24.11.2017

Forscherinnen sichtbar machen

Fünf junge Wissenschaftlerinnen erhielten „For Women in Science“-Stipendien. Bei der feierlichen Verleihung der Auszeichnung an der ÖAW legte Festrednerin und Astronautin Claudie Haigneré ihren Kolleginnen ans Herz, sich auf ihrem wissenschaftlichen Karriereweg nicht beirren zu lassen.

Der Anteil von Frauen in der Wissenschaft gleicht einer umgekehrten Pyramide. Gibt es beim Studium und Masterabschluss noch eine Gleichheit der Geschlechter. Nimmt von da an mit jeder Karrierestufe nach oben der Frauenanteil ab. Damit Frauen in der Wissenschaft nicht auf der Strecke bleiben, vergibt das „For Women in Science“-Programm – eine Inititative von L`Oréal Österreich, der österreichischen UNESCO-Kommission, des Wissenschaftsministeriums und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) – einmal im Jahr mit bis zu je 20.000 Euro dotierte Stipendien an hochbegabte Jungforscherinnen.

Waren es bisher stets vier Stipendien wurden 2017 erstmals fünf vergeben. Denn die ÖAW hat in diesem Jahr das erfolgreiche Fördermodell mit eigenen Mitteln um ein zusätzliches Stipendium erweitert, um herausragende Forscherinnen bei der Überbrückung kritischer Übergangsphasen in der wissenschaftlichen Karriere, etwa nach einem Doktorat, unterstützen zu können. Die „For Women in Science“-Stipendien wurden heuer zum elften Mal vergeben. So konnten seit der Gründung der Initiative im Jahr 2006 bereits 45 vielversprechende Forscherinnen auf ihrem Weg in der Wissenschaft gefördert werden.

„Sie sind Vorbilder“

Doch bei den Stipendien geht es nicht nur um finanzielle Förderung. Mit der feierlichen Verleihung am 22. November 2017 im Festsaal der ÖAW sollte auch Wertschätzung signalisiert werden, wie ÖAW-Klassenpräsident Oliver Jens Schmitt in seiner Begrüßungsrede betonte: „Wir wollen die Leistungen von Frauen in der Wissenschaft öffentlich machen. Auf diese Weise soll die Sichtbarkeit von Forscherinnen erhöht werden.“ Damit könne der Erfolg der Stipendiatinnen auch ein Ansporn für andere Nachwuchswissenschaftlerinnen sein: „Sie sind Vorbilder“, so Schmitt.

Ein Vorbild für Frauen in der Wissenschaft ist auch die französische Astronautin und Politikerin Claudie Haigneré. Die erste Europäerin im Weltall erzählte in ihrer sehr persönlichen Festrede, wie sich mit der Mondlandung im Jahr 1968 für die damals 12-Jährige innerlich eine Tür für das Menschenmögliche geöffnet habe. Später setzte sie sich gegen mehr als 1.000 Bewerber bei der französischen Raumfahrtbehörde CNES für die Ausbildung zur Astronautin durch. Erst bei der Endqualifikation fiel ihr auf, dass unter den sieben ausgewählten Kandidaten, sie die einzige Frau war – und als solche war Haigneré schließlich 1996 und 2001 als Astronautin im Weltall.

Nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Raumfahrt trat sie in die Politik ein und bekleidete zwei Ministerämter in Frankreich. Heute ist sie Beraterin bei der Europäischen Raumfahrtagentur ESA und Direktorin der »Cité des Sciences et de l’Industrie« in Paris, dem größten populärwissenschaftlichen Museum in Europa. Auf die eigene Erfahrung zurückblickend gab Haigneré den fünf Stipendiatinnen einen Rat mit auf den Weg: „Take risks. Take time. Take care.“

Medizin und Pflanzenbiologie

Die ausgezeichneten Forscherinnen Laura Castoldi, Angelika Czedik-Eysenberg, Laura Dolores Gallego Valle, Katharina Rindler und Susanne Urach können auf ihrem jeweiligen Fachgebiet bereits auf beachtliche Erfolge zurückblicken. Mit den Stipendien möchten sie ihre Forschungsprojekte abschließen oder neue starten. „Mein Ziel ist es, an der Entwicklung neuer Medikamente mitzuhelfen, die Leben retten können“, sagt etwa die Chemikerin Laura Castoldi von der Universität Wien. In ihrem Forschungsprojekt geht es darum, neue Verbindungen oder neue Stoffe aus bekannten Elementen herzustellen, die für die Entwicklung neuer Arzneimittel eingesetzt werden können.

Angelika Czedik-Eysenberg vom GMI – Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie der ÖAW erforscht, wie sich Pilzbefall auf die Wirtspflanze auswirkt, bevor man eindeutige Symptome erkennen kann. Laura Dolores Gallego, Epigenetikerin an der Medizinischen Universität Wien, geht wiederum der Frage nach, wie Histone, das „Packmaterial für die DNA“ durch ein spezielles Protein namens „Ubiquitin“ modifiziert werden. Katharina Rindler, Krebsforscherin an der MedUni, arbeitet an der Entschlüsselung neuer molekularer Mechanismen der Metastasierung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Und Susanne Urach, gleichfalls von der MedUni, möchte mit ihrem „For Women in Science“-Stipendium an der Verbesserung statistischer Verfahren in der Medizin arbeiten, um mit geringeren Fallzahlen als bisher Patient/innen rascher effektive Medikamente zur Verfügung stellen zu können.

Vom Stipendium zum Nobelpreis

Die Auswahl der Stipendiatinnen erfolgte durch eine hochkarätig besetzte Jury aus Expert/innen der ÖAW unter Einbeziehung ausländischer Gutachter/innen. Kriterien sind die Exzellenz der Antragstellerinnen sowie die wissenschaftliche Relevanz und Realisierbarkeit des eingereichten Projekts. Die Österreich-Stipendien des „For Women in Science“-Programms, sind Teil einer weltweiten Initiative, die 1998 ins Leben gerufen wurde und bisher 2.800 Frauen aus allen Erdteilen gefördert hat. Zwei der Preisträgerinnen erhielten in der Folge einen Nobelpreis.