11.09.2017

Eintauchen in die Welt des Deep Space

Einen virtuellen 3-D-Rundgang durch die spätantike ägyptische Festung Hisn al-Bab präsentierten ÖAW-Archäolog/innen bei der Ars Electronica in Linz.

Man brauchte nur eine 3-D-Brille, wie man sie aus dem Kino kennt, und schon konnte es losgehen: Rund 150 Besucher/innen unternahmen bei der diesjährigen Ars Electronica in Linz einen virtuellen Rundgang durch die ägyptische Festung Hisn al-Bab aus dem 5. bis 10. Jahrhundert. Fast so, als wäre man direkt vor Ort im südlichen Ägypten, folgte man dem alten Zugangsweg, vom Nil kommend, bis zur imposanten Toranlage und gelangte in das Innere der Festung. Begleitet wurde der virtuelle Ausflug, den das Österreichische Archäologische Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) auf dem Kunst- und Elektronikfestival in der oberösterreichischen Landeshauptstadt anbot von Pamela Rose von der Zweigstelle des Instituts in Kairo, die gemeinsam mit ihrem Team seit 2011 die Festungsanlage von Hisn al-Bab archäologisch untersucht.

Kulturmonument virtuell erleben

Wie bei archäologischen Ausgrabungen heute üblich, wurden die freigelegten Monumente der Festung mit einem 3-D-Laserscanner vermessen. Auf Basis dieser Scandaten der TU Wien erstellte das Team des Ars Electronica Future Lab eine 3-D-Visualisierung. Diese wurde nun erstmals der Öffentlichkeit bei der Ars Electronica im Deep Space, einem Raum mit einer 16 mal 9 Meter großen Wand- und Bodenprojektion, in hoher Auflösung präsentiert.

Die 3-D-Visualisierung ermöglicht es, die Festung, die heute nicht mehr für Tourist/innen zugänglich ist, erlebbar zu machen. Da das Monument selbst vor allem durch Raubgräber und Umwelteinflüsse, wie sintflutartige Regenfälle, bedroht ist, ist eine solche Visualisierung nicht nur eine Voraussetzung für nachhaltige Restaurierungsmaßnahmen, sondern auch eine wichtige Möglichkeit, die Forschungsergebnisse für die Zukunft zu dokumentieren und Öffentlichkeit wie Scientific Community verfügbar zu machen.

Blick in die Geschichte eines politischen Hotspots

Die Festung Hisn al-Bab liegt in Sichtweite des Tempels von Philae bei Assuan hoch am Ufer des Nil. Sie befindet sich in jenem Grenzbereich zwischen dem ägyptischen Staat und dem nubischen Königreich, in dem auch in der Spätantike und dem Mittelalter diese beiden unterschiedlichen Kulturen immer wieder konfliktreich aufeinander trafen. Funde von Keramik aus den Küchen- und Lagerräumen zeichnen gemeinsam mit der Auswertung der botanischen und zoologischen Überreste ein deutliches Bild von der Lebensweise der Festungsbewohner/innen und deren Handelsbeziehungen. Auch der wohl oft kriegerische Alltag spiegelt sich in mehreren Skelettfunden mit deutlichen Anzeichen grausamer Verletzungen wider.

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Leiter des Ars Electronica Center Christoph Kremer, Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer, dem Botschafter der Republik Ägypten Omar Amer Youssef sowie der Leiterin der Kulturpolitischen Sektion des Außenministeriums Teresa Indjein, der Direktorin des Österreichischen Archäologischen Instituts der ÖAW Sabine Ladstätter und der Leiterin der Zweigstelle Kairo des Instituts Irene Forstner-Müller.