11.01.2016

ERC Consolidator Grant für Francesca Ferlaino

Hoher EU-Förderpreis für Quantenphysikerin am ÖAW-Institut für Quantenoptik und Quanteninformation Innsbruck

Für ihre Forschungen zu Quanteneigenschaften der Materie an ultrakalten Gasen wurde die Quantenphysikerin Francesca Ferlaino mit einem bedeutenden europäischen Förderpreis ausgezeichnet. Die wissenschaftliche Direktorin am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) Innsbruck der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erhält einen mit bis zu zwei Millionen Euro dotierten Consolidator Grant des European Research Council (ERC). Der Förderpreis markiert, nach der Zuerkennung unter anderem eines ERC Starting Grants im Jahr 2010, bereits die nächste hochkarätige Auszeichnung der Forschungsarbeiten Ferlainos.

Quantenmaterie verstehen

Die Quantenphysikerin arbeitet mit Atomen, die sie mit Hilfe von elektromagnetischen Feldern und Lasern in einer Vakuumkammer einfängt und nahe an den absoluten Nullpunkt abkühlt. Diese ultrakalten Gase zeigen quantenmechanische Eigenschaften, und ihr Verhalten kann sehr gut gesteuert werden. So können die Wissenschaftler gezielt quantenphysikalische Phänomene herbeiführen und erforschen. Ferlaino verwendet dazu Metalle der seltenen Erden, wie sie heute in vielen Schlüsseltechnologien eingesetzt werden.

Derzeit arbeitet Ferlaino an der Realisierung einer ultrakalten Mischung zweier stark magnetischer Elemente: Erbium und Dysprosium. Damit will sie den Grundstein zur Erforschung von komplexen, geometrieabhängigen Quantensystemen legen. „Das ist ein neues Abenteuer, bei dem wir die Grenzen unseres Wissens über stark magnetische Atome verschieben und in bisher unerforschte Gebiete der Quantenphysik vordringen wollen“, sagt Ferlaino. „Es geht uns darum, die Quanteneigenschaften der Materie noch besser zu verstehen.“

Erfolg bestätigt

Das mit dem ERC Consolidator Grant geförderte neue Forschungsprojekt Ferlainos wird am Institut für Experimentalphysik der Universität Innsbruck und dem IQOQI Innsbruck durchgeführt. „Dieses Projekt ist ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig die enge Kooperation zwischen Universität und Akademie-Institut für unsere Forschung ist. Nur so können wir in dem sehr kompetitiven Wettlauf um internationale Forschungsgelder vorne mitmischen“, sagt Ferlaino. „Dieser Erfolg ist auch eine großartige Bestätigung für die Arbeit meiner Forschungsgruppe“, freut sich die Quantenphysikerin.

Zur Person

Ferlaino kam nach ihrem Studium in Neapel, Triest und Florenz im Jahr 2007 nach Innsbruck, wo sie seit 2014 als Professorin an der Universität Innsbruck sowie als wissenschaftliche Direktorin am IQOQI tätig ist. Die 38-jährige Trägerin hoher Auszeichnungen und Ehrungen sorgte mit Arbeiten auf dem Gebiet ultrakalter Quantengase international für Aufmerksamkeit. 2013 wurde ihr eine Alexander-von-Humboldt-Professur zuerkannt, die sie zugunsten ihrer Tätigkeit in Innsbruck ablehnte.

Für die ÖAW stellt der Consolidator Grant an Ferlaino, einschließlich der Starting Grants, Advanced Grants und der Proof of Concept Grants, die bereits 35. Auszeichnung des ERC seit Beginn der Vergaben dar.