04.12.2015

Höchste Auszeichnungen der ÖAW vergeben

Am 11. Dezember 2015 werden Jiří Friml und Michael Wagner mit dem diesjährigen Erwin Schrödinger-Preis, Sylvia Cremer mit dem Elisabeth Lutz-Preis ausgezeichnet. Emmerich Tálos erhält den Wilhelm Hartel-Preis. Zeitgleich verleiht die ÖAW Nachwuchspreise an neun Forscher/innen und würdigt vier Wissenschaftler/innen für herausragende Publikationen.

Jiří Friml ist Pflanzengenetiker am IST Austria, Michael Wagner ist Professor für Mikrobielle Ökologie an der Universität Wien. Beide Biologen werden für ihre Erkenntnisse – zur Anpassungsfähigkeit von Pflanzen beziehungsweise zur Diversität und Funktionalität von Mikroorganismen – zu gleichen Teilen mit dem diesjährigen Erwin Schrödinger-Preis ausgezeichnet. Die Biologin Sylvia Cremer, ebenfalls vom IST Austria, erhält für ihre Arbeiten zur Krankheitsabwehr bei Ameisen den Elisabeth Lutz-Preis. Der Politikwissenschaftler Emmerich Tálos wird für seine Forschungen zum österreichischen Sozialstaat und zum Austrofaschismus mit dem Wilhelm Hartel-Preis geehrt. Die drei Wissenschaftspreise sind mit jeweils 15.000 Euro dotiert und werden einmal jährlich von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) an Forscher/innen verliehen, die hervorragende Leistungen in ihren Fächern erbracht haben. Die feierliche Überreichung an die Preisträger/innen findet am 11. Dezember 2015 an der ÖAW statt.

Pflanzenwachstum und Mikroorganismen

Jiří Friml untersucht jene Signale aus der Umwelt, mit denen Pflanzen Keimung, Gestaltbildung und Wachstum steuern. Er kombiniert hierfür Methoden der Molekularbiologie, Molekulargenetik, Biochemie und mathematischen Modellierung. Ziel seiner Forschung ist es, klarer zu erkennen, wie etwa Licht- und Temperaturimpulse in Signalnetzwerke im Innern der Pflanze aufgenommen werden und die Entwicklung von Pflanzen beeinflussen.

Michael Wagner nimmt die Interaktionen von Mikroorganismen mit Pflanzen, Tieren und dem Menschen in den Blick. Obwohl Mikroorganismen die großen Stoffkreisläufe der Erde maßgeblich beeinflussen, ist ihre Diversität und Funktionalität noch wenig erforscht. Seine aktuellen Experimente an der Schnittstelle von Ökophysiologie, Genetik und Evolutionsforschung befassen sich mit der Vielfalt „nitrifizierender Mikroorganismen“ – jener einzelligen Lebewesen, die den Stickstoffdünger in der Landwirtschaft umwandeln, so dem Boden entziehen und damit wesentlich zu einer Überdüngung der Gewässer beitragen.

Kollektive Krankheitsabwehr

Sylvia Cremer untersucht die kollektive Krankheitsabwehr bei Ameisen. Denn obwohl sich in Kolonien sozialer Insekten wie Ameisen aufgrund des engen Sozialkontakts Krankheiten leicht ausbreiten können, treten Epidemien tatsächlich überaus selten auf. Grund dafür sind kooperative Mechanismen zur Abwehr von Krankheitserregern, die das individuelle Immunsystem der Gruppenmitglieder ergänzen. Durch ihre Studien möchte Cremer mehr über die Dynamik von Krankheiten in Gesellschaften erfahren.

Politik in Österreich im 20. Jahrhundert

Emmerich Tálos wird für seine Forschungsarbeiten zum Wohlfahrtsstaat und zur Sozialpartnerschaft, zur politischen Entwicklung Österreichs und zum Austrofaschismus ausgezeichnet. Der Professor emeritus für Politikwissenschaft an der Universität Wien und Lehrbeauftragter an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie an der Donau-Universität Krems, konnte damit das allgemeine Wissen über Politik in Österreich im 20. Jahrhundert wesentlich vertiefen und hat mit seinen fächerübergreifenden Fragestellungen vielfach wissenschaftliches Neuland betreten.

Die Preise

Mit dem Erwin Schrödinger-Preis, benannt nach dem Nobelpreisträger für Physik, werden Forscher/innen ausgezeichnet, die in Österreich wirken und hervorragende wissenschaftliche Leistungen in den von der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der ÖAW vertretenen Fächern erbracht haben. Sein Pendant, der Wilhelm Hartel-Preis, ehrt Wissenschaftler/innen, die in den von der philosophisch-historischen Klasse der ÖAW vertretenen Fächern forschen. Der seit 2013 vergebene Elisabeth Lutz-Preis wendet sich an Wissenschaftler/innen in Österreich, die eine mehrjährige eigenständige Forschungstätigkeit in der Grundlagenforschung, insbesondere auf dem Gebiet der Naturwissenschaften, nachweisen können.

Weitere Auszeichnungen

Zusammen mit diesen Auszeichnungen an etablierte Forscher/innen vergibt die ÖAW jährlich auch Nachwuchspreise und Preise für herausragende Publikationen.

Chemie und Paläontologie
Thomas Wiesner, österreichischer Onkologe am Memorial Sloane-Kettering Cancer Center in New York, erhält den Alois Sonnleitner-Preis für seine Arbeiten zur molekularen Tumorgenetik bei Hautkrebs. Hannes Mikula, Chemiker und Post Doc am Center for Systems Biology der Harvard Medical School, wird für seine Dissertation über Schimmelpilz-Gifte mit dem Karl Schlögl-Preis ausgezeichnet. Julia Schörghuber, Doktorandin am Institut für Organische Chemie der Universität Wien, wird für ihre Masterarbeit zur Isotopenmarkierung von Proteinen mit dem Otto Vogl-Preis geehrt, und Kristof Veitschegger, derzeit Doktorand in Zürich, erhält für seine paläontologische Masterarbeit über Großsäuger nach der letzten Eiszeit das Erich Thenius-Stipendium.

Quantenphysik und Byzantinistik
Mit Mitteln des Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die ÖAW wird der Best Paper Award für zwei „Nature“-Publikationen unterstützt: Die eine haben zwei junge Quantenphysiker aus Innsbruck, Petar Jurcevic und Ben P. Lanyon publiziert; die andere betrifft die Arbeit des aktuell in Oxford forschenden Molekularmediziners Kilian Huber. Ebenfalls aus dem Jubiläumsfonds kommt die Auszeichnung der besten Publikation für Christian Gastgeber, Byzantinist und Neogräzist an der ÖAW, für seine Monographie über die griechischen Handschriften der Bibliotheca Corviniana in der Österreichischen Nationalbibliothek.

Theologie, Migrationsforschung und Archäologie
Dorothee Bauer wird für ihre Dissertation über Theologie und Spiritualität in Olivier Messiaens letztem Orgelwerk „Livre du Saint Sacrement“ mit dem Roland Atefie-Preis geehrt. Zwei weitere Projekte werden mit dem Dissertationspreis für Migrationsforschung ausgezeichnet: das Projekt von Fabiane Baxewanos, Post Doc an der Harvard Law School, die über Migrationskontrolle außerhalb Europas geschrieben hat, sowie jenes der an der Universität Wien forschenden Sabrina Luimpöck über Erwerbsbiografien tschetschenischer Flüchtlinge. Die Dissertation über Ritual und Religion im archaischen Sizilien der Archäologin Birgit Öhlinger, derzeit Post Doc an der Universität Innsbruck, wird mit dem Jubiläumspreis des Böhlau Verlages Wien gewürdigt. Das diesjährige Moritz Csáky-Stipendium für einen Forschungsaufenthalt in Österreich erhält Tibor-Tamás Daróczi, Archäologe an der Rumänischen Akademie der Wissenschaften, für ein Forschungsprojekt über Metalle im Kontext von Bestattungen in der Kupferzeit.

Mehr über alle Preisträger/innen und Preise unter stipendien.oeaw.ac.at