenden Frage generiert, was es uns ermöglicht, einander (besser) zu verstehen. Es zeigte sich unter anderem, dass Empathie ein hochkomplexes soziales und emotionales Phänomen ist, an dessen Entstehung und Ausgestaltung unterschiedlichste Gehirnstrukturen und psychologische Funktionen beteiligt sind. Dabei interagieren in einem dynamischen Wechselspiel automatisch-reflexive und eher angeborene Prozesse mit regulierenden und eher erworbenen Prozessen.

Der gebürtige Vorarlberger Claus Lamm ist Professor für Biologische Psychologie und Leiter der Social, Cognitive and Affective Neuroscience Unit an der Fakultät für Psychologie der Universität Wien. nach seinem Studium der Psychologie an der Universität Wien war er mehrere Jahre am INSERM, an der University of Chicago sowie an der Universität Zürich tätig, bis er im Jahr 2010 nach Wien zurückkehrte.


Die Preise
Mit dem Erwin Schrödinger-Preis werden Gelehrte ausgezeichneichnet, die in Österreich wirken und hervorragende wissenschaftliche Leistungen in den von der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse im weitesten Sinne vertretenen Fächern vollbracht haben.
Der Wilhelm Hartel-Preis zeichnet für Forscher/innen aus, die in Österreich wirken und hervorragende wissenschaftliche Leistungen in den von der philosophisch-historischen Klasse im weitesten Sinne vertretenen Fächern vollbracht haben.
Der seit 2013 vergebene Elisabeth Lutz-Preis ehrt Wissenschaftler/innen in Österreich, die eine mehrjährige eigenständige Forschungstätigkeit in der Grundlagenforschung, insbesondere auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, nachweisen können. Bei der Auswahl werden interdisziplinäre Forschungsansätze besonders berücksichtigt. Wichtige Kriterien sind außerdem Erkenntnisvermittlung, Zukunftsorientierung und Nachhaltigkeit.

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